Erinnerung
Lesen wider das Vergessen
- Mario Zoll, Jürgen Perl, Constanze Matthes
- hochgeladen von Waltraud Eilers
Nicht nur die niedrige Temperatur ließ die Zuhörer am Samstag, 16. Mai 2026, ab 13:30 Uhr frösteln; das bedrückende Thema verstärkte das Kälte-Empfinden. Mit einer Straßenlesung am Marientor wurde an die öffentlichen Bücherverbrennungen von 1933 erinnert.
„Wenige Tage nach der Machtübernahme Hitlers brannten die ersten Bücher“, leitete Constanze Matthes, Redakteurin beim Naumburger Tageblatt, die Lesung ein, in der aus Werken seinerzeit verbotener bzw. nicht erwünschter Autorinnen und Autoren rezitiert wurde. Organisiert haben diese wichtige Gedenkfeier - wie in den vergangenen Jahren - die Freie Schule im Burgenlandkreis „Jan Hus“ und die MBA Medizinische Berufsakademie GmbH.
Danke an alle Initiatoren und Mitwirkenden. Von einigen habe ich Fotos angefügt, diese mit näheren Angaben versehen.
Mario Zoll und Jürgen Perl eröffneten die musikalische Untermalung mit Wenzels „Wenn nur diese Fratzen nicht wären“.
Menzel
Wenn nur diese Fratzen nicht wär’n
Der Abend liegt sanft vor den Füßen,
Komm, laß uns ein Stückchen noch gehn,
Den Mond und die Sterne zu grüßen,
Ich muß heut was Schönes noch sehn.
Verblüht sind Akazien und Flieder
Und der Himmel strahlt nah überm Dach,
Dort wohnen die alten Lieder
Von Goethe, Heine und Bach.
Und doch bin erschrocken ich fremd hier und fern.
Wenn nur diese Fratzen nicht wärn.
Die Not geht in noblen Hemden,
Und der Neid ist als Kühnheit geschmückt,
Im Selbsthaß haßt man die Fremden,
Unterdrückt, weil man selbst unterdrückt.
Die Straßen erschrecken die harten
Gesänge von Not und Dummheit
Und die Heilsverkünder, sie warten
Auf ihre Gelegenheit.
Was machen sie nur mit diesem Stern!
Wenn nur diese Fratzen nicht wärn.
Die Welt ist ein Meer voller Wunder
Und die Sehnsucht ihr schönstes Gedicht
Und man stellt sie voll mit Dreck und Plunder,
Zerkratzt mit Kriegen ihr Gesicht.
Die einen stehn stur an Gewehren
Und die Anderen zähln lässig das Geld
Und die Mächtigen reden und schwören
Als wär’s nur ihre Welt.
Dann seh ich sie grienen voll Hochmut so fern,
Wenn nur diese Fratzen nicht wärn.
Bürgerreporter:in:Waltraud Eilers aus Naumburg (Saale) |
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