MitmachBühne Meitingen
Zwischen Bluesriff und Community-Orgel: Die Mitmach-Bühne Meitingen feiert die Lust am Anderssein
- hochgeladen von Nicole Kessler
Vierzig Menschen im Publikum, eine Bühne und ein Programm, das sich nicht sonderlich um Schubladen bemühte: Bei der Mitmach-Bühne in Meitingen trafen am 26. September 2026 Blues auf Pflegehumor, Orgelklänge auf Akkordeon und Saxophon, Roboter auf Romeo und Julia. Vor allem aber trafen Menschen aufeinander, die bereit waren, sich auf etwas Neues einzulassen.
Den Auftakt machte Davyd Wylde. Mit bluesigen Gitarrenriffs und markanter Stimme brachte der Singer-Songwriter eine erdige Klangfarbe auf die Bühne und eröffnete den Abend mit jener Direktheit, die den Blues seit jeher auszeichnet.
Danach wechselte die Tonlage grundlegend: Manuela Schivelbein nahm das Publikum mit in den Alltag einer Pflegefachkraft. Ihre humorvollen und pointierten Einblicke zeigten, dass der Berufsalltag genügend Geschichten bereithält, die gleichzeitig zum Schmunzeln und zum Nachdenken bringen.
Für einen besonderen Moment sorgte anschließend Christoph Gleich mit seiner Community-Orgel. Das Instrument war hier nicht nur zum Zuhören gedacht: Gleich lud das Publikum zum Mitmachen ein, und viele ließen sich darauf ein. Aus der Orgel wurde so ein gemeinsamer Klangraum – ein musikalischer Moment, in dem die Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum kurz verschwand.
Andreas Kalb setzte danach seinen eigenen Kontrapunkt. Sein musikalischer Ritt führte von Robotern bis zu Romeo und Julia und ließ sich dabei nur schwer auf ein Genre festlegen. Gerade die überraschenden Wendungen machten den Auftritt zu einem der eigensinnigsten Momente des Abends.
Ruhiger wurde es anschließend bei Helmut Spitko und Renate Steinbichler. Gitarre, Saxophon und Akkordeon fügten sich zu warmen, gemütlichen Klängen und gaben dem Abend noch einmal eine andere Farbe.
Auch außerhalb der Bühne gab es etwas zu entdecken: Exponate des Werkstattateliers der CAB in Schwabmünchen aus der Ausstellung Weltsichten begleiteten die Veranstaltung. Unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen, passte damit nicht nur zum Titel der Ausstellung, sondern auch zum Charakter des Abends.
Den Schlusspunkt setzte Sebastian Mark mit seinem preisgekrönten Hörspiel. Mark wurde mit dem Jugendkulturpreis „Ich=anders=Fehler“ ausgezeichnet und gab dem Abend einen nachdenklicheren Schlussakkord. Was davon blieb, war weniger eine eindeutige Botschaft als vielmehr eine Frage: Sind wir nicht alle ein bisschen anders?
Vielleicht lag darin die eigentliche Klammer dieses Abends. Die rund 40 Besucherinnen und Besucher mussten nicht alles kennen, verstehen oder gleichermaßen mögen. Es genügte, neugierig zu bleiben. So fanden im Haus der Musik Bluesriff und Orgel, Pflegehumor und Hörspiel, Saxophon und Akkordeon nebeneinander Platz.
Und vielleicht liegt genau darin die Idee der Mitmach-Bühne: nicht darin, dass alle dasselbe können oder mögen, sondern darin, dass unterschiedliche Stimmen Raum bekommen – und aus dem Zuhören manchmal sogar gemeinsames Musizieren wird.
Text/Fotos: Quartiersbüro Meitingen, Christoph Stadler
Bürgerreporter:in:Nicole Kessler aus Meitingen |
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