DER BA.CH-CODE
Buchlesung mit Rolf-Jürgen Lang: DER BA.CH-CODE im Il Lago di Garda
- hochgeladen von Hans Bucsek
Landsberg „Auf Einladung der Arbeitsgruppe 60plus der Landsberger SPD las Rolf-Jürgen Lang im Restaurant Il Lago di Garda aus seinem Roman DER BA.CH-CODE. Der Autor machte es seinem Publikum nicht leicht – doch wer sich auf die Geschichte einließ, wurde schnell in ihren Bann gezogen.
Im Zentrum des Romans steht der Gefreite Hubert Rösler, der sich in den letzten Kriegstagen 1945 eigenmächtig von seinem Marschbefehl absetzt. Statt direkt von einem Lazarett in Prag zu seiner Einheit nach Schwerin zurückzukehren, besucht er seine Eltern – ein riskantes Unterfangen, das ihn zur Fahnenflucht macht. Ein Hauptmann entdeckt ihn, doch statt ihn zu erschießen, bietet er ihm die Teilnahme an einem geheimen Sonderkommando an. Rösler willigt ein – ohne zu ahnen, welche lebenslangen Konsequenzen diese Entscheidung haben wird.
Was folgt, ist eine Geschichte voller innerer und äußerer Konflikte: Rösler ist kein Widerstandskämpfer, sondern ein überzeugter Nazi, ein Mitläufer im aktivsten Sinn. Selbst die Liebe zu einer Schweizerin kann ihn nicht von seiner Ideologie abbringen. Sein Leben bleibt geprägt von Gehorsam und der Treue zu einem Auftrag, dessen Schatten bis ins 21. Jahrhundert reicht.
Nach dem Tod der Eltern werden die vier Kinder mit dem dunklen Erbe ihres Vaters konfrontiert. Sie versuchen, den geheimen Auftrag zu einem guten Ende zu bringen – und stoßen dabei auf die erschreckende Realität, wie tief rechtsradikales Gedankengut in der Gesellschaft verankert ist. Langs Motivation für diesen Roman ist klar: „Es ist genau diese Grundeinstellung, gegen die man sich nicht gewehrt hat.“ Er kritisiert, dass viele Nazis nach dem Krieg unbehelligt blieben, ihre Positionen behielten und Einfluss ausübten – etwa im Staatsdienst. Er verweist auf den Verjährungsskandal von 1968 oder das Beispiel des Reichsfinanzministers Johann Ludwig von Krosigk, der zwar zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde, aber nach nur eineinhalb Jahren wieder freikam – dessen Enkelin ist Beatrix von Storch.
Viele Figuren des Romans haben reale Vorbilder. Lang erzählt von einem Mann, der sich wie sein fiktiver Hauptmann Rose für einen Tag als KZ-Häftling tarnte, um sich befreien zu lassen. Auch Ingeborg, Röslers große Liebe aus Basel, existiert tatsächlich – sie arbeitet als Ärztin bei der UN. Zahlreiche Biografien, auch aus Landsberg, fließen in den Roman ein, werden aber literarisch gebrochen und verfremdet. Ein besonderer erzählerischer Trick ist die Figur eines Lesers, der im Café Drechsel bei Croissant und Marillenmarmelade täglich Zeitungen liest. So werden reale Ereignisse wie Kohls Spendenaffäre, der Majdanek-Prozess oder der Mauerfall in die Handlung eingebettet und schaffen eine Brücke zwischen Fiktion und Zeitgeschichte.
Langs Roman ist akribisch recherchiert. Juristische Details wurden von Fachleuten geprüft, sogar die Briefmarkenabfolge, die als Kontokennwort diente, wurde von einem Korrektor verifiziert – ein Detail, das der Autor dankbar überarbeitete. Die Lesung war eindrucksvoll – ein Abend, der nachhallt. Der Roman DER BA.CH-CODE ist keine leichte Kost, aber ein wichtiger Beitrag zur Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte und ihrer Nachwirkung bis in unsere Gegenwart. Dies kam deutlich in einer langen anhaltenden Diskussion zum Ausdruck.“
Bürgerreporter:in:Hans Bucsek aus Landsberg am Lech |
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