"Ich bleib' dann mal daheim" (Teil 104)
Spaziergang zu den Kissinger Bahngruben
- Wanderweg nach Süden von der Kissinger Bahnbrücke aus mit Zugspitze (ganz rechts)
- Foto: Dr. Hubert Raab
- hochgeladen von Joachim Meyer
Für die Bahnlinie Augsburg-München wurde 1840 das flache Lechfeld mit ehemals großen Auwäldern ausgewählt. Beim Bau der Bahnstrecke wurde zwischen Kissing-Süd und Mering-St. Afra für den Unterbau der Gleise Kies entnommen. So entstanden die zwei heute noch erhaltenen etwas tiefer liegende Flächen. Den ersten Teil der Bahngruben von 3540 qm bekam die Bayerische Botanische Gesellschaft 1974 von der Deutschen Bundesbahn. 1978 konnte die Gesellschaft 4200 qm dazukaufen. 1995 erwarb der Landkreis Aichach-Friedberg ein Gebiet von 5,1 ha zwischen den Bahngruben. Da diese Flächen nicht bewirtschaftet wurden, bildete sich hier ein wertvoller Artenbestand. Außerdem wurde Mähgut von den Bahngruben auf den letztgenannten Ausgleichsflächen ausgebracht, um die typische Heidevegetation wieder herzustellen. Ihr Blütenreichtum beweist, dass solche Flächen heute äußerst schützenswert sind. Ab Ende März blüht am nordöstlichen Rand der 2. Bahngrube die Gewöhnliche Kuhschelle oder Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris). Etwas später, je nach Witterung im April, blühen in den Bahngruben und auf den Ausgleichsflächen der Stängellose Enzian (Gentiana clusii oder acaulis) und der bereits recht selten gewordene Frühlings-Enzian (Gentiana verna), in Bayern auch „Schusternagerl“ genannt. Beide Arten sind durch Samen aus den Alpen, die der Lech mit sich geführt hat, angesiedelt worden. Orchideenliebhaber können ab etwa Mitte Mai und im Juni zusammmen mit der Kissinger Heide 18 Orchideen bewundern, darunter das Kleine Knabenkraut (Orchis morio), das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris), das Brandknabenkraut (Orchis ustulata), die Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea), die Pyramiden-Spitzorchis (Anacamptis pyramidalis), die Weiße Waldhyazinthe (Platanthera bifolia), die Sumpf-Stendelwurz (Epipactis palustris), die Fliegenragwurz (Ophrys insectifera) und die Hummelragwurz (Ophrys holoserica).
Für unseren Spaziergang parken wir bei der Bahnbrücke im Süden von Kissing. Wir unterqueren die Brücke und folgen dem Feldweg neben der Eisenbahnstrecke. Hier können nicht nur Eisenbahnliebhaber die verschiedensten Züge mit ihren Lokomotiven beobachten. Auf einem Trampelpfad kommen wir zu den etwas tiefer liegenden Bahngruben. Bleiben sie bitte unbedingt auf den Wegen, von denen aus man alles sehen kann. Der Rückweg erfolgt auf demselben Weg.
Mehr Infos in „Spurensuche im Wittelsbacher Land“, Bd. 1
Kartengrundlage: Geodaten@Bayerische Vermessungsverwaltung
Text: Gabriele und Dr. Hubert Raab
Fotos und Grafik: Dr. Hubert Raab
myheimat-Team:Joachim Meyer aus Friedberg |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.