Müller Pfeil`s Mühlenstein Bestellung
Mühlstein von Angersbach nach Hatzfeld - 100 km
- Ein Malstein eingelassen in dem Pflasterweg der alten Mühle in Hatzfeld
- hochgeladen von Rainer Mengel
Aus alten Unterlagen des Müller Pfeil in Hatzfeld ergibt sich folgende Geschichte zum Kauf und Transport eines Mühlsteines.
Im winterlichen Dezember des Jahres 1847 in der kleinen Ortschaft Müß im Kreis Fulda herrschte geschäftiges Treiben. Leonard Leinweber, ein erfahrener Steinhauermeister, war damit beschäftigt, einen Auftrag zu erfüllen: den Bau eines Mühlsteins für den Kunden Herrn Pfeil aus der nahegelegenen Stadt Hatzfeld. Der Mühlstein, ein imposantes Werkstück mit einem Durchmesser von 46 Zoll und einem Gewicht von ebenso 46 Zoll, war fast fertiggestellt und sollte bald auf die Reise gehen.
Am 28. Dezember 1847 schrieb Leinweber an Pfeil, um ihn über den Fortschritt zu informieren. Er berichtete, dass der Stein gut gelungen sei und die vereinbarten Kosten von 9 Reichsthalern und 20 Silbergroschen, beziehungsweise 5 Reichstaler und 10 Silbergroschen, feststanden. Leinweber lud Pfeil ein, den Stein abzuholen, wann es ihm am besten passe, auch gerne schon früher, um die Arbeit abzuschließen.
Doch die Zeiten waren rau und die Wege beschwerlich. Am 20. Januar 1848 antwortete Pfeil, dass er die Nachricht zwar erhalten habe, ihn aber im Winter nicht abholen könne. Die Straßen seien unbefahrbar, und er bat Leinweber, den Stein bis zum Frühjahr aufzubewahren. Zudem plante er, noch einen weiteren Mühlstein anfertigen zu lassen, um die Wassermühle in Hatzfeld optimal zu versorgen. Sie vereinbarten, dass Leinweber den Stein sicher verwahren und den zweiten ebenfalls anfertigen solle.
Die Monate vergingen, und am 22. März 1848 erkundigte Pfeil erneut nach dem Stand der Dinge. Leinweber antwortete, dass die Steine bereit stünden und Pfeil sie sofort abholen könne. Er informierte, dass der Fuhrmann Althaus bereits am 22. März gesprochen hatte, um die Steine zu transportieren, und dass die Fahrt in etwa 14 Tagen erfolgen würde.
Endlich, am 10. April 1848, machte sich Karl, ein junger Fuhrmann, zusammen mit einem Knecht und zwei Pferden früh morgens auf den Weg, um die schweren Mühlsteine abzuholen. Nach vier Tagen voller Anstrengung und Strapazen erreichten sie am 14. April ihr Ziel. Die Steine waren beeindruckend: einer war 15 Fuß hoch, der andere 16 Fuß, beide mit einer Breite von 46 Fuß. Das Wetter war schön, und die Steine schienen gut zu sein.
Der Transport war eine kostspielige Unternehmung. Die Gesamtkosten, inklusive Verpflegung, Unterkunft und Spesen, summierten sich auf etwa 31 Reichstaler – eine beträchtliche Summe, die die Bedeutung dieser Arbeit unterstrich. Die Reise führte die Fuhrleute durch eine lange Kette von Orten: von Hatzfeld über Münchhausen, Todenhausen, Niederwetter, Göttingen, bis nach Angersbach. Die Strecke von rund 100 km wurde in zwei Tagen mit dem Pferdefuhrwerk bewältigt, doch insgesamt war der Weg vier Tage lang beschwerlich.
Zurückblickend auf diese Geschichte wird deutlich, wie viel Arbeit, Planung und Durchhaltevermögen in der Herstellung und dem Transport eines Mühlsteins steckten. Für die damalige Zeit war der Wert dieses Steins
Inklusive Transport enorm – nach Berechnungen von Historikern (wie Helmut Caspar) zur Kaufkraft in Preußen um das Jahr 1800 entsprach ein Reichstaler einer heutigen Kaufkraft von schätzungsweise bis zu 200 Euro (gemessen an Lebenshaltungskosten, Dienstleistungen und Löhnen jener Epoche)
ein Beweis für die Bedeutung von Handwerkskunst und Gemeinschaft in einer Epoche, in der Wasser- und Mühlentechnik das Rückgrat der landwirtschaftlichen Versorgung bildeten.
Diese Geschichte erzählt von den Menschen, ihren Herausforderungen und ihrer Fähigkeit, mit Mut und Geschick große Aufgaben zu bewältigen – eine kleine, aber bedeutende Episode im Alltag des 19. Jahrhunderts.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Schriftverkehr 1847/1848
Fulda, den 28. Dezember 1847
Herr Müller Pfeil,
Der Mühlstein, den Sie bestellt haben, ist fertiggestellt und gut gelungen. Die Größe ist Nr. 46 Zoll im Durchmesser, mit einer Masse (Gewicht) von ca. 46 Zoll. Wie Sie geschrieben haben, soll der Stein 9 Reichsthaler und 20 Silbergroschen kosten, oder 5 Reichstaler 10 Silbergroschen .
Wenn Ihnen der Preis zusagt, können Sie den Stein bei mir abholen, wann es Ihnen am besten passt, gerne auch eher.
Es grüßt sie freundschaftlich
Leonard Leinweber
Kreis Fulda
--------------------------------------------------------------------
Hatzfeld, den 20. Januar 1848
An Leonhard, den Steinhauermeister, Leonhard Leinweber zu Müß,
Kreis Fulda
Ihr Schreiben vom 28. des letzten Monats, dass der bestellte Mühlstein fertig sei, habe ich erhalten. Leider kann ich den Stein jetzt nicht abholen, da mich andere Umstände daran hindern und von hier aus im Winter keine brauchbare Straße befahrbar ist. Sie werden den Stein daher bis zum Frühjahr aufbewahren, und von der gleichen Zullänge (wahrscheinlich Zuleitung oder Zuleitung der Straße) bis dahin noch einen weiteren Stein machen, da ich vorhabe, zwei Steine zu laden. In der Zwischenzeit, bis zum Frühjahr, schreiben Sie mir bitte weiter, und wenn der Stein fertig ist, bewahren Sie ihn auf. Wir wollen noch einen weiteren Stein machen.
Ihr Freund
Pfeil, Müller
Am 22. März 1848 habe ich schriftlich angefragt, ob die Steine abgeholt werden können, und bitte um eine baldige Nachricht.
Pfeil
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
30. März 1848
Herr Müller Pfeil,
Sie können die zwei bestellten Mühlsteine gleich nach Erhalt dieses Schreibens bei mir abholen.
Der Fuhrmann Althaus hat mit mir am 22. März gesprochen. Er wollte diese Steine transportieren. Das würde noch 14 Tage dauern, bis er wieder kommen könnte. Er wird auch bei seiner Rückfahrt mit Ihnen gesprochen haben.
Sie können die Steine also abholen, wenn es Ihnen passt.
Es grüßt Sie
Leonard Leinweber
Kreis Fulda
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Am 10. April 1848 fuhr mein Karl zusammen mit dem Knecht hiermit, mit zwei Pferden, morgens gegen 4 Uhr von hier weg, um die zwei Steine zu holen. Sie kamen am 14. April nachmittags wieder hierüber, über Biederkopf. Das Wetter war schön, und die Steine schienen gut zu sein: einer war 15, der andere 16 Fuß hoch. Die Breite betrug 46 Fuß.
Kosten für die Steine:
3 ½ Gulden in Göttingen beim Frühstück
7 Gulden bei Haüssel in Bernsdorf
11 ½ Gulden für Bier
39 ½ Gulden bei Osserch, inklusive einem Glas
58 Gulden bei Kirtorf über Nacht
45 ½ Gulden bei Lauterbach zum Mittagessen
14 Gulden bei Alsfeld
3 Gulden für Schweinefutter und Sauen zum Landenhäuser
17 Gulden bei Janssen in Landeshansen
2 ½ Gulden in Schnäpsen (Spirituosen)
1 Gulden 49 Pfennige bei Linterbach, dort wurde logiert und es gab Verspätung
4 Gulden in Leisel für 2 Schafe
23 Gulden für den Vorspann in Angeroth
8 Gulden in Kietorf
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Weg nach Angersbach.
Wollmar
Münchhausen
Todenhausen
Niederwetter
Göttingen
Lennendorf
Beziesdarf
Ansefahr
Kirchhain
Niederkleen
Sehbach
Abergleen
Angerod
Leufel
Alsfeld
Renzendorf
Brauersschwend
Reuters
wetlich Sinles
Lauterbach
Angersbach
Bürgerreporter:in:Rainer Mengel aus Hatzfeld (Eder) |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.