Emmauskapelle in Hatzfeld
beherbergte der Dachreiter jemals eine Glocke?
- Ansicht der Emmauskapelle aus dem Jahr 1865 von C.Irle
- hochgeladen von Rainer Mengel
Dachreiter der Emmauskapelle in Hatzfeld – Historische Hinweise und Sage um die Glocke
Die Dachreiter, kleine hölzerne Glockentürmchen auf dem First historischer Gebäude wie Kirchen oder Rathäuser, dienten traditionell dazu, Glocken aufzunehmen und für die Umgebung hörbar zu machen – ohne einen schweren Hauptturm zu errichten. Doch in Bezug auf die Emmauskapelle in Hatzfeld ist die Frage offen: Gab es dort jemals eine Glocke?
Die Sage um die verschwundene Glocke
Der Legende nach vergruben die Einwohner während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648), als die Schweden im Anmarsch waren, ihre Schätze auf einer Wiese unterhalb der Kirche. Darunter soll auch die wertvolle Kirchenglocke gewesen sein. Bei der Zerstörung der Kirche durch Feuer blieb kein Stein auf dem anderen – die Kirche wurde vollständig niedergebrannt. Die Glocke verschwand spurlos, und fast alle Bürger, darunter auch der Pfarrer, kamen ums Leben. Heute soll man in der Geisterstunde den Geist des Pfarrers auf der Wiese umherwandeln sehen, auf der Suche nach seiner Glocke – begleitet von wunderschöner Musik, die aus der Emmauskapelle herüberklingt.
Historische Hinweise auf eine Glocke ?
Tatsächlich ist eine Glocke aus dem 13. Jahrhundert mit einem Durchmesser von 70 cm und einem Gewicht von 200 kg schriftlich für das Jahr 1941 dokumentiert. Diese Glocke wurde im Rahmen einer Aktion im 2ten Weltkrieg zur Ablieferung von Bronzeglocken erwähnt. Besteht die Vermutung, dass diese Glocke einst in der Emmauskapelle hing ?– doch Belege dafür fehlen !
Vielleicht hat die Glockenwiese in Hatzfeld etwas mit der verschwundenen Glocke zu tun !
Der Name „Glockenwiese“ und seine Bedeutung
Der Flurname „Glockenwiese“ ist eine historische Bezeichnung, deren Ursprung meist auf kirchlichen Besitz oder die Finanzierung von Kirchendiensten zurückzuführen ist. Laut dem Hessischen Flurnamenarchiv lassen sich drei Hauptursprünge für diesen Namen identifizieren:
Besoldung des Glöckners: Erträge aus Bewirtschaftung oder Pacht der Flur wurden oft direkt für den Lohn des Glöckners verwendet.
Alter Kirchenbesitz: Wiesen, die der Kirche vermacht wurden, beispielsweise durch Schenkungen wie im Jahr 1447 durch das Adelsgeschlecht derer von Berwinkel an die Kirche in Wolmirstedt.
Tauschgeschäfte: In manchen Fällen wurde Land im Austausch gegen Kirchenglocken veräußert, was den Namen „Glockenwiese“ begründete.
Fazit:
Ob die Glocke, die 1941 erwähnt wurde, tatsächlich in der Emmauskapelle hing oder ob die Sage um die verschwundene Glocke mehr Legende ist, bleibt unklar. Die Verbindung zwischen der Glocke und der „Glockenwiese“ ist ein interessantes Kapitel in der Geschichte des Ortes – eine Geschichte, die noch heute die Fantasie anregt.
Bürgerreporter:in:Rainer Mengel aus Hatzfeld (Eder) |
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