Russland oder die Ukraine
Wer brachte den Stein ins Rollen?

Foto: Didi van Frits mit ChatGPT Work 5.6 Sol High
3Bilder
  • Foto: Didi van Frits mit ChatGPT Work 5.6 Sol High
  • hochgeladen von Didi van Frits

Auf dem geopolitischen Jahrmarkt steht eine gewaltige Granitkugel. Sie hat Städte zertrümmert, Grenzen überrollt, Milliarden verschlungen und Europa aus seinem warmen Bett der Friedensdividende geworfen.

Wer hat den ersten Stein geworfen, der alle Lawinen ins Rollen brachte? Donald Trump hebt als Erster die Hände. Er habe den Stein nicht ins Rollen gebracht, erklärt er. Er habe lediglich die amerikanische Unterstützung unter dem Stein hervorgezogen. „America first!“ Seitdem weiß Europa, dass sein sicherheitspolitischer Patriot-Schirm aus den USA kommt und jederzeit zusammengefaltet werden kann.

Deutschland durchsucht daraufhin seine Taschen. Es findet eine Schuldenbremse, drei Sondervermögen, siebzehn Beschaffungsformulare und eine Bundeswehr, deren Funkgeräte hervorragend funktionieren – solange niemand funkt.

Dann tritt Putin vor.
Der Stein, sagt er, sei von ganz allein losgerollt. Vermutlich wegen der NATO-Osterweiterung. Die habe ihn provoziert. So wie ein Nachbar provoziert wird, wenn die Bewohner des Hauses nebenan aus Angst vor ihm eine Alarmanlage einbauen.

Natürlich darf man fragen, ob die NATO jedes neue Mitglied mit Fanfaren, Feuerwerk und triumphierendem Türenschlagen begrüßen musste. Man darf fragen, ob russische Sicherheitsinteressen ausreichend ernst genommen wurden. Man darf beinahe alles fragen.

Nur eines sollte man nicht verwechseln: Eine mögliche Provokation erklärt vielleicht einen Zorn. Sie erteilt aber keinen Führerschein für Panzer.

Putin selbst stand 2001 im Deutschen Bundestag und sprach auf Deutsch vom gemeinsamen europäischen Haus. Die Abgeordneten erhoben sich begeistert. Ein Europa ohne neue Trennlinien sollte entstehen, wirtschaftlich verbunden, friedlich und sicher.

Aber auch die Ukraine war keineswegs immer das unschuldige Blumenmädchen am Straßenrand. Es gab Streit um Gaspreise, Schulden und Transitgebühren. Es gab ukrainische Oligarchen, Korruption und politische Manöver. In Mariupol kämpften Asow-Verbände mit rechtsextremen Wurzeln, während deutsche Politiker, die sonst unter jedem Stammtisch einen Nazi wittern, plötzlich Schwierigkeiten mit dem Fernglas bekamen.

Clever nahm Putin ein einziges Regiment zum Anlass für einen Angriffskrieg mit dem Ziel: „Entnazifizierung“. Merkwürdigerweise reinigte dieses Mittel nicht den Rechtsextremismus. Es löste hauptsächlich Grenzen, Häuser und Menschenleben auf.

Weil der Gasweg durch die Ukraine als unsicher und politisch lästig galt, legten Russland und Deutschland Nord Stream durch die Ostsee. Berlin nannte es ein rein wirtschaftliches Projekt. Das war ungefähr so glaubwürdig, als würde man eine Kanone als längliches Metallgeschäft bezeichnen.

Dann explodierten auf dem Boden der Ostsee die Leitungen.
Die deutschen Ermittlungen führen zu ukrainischen Beschuldigten. Wer den staatlichen Auftrag gab, ist damit jedoch noch nicht abschließend bewiesen. 

Und so wird weiter gefragt: Wer warf den ersten Stein? Die NATO? Putin? Trump? Die Ukraine?

Merkel mit dem russischen Gasvertrag unter dem Arm? Schröder mit Gazprom im Herzen? Die deutsche Industrie, die billige Energie für ein Naturgesetz hielt? Oder wir alle, weil wir glaubten, Frieden sei kein Zustand, den man pflegen müsse, sondern ein günstiger Dauertarif?

Vielleicht gab es gar nicht den einen Stein. Vielleicht gab es mehrere Parallellawinen.

Putin saß allerdings am Bagger, als die größte Ladung über die ukrainische Grenze kippte. Die NATO hatte vorher das Gelände vermessen. Washington stellte zeitweise den Sicherheitszaun. Kiew kassierte Transitgebühren und hantierte gelegentlich selbst mit Kettensägen und Sprengstoffpaketen. Deutschland bestellte Gas und Öl möglichst billig und erklärte jede Warnung zur Störung der Geschäftsbeziehungen.

Das bedeutet nicht, dass alle gleich verantwortlich sind. Wer Ursachen, Fehler und Schuld in einen Topf wirft, kocht jene beliebte geopolitische Suppe, in der am Ende der Angreifer nur noch ein gemobbter Leidender ist.

Zieht uns die Ukraine vielleicht am Nasenring durch die Manege?

Gewiss versucht sie, Deutschland zu beeinflussen. Staaten tun so etwas. Die Amerikaner tun es. Die Russen tun es. Die Chinesen tun es. Nur Deutschland nennt es bei Freunden „Partnerschaft“, bei Gegnern „Propaganda“ und bei sich selbst „wertegeleitete Außenpolitik“.

Vielleicht werden wir tatsächlich durch die Manege gezogen.
Doch den Nasenring haben wir uns selbst eingesetzt: mit russischem Gas, amerikanischer Sicherheit, chinesischen Absatzmärkten und dem festen Glauben, Verantwortung könne man dauerhaft outsourcen.

Wer brachte also den Stein ins Rollen?
Viele haben ihn berührt. Manche haben geschoben. Einige haben weggesehen.

Aber nur einer gab 2022 den Befehl, ihn mit voller Wucht über die Ukraine rollen zu lassen.

Und während wir noch darüber streiten, wer irgendwann den ersten Stein warf, der die Lawinen auslöste, liegt Europa längst im Geröll und wundert sich über den Staub.

Foto: Didi van Frits mit ChatGPT Work 5.6 Sol High
Foto: Didi van Frits mit ChatGPT Work 5.6 Sol High
Foto: Didi van Frits mit ChatGPT Work 5.6 Sol High
Bürgerreporter:in:

Didi van Frits aus Hattingen

Webseite von Didi van Frits
Didi van Frits auf Facebook
Didi van Frits auf YouTube

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

25 folgen diesem Profil

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.