Presse Interview Glosse
Interview bei Donner, Blitz und Prasselregen
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Manchmal ist die Natur die bessere Regisseurin als jedes Fernsehstudio. Donald Trump sitzt nicht in einem klimatisierten NBC-Studio, sondern auf einer Farm in Wisconsin. Im Hintergrund Kühe, Scheune, Weideland. Über ihm: Donner, Blitz und Prasselregen. Man hätte meinen können, der Himmel selbst wolle „Meet the Press“ moderieren.
Kristen Welker stellt Fragen. Also richtige Fragen. Nicht die Sorte Frage, die man in goldgerahmten Sälen serviert wie ein Frühstücksei: weich, warm und mit eingebautem Applaus. Sondern Fragen, die nach Belegen verlangen. Zum Beispiel für die alte, immer wieder aufgewärmte Behauptung, die Wahl 2020 sei manipuliert worden. Eine Behauptung, die inzwischen aussieht wie ein Maiskolben, den jemand seit sechs Jahren immer wieder auf den Grill legt.
Trump reagiert, wie ein großer Demokrat eben reagiert, wenn ihm Demokratie begegnet: Er wird wütend. Der Sender sei voreingenommen, unaufrichtig, schmutzige Fake-News-Presse. Die Journalistin sei entweder unaufrichtig oder dumm. Es fehlte eigentlich nur noch, dass er den Regen beschuldigte, von Joe Biden gesteuert zu sein.
Besonders poetisch wurde es beim geplanten Entschädigungsfonds für jene, die angeblich unter Biden verfolgt worden seien. Man stelle sich das vor: Ein politischer Opferstock für die Freunde des verletzten Egos. Früher war die Farm ein Ort, an dem man säte, pflügte und erntete. Heute kann dort offenbar auch die große amerikanische Kränkung angebaut werden. Sorte: „Ich habe verloren, also muss betrogen worden sein.“ Widerstandsfähig gegen Fakten, wächst auch bei schlechtem Wetter.
Kristen Welker fragt nach Beweisen. Das ist im Journalismus noch immer eine zulässige Unverschämtheit. Trump antwortet nicht mit Beweisen, sondern mit Beleidigungen. Das ist seine bevorzugte Form der Quellenangabe. Wo andere Aktenordner öffnen, öffnet er den Mund. Wo andere Dokumente vorlegen, legt er nach: crooked, fake, dishonest, stupid. Das Vokabular eines Mannes, der die Wahrheit behandelt wie einen nassen Hund vor dem Hoteleingang: bloß nicht hereinlassen.
Und dann kommt der große Abgang. Trump verlässt das Sichtfeld der Kamera. Ein Präsident tritt aus dem Bild, weil die Wirklichkeit darin zu eng geworden ist. Draußen prasselt der Regen, drinnen prasseln die Fragen, und irgendwo zwischen Mikrofon, Kamera und Kuhweide zerbricht wieder einmal die Illusion, Politik müsse nur laut genug auftreten, um wahr zu sein.
Die Szene hat fast biblische Kraft: Donner über Wisconsin, Blitz hinter der Scheune, Regen auf dem Anzug, und ein Mann, der lieber vor einer Journalistin flieht als vor der eigenen Legende. Moses teilte einst das Meer. Trump teilt die Welt in zwei Lager: diejenigen, die ihm glauben, und diejenigen, die angeblich korrupt sind.
Vielleicht war die Farm der richtige Ort. Denn dort weiß man: Wer immer nur Mist verstreut, darf sich nicht wundern, wenn es irgendwann danach riecht.
Am Ende bleibt ein wunderbares Bild für unsere Zeit: Ein Reporter hält das Mikrofon hin wie eine Laterne in der Dunkelheit. Eine Journalistin fragt nach Belegen. Der Regen fällt. Die Kühe schauen. Und der mächtigste Mann der Welt verlässt wütend die Szene, weil ihm eine einfache Frage zu schwer wird.
Donner, Blitz und Prasselregen: Manchmal ist das Wetter ehrlicher als der Interviewgast. Vielleicht sollten auch in Deutschland mehr Interviews auf Bauernhöfen bei schlechtem Wetter geführt werden. Das fördert offenbar die emotionale Ehrlichkeit der Reaktion.
Bürgerreporter:in:Didi van Frits aus Hattingen |
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