Bodetal im Harz
Eine Wanderung vom Hexentanzplatz zur Rosstrappe – eine der eindrucksvollsten Landschaften Deutschlands
- Der Harz findet im Bodetal seinen landschaftlichen Höhepunkt.
- Foto: Kurt Wolter
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Der Harz, ein 90 Kilometer langes Gebirge, das sich über die Bundesländer Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erstreckt, hat viele attraktive Ausflugsziele zu bieten. Das landschaftlich grandioseste aber befindet sich eindeutig zwischen den Orten Treseburg und Thale. Dort hat die Bode über große Zeiträume eine tiefe Schlucht in das Gestein gegraben, die kurz, bevor sie den Harz verlässt, ihren Höhepunkt findet. Dort ragen steile Felsflanken über 200 Meter hoch hinauf. Auf der einen Talseite die des Rosstrappefelsens, auf der anderen die des Hexentanzplatzes. Und natürlich ist es genau diese Stelle, zu der die bekannteste der vielen Harzsagen entstanden ist.
Vor langer, langer Zeit wollte der Riese Bodo eine Königstochter freien. Die Prinzessin Brunhilde wollte von dem ungehobelten Kerl allerdings nichts wissen. Sie flüchtete, galoppierte mit ihrem Pferd vor ihm davon und sprang mit einem gewaltigen Satz vom Rosstrappefelsen zum Hexentanzplatz hinüber, wo sie sicher landete. Bodo aber schaffte den weiten Sprung nicht. Er stürzte in die grausige Tiefe, und in die Bode hinein. Dort, wo der Fluss durch eine Engstelle rauscht, den tiefen Bodekessel, schlug er auf. Und darin muss er nun, mit zerschmetterten Gliedern und in einen Höllenhund verwandelt, sein ewiges Dasein fristen.
An der Stelle aber, auf dem hohen und markantem Felsvorsprung der Rosstrappe, hat das Riesenross der Prinzessin beim Absprung einen großen Hufabdruck hinterlassen, der von dem einstigen Geschehen zeugt und den man heute noch betrachten kann.
Diese eindrucksvolle Felsszenerie haben wir uns nun also an einem Schönwettertag für eine Wanderung ausgesucht. Diesmal allerdings nicht das ganze Bodetal hinunter, wie schon vor Jahren, sondern nur vom Hexentanzplatz zur Rosstrappe hinüber, wobei man die Tour natürlich genauso gut umgekehrt machen kann. Auch das ist schon mit Pausen ein tagfüllendes Unternehmen.
In Thale gibt es an der Seilbahnstation einen großen Parkplatz. Er ist nicht nur ein Ausgangspunkt für Wanderungen, sondern auch für einen Tag mit Kindern, da sich dort die „Thaler Erlebniswelt“ mit vielen Attraktionen für Kleinere und Größere befindet. Uns interessiert das jedoch nicht. Wir besorgen uns ein Seilbahnticket und gondeln mit der Kabinenbahn, die einen Glasboden hat, zum Hexentanzplatz hinauf. Schon auf der Fahrt ergeben sich eindrucksvolle Anblicke auf den grandiosen Taleinschnitt der tiefen Schlucht mit ihrem wilden Felsgeklüft von steilen Wänden und spitzen Türmen.
Doch zunächst erleben wir dort oben am Hexentanzplatz einen ziemlichen Rummel. Wie unten an der Talstation, sind auch hier oben viele Touristen unterwegs, da es einiges zu erkunden gibt. Von Mystik, wie es der Name verspricht, zunächst keine Spur. Immerhin kann man die Walpurgishalle, aus Holzbalken in nordischem Stil errichtet, besuchen. Der Ausstellungsraum zeigt fünf Großgemälde aus dem 19. Jahrhundert von Szenen der Walpurgisnacht aus Goethes Faust, vom Hexentreiben und dem Teufel. Auch die Gretchenerscheinung, den Irrlichtertanz, die Mammonshöhle und die Windsbraut. An anderer Stelle kann dazu die Bronzeskulptur des Teufels und die einer Hexe fotografiert werden.
Nicht weit entfernt befindet sich in schönster Lage am Hang das „Harzer Bergtheater“, von dessen großen Tribünen man bei Schauspielen oder Musikevents weit ins Harzvorland hinausblicken kann. Nahe davon die uralten Reste einer Fluchtburg der Germanen, der Sachsenwall. Auch ein kleinerer Zoo kann besucht werden.
Uns interessiert das alles an diesem Tag jedoch nicht so sehr, da wir es schon früher aufgesucht haben. Auch zur Zeit der DDR. Wir gehen lieber etwas abseits, zu einem markanten Felsvorsprung hin, wo wir dann fast allein sind und die schönsten Ausblicke auf die grandiose Landschaft haben. Natürlich zur Rosstrappe hinüber, die Luftlinie etwa 400 Meter entfernt ist und von der einst die Prinzessin den Riesensatz gemacht hat. Steil fällt deren Felswand zur Bode hin ab, die sich tief unten ihren Weg durch die enge Schlucht sucht. In nördlicher Richtung sehen wir unten im Taleinschnitt Thale liegen, und dahinter das weite Harzvorland, dass sich nach Magdeburg und Braunschweig hin erstreckt. Nach Westen hin zeigen sich Brocken und Wurmberg, auf deren Gipfeln wir schon so oft waren. Wie schön ist das doch alles!
Nach dem Picknick geht´s dann weiter. Vorbei am Zoo, gelangen wir zum Wanderweg „Hirschgrund“, der uns in die Schlucht hinabführen soll. Und das ist kein einfacher Weg. Vernünftiges Schuhwerk sollte man dabei schon tragen, da es über Stock und Stein geht. In unzähligen Kehren und Spitzkehren wandern wir über steinigen, manchmal felsigen Untergrund, teils steilere, teils flachere Wegabschnitte hinunter. An abgestorbenen Fichten, die durch den Klimawandel und dem damit verbundenen Borkenkäferbefall zurzeit große Bereiche des Harzes ausmachen, hauptsächlich aber Buchenwald und an dickbemoosten Felsen vorbei. Es ist eine urwüchsige Landschaft, die so richtig Spaß macht. Ein starker Kontrast zu breiten, gradlinigen und langweiligen Forstwegen. Wurde dieser besondere Weg zurzeit der Romantik aufwändig angelegt? Zumindest würde er, so wild-romantisch wie er ist, gut in diese Periode passen.
Doch irgendwann erreichen wir den Grund der Schlucht, durch die sich die Bode zwängt, deren Rauschen wir schon eine Weile gehört haben. Wir überqueren die steinerne Jungfernbrücke und erreichen nach wenigen Metern den nächsten eindrucksvollen Wanderweg. Wer möchte, kann an dieser Stelle aber auch im Gasthof „Waldkater“ einkehren.
Ähnlich wie zuvor der Weg durch den Hirschgrund, geht es nun auf der anderen Seite der Schlucht zur Rosstrappe steil nach oben. Diesmal allerdings nicht durch den Wald, sondern durch freies Gelände. Bergrutsche und Geröll, das irgendwann von den steilen Hängen heruntergepoltert ist, geben Bäumen kaum den Boden frei, um fußzufassen zu können. Das macht den Weg mit wiederum vielen Kehren noch reizvoller. Er trägt den bekannten Namen "Schurre". Abgeleitet ist das Wort von den vielen großen Steinen, die über Geröll von oben mit scharrendem Geräusch herabgefallen sind. Vor ein paar Jahren war sogar eine größere Felswand abgebrochen, weswegen der Weg jahrelang gesperrt war. Er musste deswegen aufwendig saniert werden. Wir sind jedenfalls froh, dass wir ihn, für den man Trittsicherheit braucht, gehen können.
Und immer wieder ergeben sich dabei eindrucksvolle Anblicke. Auf Felsgrate, in die Schlucht hinunter und natürlich den Rosstrappefelsen. Es ist ein Wanderweg, der eher in alpines Gelände passen würde. Für mich ist es aus abenteuerlicher Sicht der Attraktivste im Harz.
Schließlich erreichen wir nach so viel Zickzack auf beiden Seiten des engen Tals die Höhe des Rosstrappefelsens. Vom dortigen „Hotel Rosstrappe“ schiebt sich der markante Fels wie ein langer Sporn in die Schlucht und zwingt die Bode zu einem Umweg. Von seinem Ende, wo die 200 Meter tiefe Felswand jäh abfällt, kann man in die eindrucksvolle Schlucht hinunterblicken und erkennt in der Tiefe das Gasthaus Waldkater und den Fluss in seinem steinigen Bett, der von hier oben ziemlich klein wirkt. Richtung Süden kann man seinem Lauf bis zu einer querstehenden Felswand, durch die der Wanderweg am Fluss nach Treseburg führt, verfolgen. Und nach gegenüber blicken wir auf die Felsen des Hexentanzplatzes, auf denen wir zuvor waren.
Natürlich schauen wir uns auch ausgiebig die Vertiefung des großen Hufabdrucks im Fels an, den das Riesenross der Königstochter Brunhilde einst hinterlassen hat. Wie dieser nun tatsächlich entstanden ist, ist nicht genau bekannt. Vermutlich handelt es sich bei der Vertiefung im Fels um eine alte prähistorische Kultstätte, wohl von Menschenhand geschaffen. Vielleicht war es ein Opferbecken, das vor etwa 7000 Jahren genutzt wurde. Wirklich herausfinden wird man es wohl nie. Damit haben wir den Höhepunkt unserer abenteuerlichen Wanderung erreicht, bevor wir uns an den Abstieg über einen „normalen“ Wanderweg machen.
Das Bodetal mit der Rosstrappe und dem Hexentanzplatz ist eine der großartigsten Landschaften Deutschlands. Es beeindruckt durch seine grandiose Natur, spannende Sagen und touristische Attraktionen. Es ist ein ideales Ziel für alle, die wilde Landschaft, Geschichte und Mystik erleben möchten. Auch Goethe hatte das einst bei seinen drei Harzreisen zum Zwecke von Bergwerkbesuchen und Geologiestudien erkannt - und wir nach dieser schönen Wanderung sowieso.
Siehe auch: Der Harz - das nördlichste Mittegebirge von seiner schönsten Seite
Bürgerreporter:in:Kurt Wolter aus Hannover-Bemerode-Kirchrode-Wülferode |
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