Kühne ist gestorben
Wenn Milliarden „stiften gehen“ – und der Staat zuschaut

Der Tod von Klaus-Michael Kühne zeigt, wie Stiftungen Erbschaftsteuer umgehen: legal, effektiv – und gesellschaftlich verheerend.

Der Tod von Klaus-Michael Kühne, bestätigt von seinem Unternehmen Kühne+Nagel, ist zunächst ein menschlicher Einschnitt. Den Angehörigen, insbesondere seiner Witwe, gilt aufrichtiges Beileid. Doch so pietätvoll man über das Ende eines Lebens sprechen sollte: Kühnes Ableben wirft ein Schlaglicht auf ein System, das sich eine kleine Vermögenselite seit Jahren passgenau zurechtgebaut hat – und das der Allgemeinheit Milliarden entzieht, ohne dass es juristisch nach „Betrug“ aussieht.

Laut Medienberichten starb Kühne mit 89 Jahren in der Schweiz. Sein Vermögen, auf bis zu 36 Milliarden Euro geschätzt, soll an die von ihm gegründete Kühne-Stiftung übergehen. Genau hier liegt der Kern des Problems: Wer große Vermögen in Stiftungsstrukturen überführt, verschiebt Eigentum in eine Rechtsform, die nicht „vererbt“ wird wie ein normales Privatvermögen. Was wie Gemeinnutz klingt, ist in der Praxis häufig ein Schutzschild: Vermögen wird dem Zugriff der Erbschaftsteuer entzogen, bleibt gebündelt, wird dauerhaft abgesichert – und der Stifterwille wirkt über den Tod hinaus wie eine Privatverfassung.

Die politische Pointe ist bitter: Während normale Erben Häuser verkaufen müssen, um Steuern zu zahlen, können Milliardäre mit Stiftungen jahrzehntelang planen – und am Ende „geht“ das Vermögen nicht an Kinder oder Enkel, sondern an ein Konstrukt, das sie selbst entworfen haben. Das ist nicht nur Steuervermeidung, das ist eine Umgehungsarchitektur. Legal, ja. Aber demokratisch schwer zu rechtfertigen.

Und dann das Feigenblatt: Kulturförderung, Mäzenatentum, Opernhaus. Kühne wurde als Förderer in Hamburg sichtbar – unter anderem über hohe Summen für den HSV sowie über eine Stiftung, die eine neue Oper in der HafenCity maßgeblich finanzieren soll. Das kann man gut finden. Doch selbst wenn dabei 100 Millionen hier oder 500 Millionen dort in Prestigeprojekte fließen: Im Verhältnis zu einem Vermögen in zweistelliger Milliardenhöhe sind das Peanuts. Vor allem ersetzen sie keine gerechte Beteiligung am Gemeinwesen. Eine Gesellschaft finanziert Schulen, Brücken, Pflege und Sicherheit nicht über gönnerhafte Spendenlogik, sondern über Steuern, die für alle gelten.

Hinzu kommt, dass Kühne schon zu Lebzeiten als jemand galt, der Geld nicht nur verdiente, sondern es auch nutzte, um Einfluss zu nehmen und seinen Willen durchzusetzen – sei es über Beteiligungen, Machtpositionen oder öffentliche Projekte. Selbst wer seine unternehmerische Leistung anerkennt, muss festhalten: Genau diese Mischung aus Vermögen, Einfluss und steuerlich geschützter Dauerstruktur ist das demokratische Unbehagen an der Stiftungsrepublik.

Die eigentliche Anklage richtet sich daher weniger gegen einzelne Personen als gegen eine Gesetzeslage, die solche Konstruktionen ermöglicht und politisch duldet. Wenn Milliarden dauerhaft in Stiftungen „geparkt“ werden können, während der Staat bei Arbeit und Konsum konsequent zugreift, dann ist das keine Schieflage mehr – dann ist es ein Systemfehler. Und der wird nicht durch Opernkarten oder hübsche Kulturprogramme geheilt, sondern nur durch Reformen, die große Vermögen wieder an denselben Maßstab binden wie alle anderen: Beitrag nach Leistungsfähigkeit, ohne Hintertüren.

(Meine Gedanken - von KI in schöne Worte gefasst)

Bürgerreporter:in:

Justus Sebastian Laurentius

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