Landkreis Günzburg
Fünf Jahre Pflegestützpunkt: Hilfe, Rat und Unterstützung
- Die Pflegeberaterinnen (von links) Martina Pilz, Carolin Schleifer, Nina Seyrer und Teamleiter Johannes Fischer.
- Foto: Benjamin Sigmund / Landratsamt Günzburg
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Seit fünf Jahren ist der Pflegestützpunkt des Landkreises Günzburg eine wichtige Anlaufstelle für Menschen mit Pflegebedarf und ihre Angehörigen. Das Team berät kostenlos zu Pflegegraden, Unterstützungsangeboten, Finanzierungsmöglichkeiten und vielen weiteren Fragen rund um das Thema Pflege. Im Interview sprechen Teamleiter Johannes Fischer und die Pflegeberaterinnen Martina Pilz, Carolin Schleifer und Nina Seyrer über ihre Arbeit, häufige Anliegen der Ratsuchenden und darüber, warum es sich lohnt, frühzeitig Beratung in Anspruch zu nehmen.
Was sind die Aufgaben des Pflegestützpunkts des Landkreises Günzburg?
Martina Pilz: „Wir beraten Menschen im großen Dschungel des deutschen Sozialrechts. Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten und Angebote. Wir zeigen verschiedene Wege auf, damit die Klientinnen und Klienten selbst entscheiden können, was für sie oder ihre Angehörigen am besten passt.“
Nina Seyrer: „Wir beraten Menschen jeden Alters – von pflegebedürftigen Kindern bis zu Seniorinnen und Senioren. Jeder ist willkommen.“
Carolin Schleifer: „Wir kommen alle selbst aus der Pflegepraxis und wissen daher, wie belastend die Arbeit sein kann. Das hilft uns im täglichen Umgang mit den Menschen enorm. Denn Theorie ist eben etwas anderes als Praxis. Und wichtig ist: Unsere Beratung ist kostenlos und endet nicht nach einem Gespräch. Die Menschen können jederzeit wiederkommen.“
Was schätzen Sie besonders an Ihrer Arbeit im Pflegestützpunkt?
Nina Seyrer: „Die Vielfältigkeit. Die Bandbreite an Anfragen ist enorm. Es kommen die unterschiedlichsten Menschen zu uns. Besonders erfüllend ist, dass wir vielen tatsächlich helfen können – etwa dabei, einen Pflegegrad zu bekommen oder passende Unterstützung zu finden. Dafür muss man auch wissen, welche Angebote es im Landkreis überhaupt gibt.“
Carolin Schleifer: „Die Rückmeldungen der Menschen sind oft sehr schön. Viele sind unglaublich dankbar, weil sie vorher kein Licht am Ende des Tunnels gesehen haben.“
Und was ist besonders herausfordernd?
Nina Seyrer: „Oft müssen wir erst recherchieren oder uns mit Kolleginnen und Kollegen abstimmen, um Möglichkeiten zu finden. Nicht jeder Fall ist einfach. Manche Menschen kommen erst zu uns, wenn die Situation bereits akut ist und sofort eine Lösung gebraucht wird. Die perfekte Lösung gibt es dabei leider nicht immer.“
Martina Pilz: „Das Gute hier sind die kurzen Wege – etwa zur Heimaufsicht oder zur Betreuungsstelle. Wir tauschen uns aus und überlegen gemeinsam, wie wir die Ratsuchenden bestmöglich unterstützen können.
Mit welchen Fragen und Anliegen wenden sich die Menschen am häufigsten an Sie?
Carolin Schleifer: „Viele fragen, wie sie Angehörige zuhause weiter versorgen können. Oft geht es um die Pflegeheimplatzsuche, manchmal denken die Angehörigen fälschlicherweise, dass wir Heimplätze vermitteln. Das ist nicht der Fall. Außerdem beraten wir häufig zu alternativen Wohnformen im Alter und dazu, wie Wohnungen möglichst lange sicher und barrierearm gestaltet werden können.“
Nina Seyrer: „Ein großer Teil der Anfragen betrifft Pflegegrade und Leistungen der Pflegeversicherung. Wir unterstützen bei Erstanträgen und Höherstufungsanträgen und informieren darüber, welche Leistungen im jeweiligen Pflegegrad in Anspruch genommen werden können. Dazu gehören beispielsweise Pflegegeld, Pflegesachleistungen oder Kombinationsleistungen.“
Martina Pilz: „Die Themen sind sehr breit gefächert: offene Rechnungen, Probleme mit Pflegediensten oder Heimen, Finanzierungsschwierigkeiten oder die Frage, wie ein Heimplatz bezahlt werden soll. Oft beraten wir auch zum Entlastungsbetrag, zur Verhinderungs- und Kurzzeitpflege, zu Tagespflegeeinrichtungen, Hausnotrufsystemen, Essen auf Rädern oder Nachbarschaftshilfen. Auch Fragen zur Vorsorgevollmacht spielen immer wieder eine wichtige Rolle, im speziellen Fall verweisen wir an unsere Betreuungsstelle.“
Wann ist der richtige Zeitpunkt, eine Beratung in Anspruch zu nehmen?
Carolin Schleifer: „Viele kommen leider erst, wenn die Situation akut ist und sofort eine Lösung gebraucht wird. Sinnvoller wäre es, sich frühzeitig beraten zu lassen – prophylaktisch sozusagen. Es gibt keinen perfekten Zeitpunkt, aber meistens beschäftigt man sich erst mit dem Thema, wenn man selbst betroffen ist.“
Johannes Fischer: „Pflege ist leider noch immer ein großes Tabuthema. Viele verdrängen es, solange sie nicht selbst betroffen sind. Dabei ist Vorsorge die beste Nachsorge. Wer sich früh informiert und Dinge wie Vorsorgevollmacht oder Patientenverfügung regelt, hat im Ernstfall deutlich weniger Stress. Ich würde mir daher wünschen, dass sich Menschen früher mit dem Thema auseinandersetzen. Wenn man sich rechtzeitig beraten lässt, kann man die Pflege zuhause oft deutlich länger ermöglichen.“
Was sollten Betroffene und Angehörige tun, wenn Pflegebedürftigkeit eintritt?
Nina Seyrer: „Erstmal sollte man Beratung in Anspruch nehmen, sich einen Überblick verschaffen und die entsprechenden Maßnahmen einleiten. Um Leistungen über die Pflegekasse in Anspruch nehmen zu können, wäre der nächste Schritt zu überprüfen, ob ein Antrag auf Pflegeleistungen sinnvoll ist. Wir helfen dann auch bei der Antragsstellung, egal ob beim Erstantrag oder beim Höherstufungsantrag. Danach schauen wir gemeinsam, welche Hilfen notwendig sind – zum Beispiel ein ambulanter Pflegedienst oder Tagespflegeeinrichtungen, damit Angehörige entlastet werden. Wir beraten auch zu Alternativen Unterstützungsmöglichkeiten, wenn noch keine Pflegebedürftigkeit im Sinne des SGB XI besteht. Pflegebedürftigkeit beginnt für viele bereits, wenn sie Hilfe und Unterstützung im Haushalt, beim Einkaufen, beim Kochen oder bei außerhäuslichen Aktivitäten benötigen. Hierfür bekommt man allerdings keine pflegegradrelevanten Punkte.“
Martina Pilz: „Ein weiterer wichtiger Punkt ist dann auch die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst oder Medicproof. Wir informieren die Betroffenen darüber, worauf bei der Begutachtung geachtet werden sollte, wie man sich darauf vorbereiten kann und welche Möglichkeiten es nach dem Gutachten gibt. Auf Wunsch begleiten wir die Pflegebegutachtung auch persönlich. Dieses Angebot wird von vielen Ratsuchenden regelmäßig genutzt.“
Welche Unterstützungsmöglichkeiten werden oft übersehen?
Johannes Fischer: „Viele denken zuerst nur an einen ambulanten Pflegedienst. Tagespflege kann aber eine enorme Entlastung sein – gerade für berufstätige Angehörige. Oft versuchen Familien aus Kostengründen, alles möglichst lange alleine zu stemmen. Dabei gibt es verschiedene finanzierbare Entlastungsangebote.“
Martina Pilz: „Häufig wird auch der Entlastungsbetrag nicht ausgeschöpft. Viele wissen gar nicht, wofür er eingesetzt werden kann. Wir informieren deshalb über Angebote zur Alltagsbegleitung, Haushaltsversorgung oder weitere Unterstützungsmöglichkeiten im Landkreis.“
Carolin Schleifer: „Auch Hilfsmittel oder wohnumfeldverbessernde Maßnahmen werden oft erst spät in Betracht gezogen. Dabei können schon kleine Anpassungen in der Wohnung dazu beitragen, dass Menschen länger selbstständig zuhause leben können. Beispiele sind Stolperfallen wie freiliegende Teppiche zu beseitigen oder Haltegriffe anzubringen.“
Was passiert, wenn ein Pflegeheim nicht mehr bezahlbar ist?
Martina Pilz: „Dann verweisen wir beispielsweise an den Bezirk Schwaben, wo Hilfe zur Pflege beantragt werden kann. Viele Menschen haben Angst, ihr Haus zu verlieren. Wir geben einen Überblick und vermitteln an die zuständigen Stellen.“
Hat der Beratungsbedarf in den vergangenen Jahren zugenommen?
Carolin Schleifer: „Ja, deutlich. Immer mehr Menschen wenden sich an uns – Angehörige genauso wie Betroffene.“
Johannes Fischer: „Der demografische Wandel spielt dabei eine große Rolle. Viele Angehörige wohnen weit weg oder arbeiten in anderen Städten.“
Nina Seyrer: „Auch Familien mit Kindern kommen inzwischen häufiger zur Beratung. „Unser wichtigster Rat: Nicht warten, bis eine Krise entsteht, sondern sich frühzeitig informieren und beraten lassen.“
Zum Pflegestützpunkt:
Das Angebot des Pflegestützpunktes Günzburg kann persönlich in den Räumlichkeiten der neuen Außenstelle des Landratsamtes Günzburg, bei den Außensprechtagen, sowie auch telefonisch, per E-Mail, per Videoberatung oder bei Bedarf als Hausbesuch in Anspruch genommen werden.
Die Öffnungszeiten des Pflegestützpunktes
Montag bis Donnerstag von 9 bis 16 Uhr
Freitag von 9 bis 12. Uhr
Termine können auch außerhalb der Öffnungszeiten stattfinden.
Eine individuelle Terminvereinbarung ist unter Telefon: +49 (0)8221 95 – 461 oder per
E-Mail an pflegestuetzpunkt@landkreis-guenzburg.de möglich.
Bürgerreporter:in:Landkreis Günzburg |
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