Hessens Hinterland
Runzhausen
- hochgeladen von Nelia G
„Du kommst aus dem Hinterland? Wo bitte ist das denn?“
Wie kam das Hinterland (mundartlich "Hennerlaand") eigentlich zu seinem Namen? Nun ja, die Regierenden des Großherzugtums Hessen aus der ehemalige Hauptstadt in Darmstadt meinten seinerzeit, dass die Region im 1832 gegründete Landkreis Biedenkopf aus ihrer Sicht "ganz hinten" liege, noch hinter dem Dünsberg. Man nannte den Landkreis auch Hinterlandkreis. Ich selbst bin ein waschechtes Hinterländer Mädchen und behaupte: nur wer Hinterländer ist, kann die Hinterländer verstehen. Ich will mich aber nicht auslassen über Eigenarten, die ja alle Regionen auf ihre Art pflegen und die sie auch liebenswert machen. Ich stelle einfach mal eines der zahlreichen und typischen Dörfer vor.
Im Gladenbacher Bergland, eingebettet in eine wunderschöne Natur mit Feldern, Wald und Wiesen, liegt Runzhausen (ein Ortsteil der Stadt Gladenbach) 325 Meter über dem Meeresspiegel. Seine höchste Erhebung ist der Allberg mit 527 Metern und das Dorf hat heute ca. 700 Einwohner. Der Dorfname, der 1334 mit Ramizhusen begann, hatte durch die Jahrhunderte immer wieder verschiedene Benennungen erhalten, bis er zu dem heutigen Runzhausen - oder mundartlich "Ronzhause" wurde.
Zitat Homepage:
Wie alt ist unser Dorf wirklich – die Antwort ist einfach: Keiner weiß es genau! Man geht davon aus, dass die Täler unserer Gegend im 7. oder 8. Jahrhundert nach Christus besiedelt wurden.
Jedenfalls wird Runzhausen am 11. Oktober 1334 erstmals in einer Urkunde erwähnt. Es war der „Ritter Kraft von Hohenfels“, der für den Grafen von Hohenfels die jährlichen Abgaben des Dorfes empfing.
Ein historisches Ereignis wird im oberen Teil des Dorfwappens festgehalten. Eine Geweihhälfte erinnert an eine Hirschjagd des Landgrafen von Hessen in der Runzhäuser Gemarkung. Ein Runzhäuser, der den Hirsch zerlegte, durfte eine Geweihstange behalten. Heute befindet sich die traditionelle Belohnung im Heimatmuseum in Gladenbach.
Was Runzhausen besonders ausmacht ist die Dorfgemeinschaft. Jeder kennt jeden und gefeiert wird zusammen. Ob Feuerwehrfeste, Wandertage, Vereinsfeste, kirchliche Ereignisse, oder die Heimkehr eines Wandergesellen, alles ist Anlass zum gemeinschaftlichen Essen und Trinken. Viele junge Menschen, die hier aufgewachsen sind, zieht es auch später wieder in dieses Dorf zurück. Familie ist wichtig und die verwandtschaftlichen Verhältnisse sind hier eng verwoben. Man legt Wert auf Tradition und den Erhalt des Dialektes, den man heute noch untereinander spricht. Man nennt auch die Familien mit den alten Hausnamen. Fast jeder hat hier ein Stück Land oder Wald, das er bearbeitet und auch die entsprechenden Gerätschaften und Fahrzeuge, die er sein Eigen nennt.
Zu erwähnen wäre auch die Gaststätte "Am Spreth", die über viele Jahre der kulinarische Mittelpunkt des Dorfes war. In den urig gemütlichen Räumen wurde herzhafte und bodenständige Küche angeboten und von den Gästen geschätzt. Unzählige Festlichkeiten wurde hier gefeiert und bewirtet. Seit einigen Jahren hat sie geschlossen, da die Besitzer den Gastbetrieb aus Altersgründen aufgaben. Ein Verlust für das Dorf.
Die Dörfer des Hessischen Hinterlandes - traditionell, bodenständig und liebenswert und mit sehr viel Charme.
Einige Links:
Evangelische Kirche
Freie evang. Gemeinde
Freiwillige Feuerwehr
Kindertagesstätte Pusteblume
Dorfverein
Naturschutzvereine und -gemeinschaften
Landfrauenverband
Bürgerreporter:in:Nelia G |
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