104. Deutscher Katholikentag
Wofür Friedberger in Würzburg aufstehen

Die Friedberger Gruppe besuchte natürlich den Stand des Bistums Augsburg auf der Kirchenmeile - und ihren PGR-Vorsitzenden Julian Schmidt, der dort Dienst tat.  | Foto: Julian Schmidt
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  • Die Friedberger Gruppe besuchte natürlich den Stand des Bistums Augsburg auf der Kirchenmeile - und ihren PGR-Vorsitzenden Julian Schmidt, der dort Dienst tat.
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Eine gemischte Gruppe der Pfarrei St. Jakob fährt nach Würzburg. Während Jugendliche am Ministrantentag teilnehmen, suchen Erwachsene Impulse für die Zukunft der Kirche. Am Ende steht ein Gottesdienst, der das Leitwort spürbar macht.

Als im Stift Haug die Frage gestellt wurde, wofür man aufstehen wolle, blieb kaum jemand sitzen. Für Menschenrechte. Für mehr Gott im eigenen Leben. Für die gleichberechtigte Einbindung von Frauen in der Kirche. Immer wieder erhoben sich Jugendliche und Erwachsene von ihren Plätzen. Am Ende dieses langen Katholikentags wurde das Leitwort „Hab Mut, steh auf!“ nicht mehr nur zitiert. Es stand wortwörtlich im Raum.

Begonnen hatte der Tag sehr früh. Um 6 Uhr startete der Bus am Friedberger Volksfestplatz. An Bord waren Ministrantinnen, Ministranten und Erwachsene aus der Pfarrei St. Jakob. Ziel war der 104. Deutsche Katholikentag, der vom 14. bis 17. Mai 2026 in Würzburg stattfand und rund 74.000 Menschen anzog. Der Katholikentag umfasste mehr als 900 Programmpunkte, darunter Gottesdienste, Diskussionen, Konzerte, Theater und Begegnungsangebote.

Nach der Ankunft in der Stadt am Main teilten sich die Wege. Die Jugendlichen nahmen am bundesweiten Ministrantentag teil, der in den Katholikentag eingebunden war. Die Erwachsenen nutzten das breite Angebot teils individuell, teils gemeinsam.

Wo Kirche Hoffnung macht

Am Vormittag besuchte eine Gruppe die Veranstaltung „Kirche als Hoffnungsquelle in einer säkularisierten Welt“. Auf dem Podium diskutierten unter anderem der Pastoraltheologe Prof. Dr. Jan Loffeld, der frühere Unionsfraktionsvorsitzende Ralph Brinkhaus, der Würzburger Bischof Dr. Franz Jung, Dr. Jan Kuhn vom Bistum Limburg und die Mainzer Exegetin Prof. Dr. Christina Kumpmann.

Im Mittelpunkt stand eine Frage, die nicht nur auf Katholikentagen gestellt wird: Welche Bedeutung kann Kirche heute noch haben, wenn sie für viele Menschen nicht mehr selbstverständlich zum Leben gehört?

Pfarrer Pater Steffen Brühl nahm aus der Diskussion einen klaren Auftrag mit: „Kirche darf sich nicht nur mit sich selbst beschäftigen. Entscheidend ist, wo sie für Menschen heute wirklich zur Hoffnungsquelle wird. Und das wird sie nur, wenn sie auf die Menschen zugeht.“

Acht Quadratmeter, die nachwirken

In der Mittagspause führte der Weg über die Kirchenmeile. Dort präsentierten sich Bistümer, Verbände, Orden, Initiativen und kirchliche Einrichtungen. Am Stand des Bistums Augsburg traf die Friedberger Gruppe ihren Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Julian Schmidt, der dort Dienst tat. Neben Kaffee, Käse-Kanapees und Schokoladenkeksen gab es Karten mit verschiedenen „Held:innen“. Gemeint waren Menschen, die im Alltag Verantwortung übernehmen.

Eindrücklich wurde es im Zelt der Gefängnisseelsorge. Dort kam es zu einem Wiedersehen mit Vincent Semenou, dem früheren Pastoralassistenten der Friedberger Pfarrei. Heute arbeitet er als Gefangenenseelsorger in der JVA Kaisheim. Videoboxen gaben Einblicke in den Alltag von Strafgefangenen. In einem nachgebauten Haftraum konnten Besucherinnen und Besucher erleben, wie eng acht Quadratmeter sein können. Außerdem bestand die Möglichkeit, Gefangenen einen Kartengruß zu schreiben oder einen anonymisierten Gruß eines Inhaftierten mitzunehmen.

Eine Debatte am Ambo

Am Nachmittag ging es ins Mainfranken-Theater. Unter dem offiziellen Titel „Provokation und Integration. Kirchen und Theater als Orte realer Gemeinschaft“ diskutierten Prof. Dr. Ulrich Khuon, Dramaturg und Intendant aus Berlin, und Georg Rootering, Intendant des Mainfranken Theaters Würzburg, über die Frage, was Kirche und Theater als Erfahrungsräume verbindet.

Besonders hellhörig wurden die Friedberger, als die Schauspieler Hannes Berg und Nina Mohr die oft schwache Vortragsweise biblischer Texte in Sonntagsgottesdiensten kritisierten. P. Brühl meldete sich zu Wort und nahm die ehrenamtlichen Lektorinnen und Lektoren in den Gemeinden in Schutz. Natürlich brauche die Verkündigung Sorgfalt, sagte er sinngemäß. Zugleich dürfe die Latte nicht so hoch gelegt werden, dass am Ende immer weniger Menschen bereit seien, das Wort Gottes öffentlich zu lesen. Gerade darin liege ein Wert, dass unterschiedliche Menschen mit ihrer Stimme, ihrer Persönlichkeit und ihrem Glauben am Ambo stehen.

Am frühen Abend wurde es musikalisch. Einige aus der Gruppe hörten die „Noise Makers“, einen Gospelchor aus Windheim bei Münnerstadt. Mit Band, Rhythmus und Energie luden sie zum Mitsingen ein. Andere besuchten das Musical Franziskus 2.0. Danach führte der Weg zum gemeinsamen Abschluss des Tages.

Aufstehen für andere

Im voll besetzten Stift Haug kamen Jugendgruppen, Ministrantinnen, Ministranten, Pfadfinderinnen und Pfadfinder zum gemeinsamen Jugendgottesdienst zusammen. Die Friedberger Ministrantinnen und Ministranten brachten sich aktiv in die Messe ein und übernahmen die Fürbitten. Die Kirchenband FUNTASY begleitete den Gottesdienst. Sie sorgte für gute Laune, aber auch für die leisen Töne. Der lange Applaus am Ende zeigte, wie sehr der Gottesdienst die Menschen erreicht hatte.

Maximilian Strozyk, Pfadfinder-Bundeskurat der DPSG, stellte die Frage, die mitten ins Leitwort des Katholikentags führte: „Für was wollen wir aufstehen?“ Für die Einhaltung der Menschenrechte? Für die gleichberechtigte Einbindung von Frauen in der Kirche? Für mehr Gott im eigenen Leben? Die Gottesdienstbesucherinnen und Gottesdienstbesucher standen ohne Zögern auf.

Der Fuldaer Bischof Dr. Michael Gerber griff diesen Gedanken in seiner Predigt auf. Christinnen und Christen sollten vor allem für jene aufstehen, die selbst nicht aufstehen können. Wo braucht mich jemand? Wem geht es nicht gut? Wem kann ich zuhören? Wem kann ich ein gutes Wort sagen? Wem kann ich helfen, wieder aufzustehen? Und wenn Menschen selbst zögern oder unsicher werden, gelte ihnen Gottes Zusage: „Hab Mut, steh auf!“

Gegen 20 Uhr trat die Friedberger Gruppe die Rückfahrt an. Um 23.30 Uhr rollte der Bus wieder am Volksfestplatz ein. Die Teilnehmenden waren müde, aber dankbar für das Erlebte. Ein Teilnehmer brachte das Fazit des langen Tages auf den Punkt: „Antworten habe ich jetzt nicht mehr als vorher. Aber ich habe neu gespürt, dass wir in Friedberg Teil einer großen, lebendigen Kirche sind.“

Bürgerreporter:in:

Kath. Stadtpfarrei St. Jakob aus Friedberg

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