Glaube als gelebte Solidarität
Friedberger Palmsonntag verbindet Kontinente
- Die Statio an Palmsonntag 2025 auf dem Marienplatz mit der Segnung der Palmbuschen.
- Foto: Achim Lüders
- hochgeladen von Kath. Pfarrei St. Jakobus maj.
„Wenn meine Jünger schweigen müssen, werden die Steine schreien.“ Dieses Jesuswort aus dem Lukasevangelium war mehr als ein Zitat am Rand – es wurde am Palmsonntag in Friedberg zum roten Faden einer Liturgie, die tief berührte und zum Nachdenken anregte. Hunderte Gläubige hatten sich bei frühlingshaftem Wetter auf dem Marienplatz versammelt, um mit Stadtpfarrer Pater Steffen Brühl sowie den Pallottinerpatres Reinhold Maise und Rüdiger Kiefer den Beginn der Karwoche zu begehen – mitten im Herzen der Stadt, für alle sichtbar und hörbar.
Eine Predigt mitten im Leben
Die Freiluft-Predigt sprach genau in diese Wirklichkeit hinein. Nicht hinter Kirchenmauern, sondern dort, wo auch sonst die vielen Stimmen zusammenkommen – auf dem Marktplatz der Stadt. Pater Brühl stellte die unbequeme Frage: Wo bleibt heute unser Glaube stumm, obwohl wir als Christinnen und Christen eigentlich den Mund aufmachen müssten?
Und er ließ die Antwort nicht offen. „Weil wir vielleicht zu oft schweigen, ist es die Erde selbst, die heute schreit“, sagte er. „Die Erde, die unter unserem Lebensstil leidet, schreit. Die Armen, die übergangen werden, schreien. Die Opfer von Krieg, Terror und Gewalt schreien ihr Leid zum Himmel. Und der Mensch neben mir, der schon gar nicht mehr schreien kann, möchte einfach nur hören: Du bist gesehen.“ Der Satz Jesu sei Mahnung und Einladung zugleich, den Glauben nicht nur im Herzen zu tragen, sondern ihm Stimme zu verleihen. Ehrlich, bescheiden, aber doch hörbar.
Zeichen setzen – mit Zweigen, Gesängen und Gemeinschaft
Den Glauben wahrnehmbar zu machen, das taten sie versammelten Gottesdienstteilnehmer direkt im Anschluss an die Predigt. Die grünen Palmbuschen, von den Ministrantinnen und Ministranten am Vortag liebevoll gebunden und ergänzt durch selbst mitgebrachte Zweige der Gläubigen, wurden gesegnet – als Ausdruck der Hoffnung, des Friedens und der Verbundenheit mit Christus. Danach zog die Prozession durch die Friedberger Altstadt zur Stadtpfarrkirche. Begleitet von einem Bläserquartett und liturgischen Gesängen war sie ein lebendiger Ausdruck dessen, was der Glaube auch heute sein kann: öffentlich, gemeinschaftlich und getragen vom Mut zum Bekenntnis zu einem Gott, der alle Menschen gleich geschaffen hat, sie in seine Schöpfung stellt, die sie verantwortlich nutzen und bewahren sollen – damit sie in Frieden und Freiheit miteinander leben.
Ein Gottesdienst, der Klang und Tiefe vereinte
In der Stadtpfarrkirche wurde der Gottesdienst fortgesetzt. Der Kirchenchor und das Bläserquartett unter Leitung von Monika Trinkl-Peters gestalteten die Messe musikalisch mit der „Missa Parochialis“ von Wolfgang Menschick sowie festlichen Gesängen von Herbert Paulmichl. Der Klang der Musik, die Worte der Liturgie und die Symbolik des Palmsonntags fügten sich zu einer Atmosphäre, die weit über den Moment hinausreichte.
Internationale Partnerschaft – konkret und nachhaltig
Nach dem Gottesdienst lud der Pfarrgemeinderat ins Pfarrzentrum ein. Dort berichtete Pater Reinhold Maise, Missionssekretär der Pallottiner, über die Situation in der Friedberger Partnerpfarrei St. Vinzenz Pallotti im malawischen Kaphatika. Seit Jahren pflegt St. Jakob eine gute Verbindung dorthin – nicht abstrakt, sondern ganz konkret. So wurden in den vergangenen Jahren durch Spenden beim Fastenessen unter anderem Schulmöbel finanziert. In diesem Jahr soll der Erlös für dringend benötigtes Lernmaterial verwendet werden. Pater Maise gab einen eindrucksvollen Einblick in das Leben in einem der ärmsten Länder der Welt – und in das stille, aber beharrliche Wirken kirchlicher Solidarität vor Ort.
Hoffnung gestalten – von Kinderhand und Künstlerinnenherz
Parallel zum Vortrag wurde es im Gymnastikraum bunt und kreativ: Rund 50 Kinder gestalteten zusammen mit Gemeindereferentin Elisabeth Wenderlein und ihrem Team eigene kleine Osterkerzen – und wirkten auch an der großen Osterkerze der Gemeinde mit, die in diesem Jahr in besonderer Weise das Thema des Heiligen Jahres aufgreift: Hoffnung.
Die neue Osterkerze wurde von Marianne König, Luzia Asching und Dorothea Pfänder künstlerisch gestaltet – den „Baum der Hoffnung“ aufgreifend. Ein Motiv, das aus der Gemeindearbeit rund um das Heilige Jahr hervorgegangen ist. Die drei Künstlerinnen wurden vom Stadtpfarrer eigens gewürdigt und mit einem Blumengruß bedacht – als Dank für ihr Gespür, mit Wachs, Farbe und Symbolen Glauben sichtbar zu machen.
Ein einfaches Essen – mit großem Herzen
Ab 12 Uhr wurden im Pfarrsaal eine einfache, aber liebevoll zubereitete Mahlzeit beim traditionellen Fastenessen serviert. Das Küchenteam „Last Minute“ hatte wie immer die Zubereitung übernommen – und einmal mehr bewiesen, dass Gemeinschaft und Solidarität durch solche Veranstaltungen weiter wachsen können. Der Pfarrgemeinderat kümmerte sich um Aufbau, Organisation und Service. Ein besonderer Dank galt dem Mesnerteam, auf das immer Verlass ist – oft im Hintergrund, aber unverzichtbar.
Ein Palmsonntag, der nachklingt
Der Palmsonntag in Friedberg war keine laute Demonstration des Glaubens, aber ein vielstimmiges, klares Bekenntnis zu einer Kirche, die hinschaut, zuhört und ausspricht, was gesagt werden muss, die gemeinsam feiert und gemeinsam handelt, die Hoffnung nicht nur predigt, sondern auch ganz konkret werden lässt, zum Beispiel für die Menschen in Kaphatika/ Malawi.
Bevor die Steine schreien, hat die Gemeinde von St. Jakob ihre Stimme erhoben – und damit gezeigt, dass christlicher Glaube heute weder stumm noch veraltet sein muss. Sondern aktuell, erfahrbar und vor allem: hörbar.
Bürgerreporter:in:Kath. Pfarrei St. Jakobus maj. aus Friedberg |
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