Nelly Reinhardt Wittelsbacher Schloss Friedberg
Ein Schloss in Bewegung

Nelly Reinhard
9Bilder

Das Wittelsbacher Schloss in Friedberg ist für viele Friedbergerinnen und Friedberger vor allem ein Wahrzeichen. Von außen historisch und ruhig, im Inneren jedoch ein aktiver Veranstaltungsort mit Konzerten, Lesungen, Kabarett und Open-Air-Abenden. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich Nelly Reinhardt, die das Veranstaltungsmanagement des Schlosses leitet.

Rundgang durch den Großen Saal

Als wir sie am 28. Januar 2026 besuchen dürfen, beginnt unser Gespräch nicht direkt am Tisch, sondern mit einem Rundgang. Im Großen Saal erklärt sie, wie sehr die Architektur jede Veranstaltung beeinflusst. Die markanten Säulen strukturieren den Raum und geben ihm Charakter, sie setzen aber auch Grenzen: Die Bühne darf maximal acht mal vier Meter groß sein, da die Säulen sonst im Weg stehen würden. Große Orchester lassen sich hier kaum realisieren, kleinere Ensembles oder Lesungen hingegen passen gut in diesen Rahmen. Während wir noch im Saal stehen, zeigt sie uns die Beleuchtung. Mit einem Schalter gehen die großen, runden Leuchten unter der hohen Decke an, deren Form fast an Vollmonde erinnert. Der Raum wirkt sofort wärmer und moderner. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie stark Licht die Wirkung eines Abends beeinflussen kann.

Backstage und historische Räume

Anschließend führt sie uns in den Backstage-Bereich. Im sogenannten VIP-Raum bereiten sich Künstlerinnen und Künstler vor, ein funktionaler Rückzugsort hinter der Bühne, der zeigt, wie viel Organisation im Hintergrund läuft, bevor das Publikum überhaupt Platz nimmt. Im Erdgeschoss befinden sich der Rittersaal und die Remise, beide mit historischem Kreuzgewölbe. Sie werden häufig für Trauungen, Empfänge oder kleinere Veranstaltungen genutzt. Der Schlosshof wiederum spielt im Sommer eine zentrale Rolle: Dort finden mehrere Open-Air-Abende statt, für die eigens eine Bühne aufgebaut wird.

Vielseitige Aufgaben einer Schlossmanagerin

Im Gespräch im Museumscafé wird deutlich, wie vielseitig Reinhardts Aufgaben sind. Sie plant das städtische Kulturprogramm; von klassischen Liederabenden über Kabarett bis hin zu modernen Formaten und koordiniert gleichzeitig Vermietungen für Hochzeiten oder Firmenveranstaltungen. Dabei bewegt sie sich stets innerhalb klarer Vorgaben. Das Schloss steht unter Denkmalschutz, was bestimmte Effekte oder Ausstattungen ausschließt. Hinzu kommen sicherheitsrechtliche Anforderungen, die bei größeren Veranstaltungen zusätzliche Maßnahmen notwendig machen. Besonders prägend ist jedoch die Nachbarschaftsvereinbarung.
Sie regelt genau, wie viele Veranstaltungen pro Jahr stattfinden dürfen und sieht vor, dass die Anwohner regelmäßig informiert
werden. „Wir sind da von der Anzahl her limitiert, weil wir mitten in der Altstadt leben und nicht
die Einwohner hier belästigen können mit hunderten Scharen von Menschen“, erklärt Nelly Reinhard. Trotz dieser Rahmenbedingungen ist das Programm bewusst vielfältig angelegt. Neben klassischen Konzerten stehen auch modernere Formate
auf dem Spielplan.

Neue Formate und jüngeres Publikum

Mit der After-Work-Reihe „Schloss Happens!“ wird gezielt ein jüngeres Publikum angesprochen, während Theaterproduktionen wie „Ludwig II. – der Bayerische Patient“ das historische Ambiente bewusst einbeziehen. Veranstaltungen wie „Magical Movie Soundtracks“ zeigen, dass sich der Große Saal auch für populärkulturelle Programme eignet. Besonders begeistert wirkt Nelly Reinhard, wenn sie von Abenden erzählt, bei denen das Publikum selbst aktiv wird. Beim „Rudelsingen“ werden Liedtexte eingeblendet, und der ganze Saal singt gemeinsam. Bei Ukulele-Konzerten bringen Besucher ihre Instrumente mit; innerhalb kurzer Zeit sind mehrere hundert Karten verkauft. Ein wichtiges Ziel ist es, das Publikum langfristig zu verjüngen. Das durchschnittliche
Alter der Gäste sei derzeit noch eher hoch. Deshalb hat man im vergangenen Jahr dem Jugendzentrum bewusst eine Bühne überlassen, damit junge Künstlerinnen und Künstler eigene Projekte präsentieren konnten, kostenlos und ohne große Hürden.
Für ein „jüngeres Schloss“ ist das ein Schritt in die richtige Richtung.

Kreative Gestaltung statt Verwaltung

Überhaupt wird im Gespräch deutlich, dass sie das Schloss nicht nur verwaltet, sondern aktiv gestalten möchte. Neben konkreten Formaten bringt sie auch Ideen ein, die zeigen, wie lebendig sich das Haus entwickeln kann. Auf die etwas scherzhafte Frage, welche Künstler sie sich wünschen würde, wenn Budget und Rahmen keine Rolle spielten, kommt die Antwort ohne Zögern: „Ich würde total gerne mal Elton John hier stehen haben. Mit seinem Red Piano. Das wäre super.“ Sie lacht. Der Besuch macht deutlich, dass das Wittelsbacher Schloss kein starrer Kulturort ist, sondern ein Gebäude, das immer wieder neu gedacht wird. Zwischen historischen
Mauern, festen Auflagen und kreativen Ideen entsteht ein Veranstaltungsprogramm, das Tradition und Gegenwart miteinander verbindet und dabei bewusst offen bleibt für Neues.

myheimat-Team:

Anastasia Chamanova

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

6 folgen diesem Profil

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.