Nachdenkliches
Die Kunst des Zuhörens

"Freundinnen" Silke Dokter , Acryl auf Leinwand 50x70
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Die Kunst des Zuhörens
Kürzlich las ich in einer Zeitschrift, dass viele Menschen die Gabe des Zuhörens verlernt haben.
Das ist wohl so, es wird immer weniger kommuniziert, es wird mehr geschrieben, keine Briefe, nein die Zeit nimmt sich kaum noch jemand, es sind diese kleinen flüchtigen Handynachrichten und die Smileys, die eine Stimmung signalisieren sollen.
Manchmal klingelt aber doch ein Telefon, oder das Handy, mitunter auch zu einem ungünstigen Augenblick. Man ist gerade beim Verrichten einer Hausarbeit oder beim Haare föhnen, jedenfalls einfach unpassend, jedoch man ist höflich oder einfach auch nur neugierig, was den Anrufer bewegen könnte.
Dann kommt die Frage: „Wie geht es Dir?“
Ich erinnerte mich an eine kleine Episode, die mir Anita erzählte und die auch mich zum Nachdenken brachte:
So erzählte Anita:
„Eines Tages rief Susann mich an und begann mit der Frage: „Wie geht es Dir?“
Ja, wie ging es mir eigentlich fragte ich mich schnell; denn die Kartoffeln signalisieren schon, dass sie ihren Garzustand erreicht hatten, trotzdem öffnete ich kurz mein Herz, tut ja manchmal gut, natürlich nicht bei jedem Anrufer oder Anruferin, doch Susann war so eine Vertraute.
Doch irgendwie hatte ich das Gefühl, so richtig interessierte sie mein Gemütszustand eigentlich doch nicht.
„Na gut, dann bis demnächst!“ hörte ich mich sagen: „Ich rufe wieder zurück, es ist jetzt etwas ungünstig!“, dann legte ich auf. Die Kartoffeln klebten inzwischen am Topfboden und irgendwie war ich genervt.
Die Hausarbeit war erledigt, der Einkauf stand noch auf der Liste und am Abend, als alles entspannter war, der Fernseher lief, erinnerte ich mich an den Anruf vom Vormittag aber ich rief nicht zurück, es lief gerade ein spannender Film.
Erst zwei Tage später rief ich zurück, doch am anderen Ende der Leitung war nur der Anrufbeantworter.
Nach einer Woche hatte ich endlich Susann erreicht und erfuhr, dass man ihr vor einer Woche eine dringende Operation empfohlen hatte und sie wollte eigentlich nur reden.
Oh, sie hätte meinen Zuspruch gebraucht.
Ich hatte sie nicht gefragt: „Wie geht es dir?“ und ich hatte auch nicht, wie versprochen, zurückgerufen.“
Hören wir immer richtig zu? Rufen wir immer, wie versprochen, zurück?
Es ist eine schnelllebige Zeit und oft fehlt uns inzwischen die Gabe das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden.

Bürgerreporter:in:

Silke Dokter aus Erfurt

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