Eine Krone für den Kinderschutz
Königin Silvia in Düsseldorf geehrt
- Königin Silvia von Schweden
- Foto: Ries
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Seit Jahrzehnten setzt sich Königin Silvia von Schweden für Kinder ein, die Gewalt und Ausbeutung erleben. In Düsseldorf erhielt sie dafür den "Preis für Kindeswohl 2026" - an einem Tag, der auch eine sehr persönliche Rückkehr in ihre frühere Heimat war.
Von Peter Ries
Eine Krone kann für Macht und Glanz stehen. Die Krone, die Königin Silvia von Schweden am vergangenen Freitag in Düsseldorf entgegennahm, sollte jedoch vor allem an etwas anderes erinnern: an Kinder, deren Sicherheit nicht selbstverständlich ist - und an Erwachsene, die Verantwortung für ihren Schutz übernehmen müssen.
Die Düsseldorfer Jonges und die Stiftung Kinder- und Jugendhospiz Regenbogenland zeichneten die Königin im Hyatt Regency am Medienhafen mit dem "Preis für Kindeswohl 2026" aus. Gewürdigt wurde ein Engagement, das seit Jahrzehnten weit über repräsentative Auftritte hinausgeht. Im Mittelpunkt steht der Einsatz gegen Gewalt, Missbrauch und Vernachlässigung - Themen, über die lange geschwiegen wurde und die Silvia beharrlich ins öffentliche Bewusstsein rückt.
"Wir dürfen die Sicherheit von Kindern niemals als selbstverständlich ansehen", sagt die Königin in einem auf der Website ihrer Stiftung veröffentlichten Interview. In diesem Satz liegt der Kern ihrer Arbeit: Kinder zu schützen bedeutet, hinzusehen, bevor Gefahr eskaliert, Betroffene ernst zu nehmen und verlässliche Hilfen aufzubauen.
Aus einer Überzeugung wird weltweite Arbeit
1999 gründete Königin Silvia die World Childhood Foundation. Aus dieser Initiative ist über die Jahre ein internationales Netzwerk geworden: Nach Angaben der Organisation hat sie seit ihrer Gründung mehr als 2.000 Projekte in 21 Ländern unterstützt. Die Stiftung arbeitet mit lokalen Organisationen, Fachleuten, Behörden und weiteren Partnern zusammen. Sie fördert unter anderem Prävention, Schutzangebote und die Begleitung betroffener Kinder. Das Ziel: Hilfe soll nicht nur im akuten Notfall greifen, sondern Strukturen schaffen, die Kinder dauerhaft besser schützen.
Auch die jüngsten von der Stiftung veröffentlichten Zahlen geben einen Eindruck von der Reichweite. Laut Impact Report 2024 investierte Childhood in jenem Jahr 8,3 Millionen US-Dollar in 137 Projekte in zehn Ländern. Gemeinsam mit Partnern habe die Organisation direkte Unterstützung und verbesserte Schutzmaßnahmen für 115.000 Kinder ermöglicht. Zu den Aktivitäten zählten unter anderem ein weiteres Childhood-Haus in Deutschland, Initiativen gegen sexuelle Ausbeutung im Internet und verstärkte Kinderschutzarbeit in der Ukraine. Diese Angaben stammen aus dem Bericht der Stiftung selbst.
In Düsseldorf ist das Engagement ebenfalls konkret zu erleben: Das 2020 eröffnete Childhood-Haus unterstützt Kinder, die Gewalt erfahren haben. In einer solchen spezialisierten Einrichtung können verschiedene Fachkräfte zusammenarbeiten - damit betroffene Kinder nicht allein gelassen werden und Wege durch schwierige Verfahren nicht unnötig belastend werden.
Ein Preis für Menschen, die Kinder schützen
Die Düsseldorfer Jonges und die Stiftung Regenbogenland haben den Preis 2022 ins Leben gerufen. Er wird alle zwei Jahre an Menschen verliehen, die sich in besonderer Weise für das Kindeswohl einsetzen. Erste Preisträgerin war posthum die Düsseldorfer Rechtsmedizinerin Prof. Dr. Elisabeth Trube-Becker, eine Pionierin des medizinischen Kinderschutzes. 2024 erhielt NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) die Auszeichnung für sein Engagement gegen Kindesmissbrauch.
Schirmherrin der dritten Verleihung war Elke Büdenbender, Ehefrau von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier per Video. Die stilisierte Kindeswohlkrone, gestaltet von der Düsseldorfer Künstlerin Meral Alma, überreichten die Veranstalter gemeinsam mit der Künstlerin an die Königin.
Durch den Abend führte der frühere Fernsehmoderator Frank Plasberg. Norbert D. Hüsson, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Kinder- und Jugendhospiz Regenbogenland, würdigte in seiner Ansprache die Wirkung der Königin: "Sie haben Gewalt, Ausbeutung von Kindern und sexuellen Missbrauch zum Thema gemacht, wo lange Schweigen herrschte. Und sie haben Menschen und Organisationen zusammengeführt, die diesen Schutz verwirklichen." Die Laudatio hielt Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller anstelle von Herbert Reul, der sich am Vortag die Hüfte gebrochen hatte. In einem Gespräch ging es um die grundlegende Frage: "Kindeswohl - was bedeutet das eigentlich?"
Persönliche Beziehung zu Düsseldorf
Als sie den "Preis für Kindeswohl 2026" entgegennahm, sprach Königin Silvia auch über ihre persönliche Beziehung zur Stadt: "Wenn ich nach Düsseldorf komme, ist das immer auch ein Nachhausekommen", sagte sie. "Mich rührt, dass dieser Preis von Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt vergeben wird."
Dann richtete sie den Blick auf die Verantwortung der Erwachsenen.
"Mich beschäftigt heute sehr die Verantwortung der Erwachsenen", sagte Königin Silvia ans Publikum gewandt. Entscheidend sei, dass Fachleute zu den Kindern kämen - und nicht umgekehrt das Kind von einer Stelle zur nächsten gehen müsse. Sie wolle, so die Königin, die Systeme kindergerechter machen.
Den Preis nehme sie stellvertretend für jene entgegen, die aushielten, was manchmal kaum auszuhalten sei: "Für die Ärzte, die genau hinschauen, für die Lehrer, die etwas bemerken und die Pflegenden, die begleiten", sagte Königin Silvia.
Für einen besonderen musikalischen Moment sorgten "Die Earworms", eine junge Düsseldorfer Jazzband, deren Mitglieder die Waldorfschule in Gerresheim besuchen. Gemeinsam mit "Maschinski" mit Gesang und Klavier gestalteten sie das Programm. Das Schlusswort sprach Dr. Reinhold Hahlhege, Baas der Düsseldorfer Jonges. Anschließend kamen die Gäste bei einem Get-together zusammen.
Heimkehr in eine vertraute Stadt
Für Königin Silvia war die Preisverleihung der Abschluss eines ereignisreichen Tages in einer Stadt, die zu ihrer eigenen Geschichte gehört. Am Vormittag besuchte sie ihr früheres Gymnasium, das an seinem neuen Standort eingeweiht wurde. Silvia Sommerlath wurde am 23. Dezember 1943 in Heidelberg geboren und wuchs teils in Deutschland, teils in Brasilien auf. 1963 legte sie am Düsseldorfer Luisen-Gymnasium ihr Abitur ab.
Zehn Jahre später lernte sie bei den Olympischen Sommerspielen in München den schwedischen Kronprinzen Carl Gustaf kennen. 1976 heirateten die beiden in Stockholm. Seitdem ist Silvia Königin von Schweden und Ehefrau von König Carl XVI. Gustaf.
Bereits im März war sie in Düsseldorf zu Gast gewesen. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) empfing sie damals in der Staatskanzlei und zeichnete sie als "Düsseldorferin des Jahres" für ihr Lebenswerk aus. Die erneute Ehrung machte nun sichtbar, wie eng ihre persönliche Verbindung zur Stadt mit einem weltweiten Anliegen verwoben ist.
Die Krone des Kindeswohls ist ein Symbol. Die mehr als 2.000 von Childhood unterstützten Projekte in 21 Ländern stehen dagegen für konkrete Arbeit - für Schutz, Begleitung und neue Möglichkeiten. Dass daraus dauerhafte Hilfe wird, hängt auch von den Menschen vor Ort ab: von Fachkräften, Organisationen und Partnern, die Kinder Tag für Tag unterstützen. Königin Silvia hat dazu beigetragen, dieses gemeinsame Engagement anzustoßen und dem Kinderschutz eine weithin hörbare Stimme zu geben.
Infos über: Kinderhospitz Regenbogenland
Bürgerreporter:in:Peter Ries aus Düsseldorf |
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