Die Frau als Besitz (???)
Von der matriarchalen zur patriarchalen Weltordnung
- Ausschnitt aus einem Bild des Augsburger Barockmalers Georg Phillipp Rugendas, das rechtlose Marketenderinnen im Tross eines Soldatenheeres der Religionskriege zeigt. Haben wir diese Rolle den Kurganvölkern zu verdanken?
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In der Jungsteinzeit lernten die frühen Menschen im Gebiet von Syrien, Palästina und Mesopotamien („fruchtbarer Halbmond“) den Ackerbau und die Vorratswirtschaft. Über die Türkei und das Siedlungsgebiet um die Donau und die Schwarzmeerküste verbreitete sich die Kenntnis von Ackerbau und Siedlungswesen nach Europa. Während in der Phase der Jäger und Sammler die Arbeit im Besonderen bei der Jagd, die vor Allem Schnelligkeit erforderte, gemäß pragmatischer Fähigkeiten gleichmäßig verteilt wurde, wurde der Ackerbau eher zur Aufgabe der Frauen und die Tierzucht mehr den Männern zugeteilt.
Da ein Großteil der Frauen damals wie heute durch Ihre Fähigkeit Leben zu schenken und den Erhalt des Stammes zu sichern mit Ihren Säuglingen eher ortsgebunden waren ( d.h. mit einem Säugling an der Brust nicht so schnell hinter den Tieren herlaufen konnten), übernahmen sie die wichtigen Aufgaben von Feldbestellung und Siedlungsbau. In diesen frühen Siedlungen fand man Bestattungen von Frauen und auch Kindern unter dem Erdboden des Hauses. Die weiblichen Ahnen waren so quasi das Herz, der zentrale Lebensmittelpunkt der Siedlung. Auf einem Feld zu sähen, erfordert ein planendes Gemeinschaftsgefühl. Nur wenn man Schulter an Schulter in Reihe beginnt und aufhört , so wie in nichtindustriellen Gebieten auch heute noch, werden Verluste der wertvollen Saat vermieden. Der matriarchale Charakter dieser Kultur wird durch den Fund vieler (fast)ausschließlich weiblicher Idolfiguren untermauert. In einigen der Schwarzmeerkulturen (Cucuteni-Tripolije) fand man diese Figürchen auf Schemeln sitzend im Kreis angeordnet – wie bei einer Besprechungsrunde „ um den runden Tisch“. Haben die älteren , klugen Frauen im Kollektiv über wichtige Entscheidungen zusammen gesessen und die Demokratie erfunden?
Die Männer waren weiter auf der Jagd, hatten aber sicher bald das Gebiet um die großen Siedlungen leer gejagt. Da bei der Domestizierung von Herdentieren auch übermäßig genutzte Weideflächen verdorrten, musste man mit den Herden nomadisieren. Über die Gebirgstäler am Rande des „fruchtbaren Halbmondes“ den Atlas, den Kaukasus und das Zagrosgebirge, die mehr Wildherden ernährten, verlagerten diese hauptsächlich aus Männern bestehenden Gruppen Ihr Aktionsfeld immer mehr nach Nordosten und kehrten nur sporadisch zu den Siedlungen zurück. In einer Jäger- und Nomadenkultur macht es Sinn, dem Erfahrensten zu vertrauen und sich nicht in viele Gruppen aufzuteilen. Das würde gerade bei Viehzüchtern auch die Herden splittern und die Gefahr gegen Raubtiere und Verlust vergrößern. Liegt hier der Ursprung der patriarchalen Machtpyramide? So scheint es sich später auch in Form der Beisetzung besonders berühmter Herrscher in Erdpyramiden, den Kurganen, zu manifestieren.
Auch die primäre Verehrung eines den anderen Gestirnen und Wesensheiten übergeordneten Sonnengottes, die den Ursprung vieler monotheistischer Religionen darstellt, unterstützt diese patriarchale Machtübernahme Die Besiedlung der nordöstlichen Gebirgszüge geht einher mit der Verwendung von Kupfer und später Bronze-Legierungen für Pfeilspitzen. Verwertbares Zinn ist selten und findet sich erst in den Regionen Kirgisistans. Dort und in den grasreichen Tiefebenen Mittelasiens gibt es viele Antilopen- und Pferdeherden. Mit der Domestizierung von Pferden und der Verwendung von Pfeil und Bogen mit kleinen leichten, aber scharfen bruchsicher und wiederverwendbaren Bronze-Pfeilspitzen waren diese Nomaden sehr erfolgreiche Jäger und Viehzüchter, deren Raubzüge bald auch die matriarchalen Ackerbauer-Kulturen unterjochten. Während die Männer auf Jagd oder auf Raubzüge gingen, mussten die Frauen das Zelt abbauen und im Tross des Vieh- und anderen Besitzes der Reiterschar hinterhertrotten.
Erst vor wenig mehr als 100 Jahren wurde das Selbstbestimmungsrecht der Frauen in Europa per Gesetz eingeführt. Bei vielen Völkern gerade im Einflussgebiet patriarchal monotheistischer Religionen wartet man bisher darauf vergeblich.
Im Haus der Kulturen in Diedorf warten verschiedene Ausstellungen von Skulpturen und Objekten fremder Völker auf Sie, die diesen Aufsatz schlaglichtartig beleuchten sollen: " Pferd und Reiter", "Idolplastiken der Jungsteinzeit", "frühe Getreidemühlen", "figürlich geschnitzte Spazierstöcke, Würdestäbe und Szepter", " Keramik - vom Sammelgefäß zur Bildgeschichte".
Besichtigung mit Führung nach Voranmeldung: 08238/60245 oder info@maskenmuseum.de
Bürgerreporter:in:Haus der Kulturen michael stöhr aus Diedorf |
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