Zeitkapsel aus der NS-Zeit
Fund aus Eisenbrechtshofen jetzt im Biberbacher Rathaus zu sehen

In Eisenbrechtshofen ist bei Bauarbeiten eine besondere historische Zeitkapsel entdeckt worden: Am 27. Juli 2026 stieß ein Bagger bei Arbeiten der Telekom in etwa 60 Zentimetern Tiefe auf eine 1-Liter-Bierflasche der Augsburger Brauerei Sebastian Riegele. In der Flasche befanden sich mehrere, teils stark beschädigte und vergilbte Papierblätter. 

Wie das Gemeindearchiv Biberbach nach der Untersuchung mitteilt, handelt es sich um ein außergewöhnliches Dokument aus dem Jahr 1933: In der Flasche lag eine Urkunde zur Pflanzung einer sogenannten „Friedenslinde“ am 29. April 1933. Der Fundort liegt im Norden Eisenbrechtshofens an der heutigen Einmündung der Biberbacher Straße in die Markter Straße. 

Dokumente zeigen frühe NS-Propaganda vor Ort
Trotz des schlechten Zustands sind wesentliche Teile der Urkunde noch lesbar. Der erhaltene Text stellt die Pflanzung in direkten Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Machtübernahme und nennt Adolf Hitler ausdrücklich. Das Dokument trägt zudem das damalige Dienstsiegel der Gemeinde Eisenbrechtshofen; ein Teil mit mutmaßlichen Namen der Beteiligten ist heute nicht mehr lesbar. 

Besonders eindrücklich: Aus dem im Archiv überlieferten Protokollbuch geht hervor, dass der Gemeinderat die Pflanzung bereits am 28. April 1933 beschlossen hatte – ausdrücklich mit Bezug auf die neue politische Ordnung. Schon am 1. Mai 1933 folgte eine größere Feier an der Linde, an der laut zeitgenössischer Berichterstattung nahezu alle Einwohner sowie Schuljugend, Gemeinderat und SA teilnahmen. Dabei wurden nationalsozialistische Lieder gesungen und die Veranstaltung endete mit „Sieg-Heil“-Rufen. 

Gemeindearchivar Dr. Felix Guffler betont, dass die Zeitkapsel heute gerade deshalb so wichtig sei, weil sie einen konkreten Ort und Zeitpunkt aus einer zeitgenössischen Quelle überliefere – und damit eine kritische Einordnung ermögliche. Bürgermeister Christian Schuster unterstreicht, dass der Fund auch als Beitrag zur politischen Bildung verstanden werden solle und daran erinnere, wie schnell Ideologien „Wurzeln schlagen“ können. 

Ausstellung im Rathaus Biberbach
Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann die Zeitkapsel nun vor Ort sehen: Seit 18. August 2026 wird das Fundstück im Foyer des Rathauses Biberbach ausgestellt – zu den regulären Öffnungszeiten. Neben der Flasche und den Dokumenten werden weitere historische Unterlagen gezeigt und in ihren Kontext eingeordnet. 

Öffnungszeiten Rathaus Biberbach
Montag, Mittwoch, Freitag: 8 bis 12 Uhr
Dienstag: keine Geschäftszeiten
Donnerstag: 8 bis 12 Uhr und 14.30 bis 18 Uhr
Die Schriftstücke sind inzwischen zudem als Archivalien im Gemeindearchiv erfasst und sollen in den kommenden Jahren zu den üblichen Bedingungen einsehbar sein.

Bürgerreporter:in:

Florian Handl aus Augsburg

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