Manuela Schwesig und Elif Eralp
Zwei Frauen machen Merz zum Zwerg

Foto: Didi van Frits mit ChatGPT-6 Astra Max
5Bilder
  • Foto: Didi van Frits mit ChatGPT-6 Astra Max
  • hochgeladen von Didi van Frits

Am Sonntag sollte man einen Zollstock neben den Fernseher legen. Es könnte sein, dass ein Bundeskanzler im Laufe des Abends erheblich schrumpft. Bei unveränderter Körpergröße. Politische Größe lässt sich schließlich nicht beim Herrenausstatter bestellen. Manuela Schwesig in Schwerin und Elif Eralp in Berlin könnten dafür sorgen. Die taz nennt die beiden „Zwei Engel für Germany“. Mir würden zwei Politikerinnen genügen, die sich daran erinnern, wozu Politik eigentlich da ist: damit Menschen mit ihrem Leben zurechtkommen. Engel können anschließend wieder Weihnachten übernehmen.

Friedrich Merz hat andere pädagogische Schwerpunkte. Er beanstandet Arbeitszeiten und Krankenstände. Den Eindruck, er halte die Deutschen für faul, hat er ausdrücklich zurückgewiesen. Das muss man fairerweise erwähnen. Es ist allerdings auch eine Kunst, einem ganzen Land eine Standpauke zu halten und sich anschließend zu wundern, dass niemand darin eine Liebeserklärung erkennt. Die erschöpfte Pflegekraft soll also zunächst ihre Wirkung auf den Wirtschaftsstandort überdenken. Vielleicht hustet sie einfach zu wenig leistungsbereit.

Bei den Staatsausgaben wiederum scheint es zwei Maßbänder zu geben. Das für die Aufrüstung lässt sich großzügig ausziehen. Beim Sozialstaat klemmt es schon nach wenigen Zentimetern. Wer trotzdem noch Unterstützung benötigt, hat offenbar die falsche Ausstattung: Zwei Kinder gelten als Kostenfaktor. Mit zwei Panzerketten und einem Geschützrohr wäre die Finanzierung vermutlich leichter.

Dabei kennt Merz die Sorgen der Mitte. Er hat sich selbst einmal dem „gehobenen Mittelstand“ zugerechnet.

Gehoben ist ein schönes Wort. Es lässt nach oben reichlich Platz. Zur Hochzeit Christian Lindners auf Sylt reiste er 2022 im eigenen Flugzeug an. Andere Angehörige der Mitte stehen am Bahnsteig und hoffen, dass wenigstens die Durchsage ankommt. Bürgernähe aus dem Cockpit hat einen gewissen Nachteil: Die Menschen sehen von dort oben tatsächlich alle ziemlich klein aus.

Schwesig dagegen könnte ihrer eigenen Partei vorführen, dass man das Wort „sozial“ auch außerhalb des Parteinamens verwenden kann. Wer sich gegen Sozialkürzungen stellt, muss den Menschen ihre Alltagssorgen nicht erst ausreden, bevor er sie ernst nimmt.

Ihre frühere Russlandpolitik wird dadurch nicht ungeschehen. Einen Heiligenschein würde ich ihr schon deshalb nicht bestellen. Aber für eine vernünftige Entscheidung am Sonntag benötigt man keine Heiligenverehrung.

Und an der Küste gibt es etwas Handfesteres als Heiligenscheine: In Rostock-Warnemünde hat Neptun Smulders einen weiteren Auftrag für eine Konverterplattform erhalten. Solche Anlagen wandeln Windstrom für den Transport an Land um. Die Landesregierung unterstützt den Aufbau dieser Industrie. Arbeitsplätze und Energiewende passen offenbar zusammen. Man muss den Beschäftigten dafür nicht einmal vorher mangelnden Fleiß bescheinigen.

Elif Eralp wiederum hat in Berlin eine geradezu aufrührerische Idee: Menschen sollen nach der Mietzahlung noch Geld übrig haben. Die Linken-Spitzenkandidatin fordert unter anderem einen Mietendeckel bei landeseigenen Unternehmen und die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne. Sie weiß selbst, dass Letzteres Zeit braucht. 

Trotzdem dürfte in manchen Vorstandsetagen schon der Blutdruck steigen. Seit Jahren erklärt man den Mietern, der Markt verlange eben Opfer. Sobald die Rendite einen Beitrag leisten soll, wird aus demselben Markt ein empfindliches Wesen, das keinesfalls überfordert werden darf.

Die Pflegekraft soll mehr arbeiten. Das Immobilienvermögen darf sich weiterhin im Liegen vermehren.

Eralp stellt die unhöfliche Frage, ob eine Stadt eigentlich ihren Bewohnern dienen soll. Wer darin bereits den Untergang des Abendlandes erkennt, hat vermutlich ein recht einträgliches Abendland vermietet.

Natürlich: Gewählt ist noch niemand. Ein gutes Ergebnis ersetzt keine Regierungsmehrheit, und ein Wahlversprechen bezahlt noch keine Heizkostenrechnung. Auch Schwesig und Eralp müssten sich an dem messen lassen, was sie anschließend zustande bringen.

Aber vielleicht zeigen beide am Sonntag, dass demokratische Politik Zustimmung gewinnen kann, wenn sie sich um soziale Sicherheit kümmert. Wenn sie eine erschöpfte Bevölkerung nicht immerzu behandelt wie eine Belegschaft, der man als Nächstes die Pause streicht.

Dann könnten zwei Frauen einen Kanzler zum Zwerg machen, indem sie die Sorgen der Menschen endlich groß genug nehmen.

Den Zollstock können wir anschließend wieder weglegen.

Für Merz reicht dann vielleicht das Lineal.

Foto: Didi van Frits mit ChatGPT-6 Astra Max
Foto: Didi van Frits mit ChatGPT-6 Astra Max
Foto: Didi van Frits mit ChatGPT-6 Astra Max
Foto: Didi van Frits mit ChatGPT-6 Astra Max
Foto: Didi van Frits mit ChatGPT-6 Astra Max
Bürgerreporter:in:

Didi van Frits aus Hattingen

Webseite von Didi van Frits
Didi van Frits auf Facebook
Didi van Frits auf YouTube

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

28 folgen diesem Profil

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.