Dini Thomsen, in Erinnerung (11. Oktober 1943 - 28. Mai 2021)
- Dini Thomsen, am 4. Mai 2018 in ihrem Atelier in Huisberden, Kreis Kleve
- hochgeladen von Jan Kellendonk
Die Künstlerin Dini Thomsen sitzt vor einem ihrer Gemälde. Es ist fertig. Zwischen vielen mehrfarbigen Formen fällt ein weißes Rechteck mit einem Text auf. Es ist die erste Zeile des niederländischen Kindergartenliedes „In Holland staat een huis“.
Die Malerin hat die Vergangenheitsform gewählt: In Holland stand ein Haus. Im Lied selber wird das Haus allmählich, Strophe für Strophe, gefüllt, erst mit einem Herrn. Und dieser Herr wählt eine Frau, die wiederum ein Kind wählt, das einen Hund wählt und so weiter. Hier ist das Haus Vergangenheit, und, so geht der Text auf dem Gemälde weiter: „en daarin woonde zij“, „und sie wohnte darin“.
Beim weiteren Betrachten springt eine kindliche Zeichnung eines Hauses ins Auge. Durch den Text werden jetzt die vielen anderen Farbflecke auch als Häuser gedeutet. Ob die Künstlerin sich selber mit jener Frau meinte, habe ich sie damals nicht gefragt und kann sie heute auch nicht mehr fragen. Sie starb im Mai 2021, drei Jahre nachdem ich sie fotografierte. Viel Zeit für die Aufnahme gab sie mir damals nicht, sie war „nur“ für einen Katalog. Ihre Gedanken hatte sie schon bei anderen Arbeiten, die ihr wichtiger schienen.
Dini Thomsen hat das Thema Haus, oder Behausung oder gar das nicht mehr vorhanden sein eines Hauses oder Heimes oft gewählt.
Ich erinnere mich an die leeren schwarzen Hüttchen im Schnee, oder an eine Installation mit einer Wand woran Hausrat einer Familie hängt, die keinen Grund mehr unter den Füßen hat. Bei der Vorstellung dieser Arbeit spielte eine Geigerin, die buchstäblich schwebte.
Einmal sollte ich sie zusammen mit Teilen eines Holzhauses fotografieren. Ein Haus und doch kein Haus. Ein Haus das abgebaut wurde, oder ein Haus das gebaut werden sollte.
Vielleicht stehen die „Häuser“ für die vielen Brüche im Leben eines Menschen.
Nur eine Weile wohnst du da / dann heißt es: gehe fort!
Bei Wiederkehr, wo war das Haus? / du glaubst nur es sei dort
Der Fluss fließt noch im gleichen Bett / der Himmel auch ist gleich
Doch was du siehst gefällt dir nicht / vertraut nicht mehr der Ort
Bürgerreporter:in:Jan Kellendonk aus Bedburg-Hau |
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