Polen: Felix Silesia oder:
Wie man den Tourismus mit der Eisenbahn ankurbelt
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Polen: Felix Silesia oder: Wie man den Tourismus mit der Eisenbahn ankurbelt
(Stand: 24.08.2026)
883. Newsletter Südharzstrecke
Hallo liebe Eisenbahn-, ÖPNV- und SPNV-Interessierte!
Ja, es ist schon richtig, ich habe seit vielen Jahren eine Schwäche für unser östliches Nachbarland und da vor allem für Niederschlesien entwickelt, die mir auch die Herren Kaczynski, Duda und Nawrocki nicht austreiben konnten. Ich finde es eben einfach toll, wie sich Polen entwickelt hat, und man konnte dabei praktisch zusehen. Es wird gewiss nicht alles Gold sein, was da inzwischen glänzt, das Hirschberger Tal, auch Tal der Schlösser und Gärten genannt, wird bis auf eben jene Gärten ganz offenbar zugebaut, in Hirschberg entsteht ein Einkaufstempel nach dem anderen an der Peripherie, während die äußerst sehenswerte Innenstadt praktisch nur noch vom Tourismus lebt.
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Engagement zahlt sich aus. In den ersten Jahren der Aufenthalte in Jelenia Gora tropfte es durch marode Bahnsteigdächer, und bei den wenigen verkehrenden alten PKP-Zügen verloren sich die Fahrgäste. Im Sommer 2026 sieht das ganz anders aus. Im Takt verkehrende KD-Züge können die Kundschaft kaum noch fassen. Wie man sieht, sind darunter jede Menge Touristen.
Ich bleibe man bei den früheren deutschen Namen, schließlich nennt die polnische Brauerei ihre neuen Biersorten ja auch „Hirschberger“ (schmeckt übrigens gut).
Was sich in der Wojewodschaft Niederschlesien in Sachen Eisenbahn getan hat, gerade tut und noch tun wird, verdient Beachtung – gerade auch deswegen, weil jede Menge dieser (von der EU geförderten, das muss man dazu sagen – aber das Geld geht ja genau dahin, wo es hingehört) Investitionen speziell unter dem Aspekt des Tourismus vorgenommen wurden und werden. Die Wojewodschaft ist sich der Bedeutung der Eisenbahn für das Wachstum des Tourismus sehr wohl bewusst und setzt genau auf diese Karte – ein wohltuender Unterschied zu den drei Harz-Bundesländern.
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Der jahrzehntelang ungenutzte Bahnhof von Krummhübel (Karpacz) wurde im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau der Strecke Hirschberg – Zillerthal-Erdmannsdorf (Myslakowice) – Krummhübel vorbildlich restauriert und weist heute wieder massenhaft Fahrgäste auf. Die KD war selbst vom überwältigenden Erfolg der Wiederinbetriebnahme überrascht. Fast stündlich kommen die Züge nun wieder von Hirschberg herauf. Zu jedem Zug verkehrt ein Bus bis hinan nach Kirche Wang und Brückenberg oder bringt die Fahrgäste zum Zug hinunter. Die Busverbindung zwischen beiden Orten verkehrt zusätzlich fast alle 30 Minuten und hat auch ihr Publikum.
Die Strecke von Hirschberg nach Krummhübel hat jede Menge zusätzliches Publikum in den Ort unterhalb der Schneekoppe gespült – oder eben auch viel Publikum von der Straße zurück auf die Schiene geholt. Natürlich profitieren auch die Zwischenstationen Lomnitz, Erdmannsdorf und Arnsdorf, alle drei übrigens mit Schlössern ausgestattet. Ein anderes Beispiel ist die wieder betriebene Strecke nach Bad Flinsberg zu Füßen des Isergebirges. Auch hier können die einteiligen Dieseltriebwagen mitunter den Andrang kaum bewältigen.
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Gryfow (Greiffenberg) ist der Abzweigbahnhof der Strecke nach Bad Flinsberg von der „Schlesischen Gebirgsbahn“ Görlitz – Hirschberg. Bis auf wenige Ausnahmen in Tagesrandlangen sind hier KD-Einteiler unterwegs, die allerdings manchmal des Andrangs kaum noch Herr werden. Die Station, noch vor wenigen Jahren völlig desolat, sieht heute alle 2 Stunden das Zusammentreffen dreier Züge und zwischendrin auch noch welche.
Auch die wieder in Betrieb gegangene Strecke Schweidnitz (Swidnica) – Bad Charlottenbrunn (Jedlina-Zdroj) durch das Tal der Weistritz hat ganz eindeutig touristischen Bezug, und auch Bad Charlottenbrunn (mit neuer Haltestelle im Zentrum) profitiert davon.
Wer nun denkt, jetzt wäre es mal gut mit den Reaktivierungen, der sieht sich auf das Angenehmste enttäuscht. Zaubern können sie in Niederschlesien zwar auch nicht, aber die Wojewodschaft hat etliche Streckentorsos von den PKP übernommen und bringt sie nun Zug um Zug wieder in Gang. Einer der nächsten Kandidaten ist die in Zillerthal-Erdmannsdorf abzweigende Strecke über Schmiedeberg (Kowary) und unter dem Landeshuter Kamm hindurch hinunter nach Landeshut (Kamienna Gora), obschon es sich hier aus mir nicht näher bekannten Gründen etwas hinzieht. Es werden doch wohl nicht die Fledermäuse im Tunnel unter dem Kamm sein?
Die Wojewodschaft hat noch weitere Pläne – und da fallen neben den Strecken in der Agglomeration Breslau und rund um die Großstadt Liegnitz genau solche mit touristischem Bezug auf:
Liegnitz – Goldberg (Zlotoryja) – Löwenberg (Lwowek) – Hirschberg in den Tälern der Katzbach und des Bober und entlang der Bober-Talsperre, von dieser in Hermsdorf-Bad abzweigend die „Katzbachtalbahn“ nach Schönau (Swierzawa) – Kauffung (Wojcieszow) – von dort bis Merzdorf (Marciszow) liegt das Gleis noch, und Striegau (Strzegom) – Bolkenhain (Bolkow) – Merzdorf
sind weitere Kandidaten. Aktuell gesperrt ist die Strecke von Fellhammer über Friedland (Mieroszow) ins böhmische Halbstadt (Mezimesti), aber das wohl vor allem wegen der laufenden Sanierung eines Tunnels.
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„Hier, mein Junge, fahren bald wieder Züge“. Ein Opa aus Schmiedeberg besichtigt mit seinem Enkel das bereits wieder bis vor den Bahnhof Schmiedeberg liegende Gleis. Das Bahngelände selbst ist noch eine Graswüste (mit dekorativ darin stehenden alten Reichsbahn-Semaphoren), aber das Empfangsgebäude ist schon reaktiviert und hat – na, was wohl? Genau! – die Tourist-Information der Stadt aufgenommen.
Während die Bobertalbahn schon lange im Gespräch und einzige Strecke ist, die ich noch vor ihrer Stilllegung befahren konnte, wenn auch zuletzt mit 20 km/h, sind die beiden anderen Strecken schon eine kleine Sensation. Das Bober-Katzbach-Gebirge ist sehr schön, touristisch gesehen aber trotz einiger Highlights wie der romanischen Kirche von Schönau und den beiden Burgen Schweinhaus und Bolkoburg noch entwicklungsfähig. Genau hier setzt man an: Die Züge sollen auch Radfahrer mitnehmen und den Radfahrtourismus auch hier ankurbeln helfen. Busse können das nun mal nicht, und diese Form des Tourismus brummt in Polen enorm.
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Die Bahnbrücke über die Katzbach in Schönau, gleich neben der wunderbaren romanischen Kirche. Als wir dorthin kamen, war zu unserem Erstaunen der Bahndamm freigeschnitten. Man wird doch wohl nicht…. Doch, man wird. Auch hier sollen wieder Personenzüge rollen.
Ein anderer touristischer Schwerpunkt weiter östlich erhält auch seinen Bahnanschluss zurück: Die alte Festungsstadt Silberberg (Srebrna Gora) wird von Reichenbach (Dzierzoniow) über Langenbielau (Bielawa) angebunden, bis zum Haltepunkt „Bielawa Gory Sowie“ rollt es schon jetzt wieder.
Der Wiederaufbau der Katzbachtalbahn wäre im Harz allenfalls mit dem Wiederaufbau der Innerstetalbahn vergleichbar. Allerdings hat es die Wojewodschaft etwas einfacher, denn hier ist vermutlich nichts entwidmet und nichts überbaut worden. Aber allein schon die Tatsache, dass man es in Niederschlesien anpackt, während hierzulande nur rein betriebswirtschaftlich gedacht und infolgedessen müde abgewunken wird, spricht Bände. Die Niederschlesier haben sich den Blick fürs Ganze bewahrt und schauen auf den volkswirtschaftlichen Effekt, den solche Reaktivierungen zweifellos haben, auch wenn man für den eigentlichen Betrieb vermutlich draufzahlen wird. Aber die Bahn spült eben Menschen und Geld in die etwas abgelegene Region. Ganz nebenbei wird sie natürlich auch besser an die Großstadt Liegnitz und an das Zentrum Hirschberg angebunden. Und das ist der Wojewodschaft, die ausdrücklich auch auf den Verlagerungseffekt von der Straße verweist, ganz offensichtlich viel Geld wert.
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Zum guten Schluss: Die Wojewodschaft bzw. ihre Bahngesellschaft KD gibt gemeinsam mit „POLREGIO“ (trotz ähnlichen Namens nicht vergleichbar mit DB Regio, da im Eigentum eines Investmentfonds stehende ausgegliederte Tochter der PKP) immer noch ein kleines Fahrplanheft heraus, welches man zum stolzen Preis von einem Zloty (= 0,25 Cent) an jedem Schalter erwerben kann. Das Heft erscheint zu jeder Fahrplanperiode (es gibt deren vier bis fünf) neu.
Der schicke Fünfteiler (sehen Sie irgendwo eine Schmiererei auf dem Zug? Ich nicht) schickt sich an, über die „Zackenbahn“ hinauf nach Szklarska Poreba Gorna zu klettern. Dort hat er Anschluss an einen Zug der CD über den Neuweltpass (Polana Jakuszycka) nach Harrachov, Tanvald und Liberec. Für die Gebirgsfans unter uns: Von links nach rechts erblickt man die Große Sturmhaube, das Hohe Rad (zweithöchster Gipfel des Riesengebirges nach der Schneekoppe), die beiden Schneegruben mit der nur noch für Fernmeldezwecke genutzten Schneegrubenbaude und die Veilchenspitze, also fast alle Gipfel westlich vom Spindlerpaß. Es fehlt ganz rechts der Reifträger. Alle liegen so bei 1.300 bis 1.400 Metern.
Michael Reinboth
Vorschau:
… und so geht es in den nächsten Tagen aus unserer Region weiter …
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Viele Grüße
Burkhard Breme
Initiative "Höchste Eisenbahn für den Südharz"
37431 Bad Lauterberg
E-Mail: burkhard.breme@suedharzstrecke.de
Internet: http://www.suedharzstrecke.de
Bürgerreporter:in:Bernd Jackisch aus Bad Lauterberg im Harz |
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