Spukies - Grundlagen 1
Der Weg zum/zur Spukie
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Von Menschen, Mythen und der großen Frage: Wo kommen Geister eigentlich her?
Wir wissen zwar, wenn die Sonne hinter den Ammergauer Alpen versinkt, das Klackern der Drehkreuze verstummt und die letzten Busse die steile Straße hinabrollen, wird es ruhig um das berühmte Bauwerk. Oder besser gesagt: Es wird menschenleer. Denn genau in diesem Moment erwachen die wahren Bewohner von Schloss Neuschwanstein. Die kennen wir ja schon.
Oben auf den Zinnen, tief unten im kühlen Fels und in den prachtvollen Sälen beginnt das nächtliche Wuseln der Spukies. Doch wie kommen sie eigentlich dorthin? Wo entstehen sie, wer lehrt sie das Spuken, und tragen manche von ihnen Filzpantoffeln?
Diese Fragen beschäftigt nicht nur mich und neugierige Kinder und Silke R. – sie ist auch der Lieblingsstoff von Professor Barnabas von Polterstein, dem wohl gelehrtesten Ober-Geisterlehrer weit und breit.
In einer nebligen Mondnacht sitzt der alte Professor mit seinem weisen Zylinder, der goldenen Brille auf der Nase und einer mächtigen Pergamentrolle im Dachgestühl des geheimen Geisterbüros. Vor ihm hockt auf einem alten Buchenbalken Chrismo – ein junger, quirliger Spukie mit riesigen Neugieraugen, der seine Beine baumeln lässt.
„Aber Herr Professor!“, flüstert Chrismo ganz aufgeregt und rutscht auf dem Holzbalken hin und her. „Ich bin doch nicht einfach aus dem Nichts aufgetaucht! Irgendwo muss ich doch herkommen. Wurde ich gebacken? Oder gepustet?“
Professor Barnabas schmunzelt tief in seinen Nebelbart hinein. „Mein lieber Chrismo, Geister werden weder gebacken noch gestrickt. Wir entstehen aus etwas viel Wunderbarerem: aus Gefühlen, Wünschen und der Magie besonderer Orte.“
Der Professor tippt mit seinem hölzernen Zeigestock auf eine große Karte von Neuschwanstein und erklärt:
Der erste Weg:
Die Geburtsstunde eines Spukies: Wenn ein Ort voller Fantasie, Musik oder staunender Menschengedanken ist – so wie zum Beispiel in Neuschwanstein –, saugen die alten Schlosssteine diese Energie auf. Verweilen diese Wünsche lange genug im Gemäuer, verdichten sie sich in sternenklaren Nächten. Es macht leise Puff, ein glitzernder Funke steigt auf, und schwupps – ist ein neuer Spukie geboren!
Alternativ ist dieser zweite Weg beliebt und notwendig.
Als Nebelschleier: Wenn zwei Spukies sich besonders gern haben. Dann flechten sie ihre Nebelschleier bei Mondschein zusammen und tauschen Spuk-Versprechen aus. Aus ihrer gemeinsamen Freude wächst im Laufe der Zeit ein kleiner Nebelknirps oder eine Knirpsin heran. Das ist wichtig damit auch Spukie-Nachwuchs für Burgen und andere Orte entstehen, die nicht über den ersten Weg zu Spukies kommen.
Wenn Steine schmollen und Schlappen rutschen
„Und warum sind wir genau hier gelandet?“, fragt Chrismo und schaut auf seine Füße, an denen ein Paar viel zu große, graue Filzschlappen baumeln.
„Weil Schloss Neuschwanstein ein Meisterstück der Geisterwelt ist!“, antwortet Professor Barnabas stolz. „Schau dir das Schloss doch an: Wenn tagsüber die Touristenströme vorbei sind, fangen die Steine draußen manchmal an zu schmollen, weil sie müde vom Tragen der Türme sind. Dann ist es unsere Aufgabe, sie mit sanftem Nebelstaub zu trösten und anzupusten.“ Die Hausgeister hier machen das schon sehr gut und Du lernst davon.
Chrismo erinnert sich sofort an seine allererste Aufgabe: Mit seinen Filzschlappen musste er geräuschlos über das kostbare Parkett im Sängersaal glitschen, um es für die Nacht glatt und sauber zu halten – ganz ohne Schrammen! Denn die Arbeitsteilung unter den Schlossgeistern ist streng geregelt:
Es gibt die Arbeiter-Spukies, die Schlappen-Polierer und Stein-Tröster, die mit viel Fleiß dafür sorgen, dass das Schloss in Schuss bleibt.
Und es gibt die wissenschaftlich geadelten Geister wie Professor Barnabas, die das alte Wissen bewahren, die Geschichtsbücher hüten und dafür sorgen, dass der Zauber von Ludwig II. nie verfliegt.
In dieser Nacht ist Chrismo besonders aufgeregt. Er packt sein kleines Geisterbündel: ein Stück feuchten Pöllatschlucht-Nebel für unterwegs, eine Dose Polierwachs für die Rüstungen und sein Übungsbuch für geräuschloses Wändedurchqueren.
„Professor Barnabas, bin ich jetzt bereit für die Akademie?“, fragt Chrismo mit leuchtenden Augen.
„Das bist du, kleiner Chrismo“, nickt der Professor wohlwollend. „Denn wer versteht, wie Steine fühlen, wie Schlappen gleiten und wie unser Geisterleben entsteht, der ist bereit für das große Abenteuer der Spuk-Ausbildung!“
Wir fragen uns jetzt natürlich wie sieht der Stundenplan auf der Geister-Akademie aus? Welche Fächer muss Chrismo belegen und wie liest man die Geister-Zeitung „Der Mitternachts-Anzeiger“? Das erfahrt ihr und Silke im nächsten Teil dieser Reihe auf myheimat.de!
Bürgerreporter:in:Wolfgang Weiss aus Untermeitingen |
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