Wenn Mauern erzählen könnten …
Rapunzel, der Schwedenkönig und ein rätselhafter Gefangener
- Das Plakat zur Veranstaltung am 21.07.2026
- Foto: HVV Obernburg
- hochgeladen von Andrea Faggiano
„Alle, die mich kennen, gebe Gott ihnen, was sie mir gönnen.“
Nanu – was ist denn das für ein Satz? Stammt er von Goethe? Von Friedrich Schiller? Oder vielleicht von Heinrich Heine?
Die Antwort ist überraschend nah: Diese Worte finden sich als eingeritzte Inschrift im Obernburger Täschenturm. Geschrieben wurden sie vermutlich von einem Gefangenen. Vielleicht im Jahr 1504. Vielleicht aber auch erst nach dem Dreißigjährigen Krieg. Ganz genau weiß das heute niemand mehr – und genau das macht ihren Reiz aus.
Ebenso rätselhaft ist der Name des Turms. Die Obernburger Heimatforscher diskutieren bis heute über seinen Ursprung. Liegt er an seiner Bauweise, weil der Turm taschenartig aus der Stadtmauer hervortritt? Oder geht der Name auf das mittelalterliche Wort „Tasche“, „Täsche“ oder „Tesche“ zurück, das einst auch als wenig schmeichelhafte Bezeichnung für geschwätzige oder anstößige Weibspersonen verwendet wurde? Wurde der Turm vielleicht deshalb so genannt, weil dort häufiger solche „Täschen“ eingesperrt wurden?
Diese Erklärung klingt durchaus plausibel und erinnert an die Entstehung anderer Turmnamen, etwa des Hexenturms. Doch nicht nur Frauen saßen hier hinter Schloss und Riegel. Die tief in den Fensterstein geritzten Buchstaben zeugen davon, dass auch Männer hier ihre Zeit in Gefangenschaft verbrachten und ihr Schicksal beklagten.
Auch der Dreißigjährige Krieg hinterließ in Obernburg seine Spuren. Die Schrecken jener Zeit waren in der Stadt allgegenwärtig. Sogar der schwedische König Gustav II. Adolf soll während seines Feldzuges im Gasthof „Zur Krone“ – dem heutigen Bistro Stoppschild – übernachtet haben. Dass Obernburg dennoch von Brandschatzung und Zerstörung verschont blieb, verdankt die Stadt der Überlieferung nach einem mutigen Bürger: Karch. Mit Witz, Geistesgegenwart und einer gehörigen Portion Chuzpe soll er das scheinbar Unmögliche geschafft und die schwedischen Truppen zum Abzug bewegt haben.
Wie ihm das gelang? Und welche Geschichten die alten Mauern sonst noch zu erzählen haben?
Das erfahren Sie bei der theatralisch begleiteten Stadtführung „Hört, was die Mauern erzählen …“ am Freitag, 21. August 2026, um 17.00 Uhr.
Treffpunkt ist das Obere Tor, vor dem Buchkabinett.
Freuen Sie sich auf Rapunzel im Runden Turm, auf Johannes Obernburger, der Ihnen sogar auf Französisch einiges zu berichten weiß, und auf viele weitere spannende, humorvolle und überraschende Episoden aus der Geschichte Obernburgs.
Mon Dieu – worauf warten Sie noch?
Tickets erhalten Sie über www.eventfrog.de, Reservierungen sind außerdem per E-Mail an obernburgertheaterverein@yahoo.com möglich.
Die Führung dauert etwa 90 Minuten und beinhaltet Besichtigungen sowie Besteigungen der historischen Türme. Führungsgebühr: 8 Euro.
Auf Ihren Besuch freuen sich der Theaterverein Die Granatsplitter e. V. und der Heimat- und Verkehrsverein Obernburg.
Bürgerreporter:in:Andrea Faggiano aus Obernburg am Main |
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