Freistaat verschiebt Zeitplan
Neue Chance für den Klinikpark?

Frühmorgens um 6:00 Uhr im Klinikpark zur Abkühlung am 27.6.2026. Hitzewelle im Juni 2026 mit Spitzentemperaturen jenseits der 40 °C in Bayern. | Foto: Foto: Dr. Dietmar Kuhlmann, Neusäß, 06/2026
  • Frühmorgens um 6:00 Uhr im Klinikpark zur Abkühlung am 27.6.2026. Hitzewelle im Juni 2026 mit Spitzentemperaturen jenseits der 40 °C in Bayern.
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Über 40 °C in Bayern, der Freistaat kippt sein Klimaziel für das Jahr 2040 – und gibt gleichzeitig fünf Milliarden Euro für einen Uniklinik-Neubau frei, der nach wie vor die Bebauung des Klinikparks und die Rodung von mehr als 1.300 Bäumen vorsieht. Mit der Mittelfreigabe veröffentlicht die Staatsregierung zugleich einen neuen Zeitplan: Die Fertigstellung wird nun erst zwischen 2040 und 2043 erwartet. Damit verliert nach Auffassung des BUND Naturschutz das bisherige Hauptargument für die Bebauung des Klinikparks – der Zeitvorteil der Westlösung – seine Grundlage.

Zeitvorteil verliert seine Grundlage

Nun haben wir es seit letzter Woche schriftlich von der Bayerischen Staatsregierung. Bei den öffentlichen Informationsveranstaltungen im vergangenen Jahr wurde den Bürgerinnen und Bürgern wiederholt eine Fertigstellung der neuen Uniklinik für das Jahr 2038 in Aussicht gestellt. Schon kurz nach Beginn des Bebauungsplanverfahrens in diesem Frühjahr zeigt sich jedoch, dass sich diese Zeitplanung deutlich nach hinten verschoben hat.

Die Bayerische Staatsregierung rechnet inzwischen mit einer Fertigstellung zwischen 2040 und 2043 (➜ Augsburger Allgemeine vom 24.6.2026). Mit der neuen Terminplanung verliert das bisherige Hauptargument für die Bebauung des Klinikparks im Westen seine Grundlage. Immer wieder wurde darauf verwiesen, dass nur die Westlösung einen möglichst schnellen Ersatz des bestehenden Klinikgebäudes ermögliche.

Gerade bei Großprojekten sind Terminprognosen mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Das zeigt sich auch in Augsburg. So sollte der Anbau West der Uniklinik nach den ursprünglichen Planungen bereits 2018 in Betrieb gehen. Tatsächlich wurde er erst acht Jahre später, im Frühjahr 2026, eingeweiht. Gleichzeitig stiegen die Baukosten von ursprünglich rund 106 auf rund 190 Millionen Euro. Auch die Mobilitätsdrehscheibe und die Theatersanierung verdeutlichen, dass sich Bauvorhaben dieser Größenordnung regelmäßig um Jahre verzögern können.

Mehr Zeit eröffnet neue Chancen für den Klinikpark

Der BUND Naturschutz hat das Zeitargument deshalb von Anfang an kritisch bewertet. Verantwortungsvolle Planung bedeutet, den bestehenden Klinikbetrieb unabhängig vom gewählten Standort so abzusichern, dass die medizinische Versorgung auch bei Verzögerungen des Neubaus jederzeit gewährleistet bleibt. Sollte sich der Neubau weiter verzögern, muss das bestehende Klinikgebäude entsprechend länger betrieben werden können.

Ein Neubau im Baufeld „Ost“, wie ihn unter anderem die Stadt Neusäß (➜ Augsburger Allgemeine vom 4.5.2026), der Landkreis Augsburg und der BUND Naturschutz fordern (➜ BN Stellungnahme der Kreisgruppe Augsburg, 28.4.2026), erfordert zwar eine aufwändigere Bauvorbereitung, dafür bleibt jedoch der ökologisch wertvolle Klinikpark erhalten. Zudem würde sich auch der Neubau städtebaulich deutlich besser in den bestehenden Klinik­standort einfügen, da überwiegend bereits bebaute oder anderweitig genutzte Flächen in Anspruch genommen werden. Zur Bauvorbereitung müssen bestehende Nutzungen verlagert, Gebäude zurückgebaut sowie Leitungen und technische Infrastruktur angepasst werden. Diese Arbeiten können jedoch frühzeitig beginnen. Angesichts der inzwischen deutlich längeren Projektlaufzeit fällt dieser zusätzliche Vorbereitungsaufwand im Gesamtzeitplan deutlich weniger ins Gewicht.

Mit der neuen Zeitplanung entfällt zugleich das zentrale Argument, den ökologisch wertvollen Klinikpark aus Zeitgründen zu bebauen. Angesichts der zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels darf ein fragwürdiger und unsicherer Zeitvorteil bei einer Standortentscheidung mit weitreichenden Folgen für Natur, Klima und die Lebensqualität der Menschen nicht den Ausschlag geben.

Warum schon jetzt ein Architektenwettbewerb?

Umso unverständlicher ist es, dass bereits jetzt ein Architektenwettbewerb ausschließlich für das Baufeld „West“ vorbereitet wird. Gerade die Standortentscheidung ist Gegenstand des laufenden Bebauungsplanverfahrens. Sind die Verantwortlichen sich tatsächlich sicher, dass die Bedenken und Anregungen aus der Bürgerbeteiligung sowie die Stellungnahmen der Fachbehörden, Nachbarkommunen und Naturschutzverbände daran nichts mehr ändern können?

Ein Architektenwettbewerb dieser Größenordnung bindet erhebliche finanzielle und personelle Ressourcen. Sollte sich im weiteren Verfahren herausstellen, dass die Westlösung fachlich oder rechtlich nicht tragfähig ist, wären große Teile dieser Planungen vergeblich. Das würde nicht nur erhebliche Mehrkosten verursachen, sondern auch den Zeitplan des Gesamtprojekts bedeutend weiter verzögern.

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für den Umstieg

Wir appellieren deshalb eindringlich an die Verantwortlichen im Freistaat Bayern, an die Abgeordneten des Bayerischen Landtags sowie an die Planenden der Stadt Augsburg: Zeigen Sie Mut und überdenken Sie die bisherige Festlegung auf die Westlösung. Wagen Sie den Umstieg auf die realistische und deutlich konfliktärmere Standortalternative im Baufeld „Ost“.

Retten Sie damit den Klinikpark – einen einzigartigen Natur- und Erholungsraum für Patientinnen und Patienten der Uniklinik und des Bezirkskrankenhauses, für Studierende, Beschäftigte und die Menschen der angrenzenden Stadtteile. Bewahren Sie seinen alten Baumbestand, seine wichtige Funktion für das Stadtklima und seine vielfältige, zum Teil geschützte Tier- und Pflanzenwelt.

Zum 50-jährigen Bestehen des Klinikparks im kommenden Jahr wäre es ein starkes Zeichen, diesem für Mensch, Natur und Stadtklima gleichermaßen wertvollen Ort eine Zukunft zu geben.

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Themenseite:
➜ augsburg.bund-naturschutz.de/uka

Für BUND Naturschutz e.V., Kreisgruppe Augsburg
Dr. Dietmar Kuhlmann, Mitglied des Vorstands

Für BUND Naturschutz e.V., Ortsgruppe Stadtbergen
Dr. Ludwig Fink, Vorsitzender

Für BUND Naturschutz e.V., Ortsgruppe Neusäß/Aystetten
Hannes Grönninger, Vorsitzender

Bürgerreporter:in:

Dietmar Kuhlmann aus Neusäß

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