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Zivilcourage wird gefordert: weshalb aber nicht gefördert, sondern sogar boykottiert?

Rednerpult mit Plakat Aufrechter Gang 2018 (Foto: © Bild: Oliver Stey CC)
 
Begrüßung durch HU Vorstandsmitglied Wolfgang Stöger (Foto: © Bild: Oliver Stey CC)
 
Laudatio durch Autor Dr. Tilman Spengler (Foto: © Bild: Oliver Stey CC)
 
Preisträger-Ehepaar Judith und Dr. Reiner Bernstein (Foto: © Bild: Oliver Stey CC)
München: Kino am Sendlinger Tor |

Mit bedenklich Parallelen verliefen in Frankfurt am Main und München zwei Veranstaltungen zu denen sich die Stadtverwaltungen mit höchst fragwürdigen Positionierungen entgegen der sonst nur allzu gern propagierten Weltoffenheit von einer ganz anderen und brandgefährlich negativen Seite zeigten.

Am 20. Januar 2018 war in Kelsterbach das Symposium Öffnung der Ehe – Folgen für Alle sowohl nur unter massivem Polizeischutz durchführbar, als konkret auch die Frankfurter Bildungsdezernentin, Sylvia Weber, auf einer öffentlichen Webseite der Stadt Werbung für eine Gegenveranstaltung machte und zudem behauptete, dass es eine “diskriminierende Veranstaltung sei, die sich gegen die Grundwerte des gesellschaftlichen Miteinanders richtet“.
Für die Preisverleihung Aufrechter Gang am 28. Januar 2018 waren der Humanistischen Union München-Südbayern städtische Veranstaltungsorte versagt geblieben, da die unsägliche Verbotspraxis der Verlegung von Stolpersteinen auf öffentlichem Grund ja nicht konterkariert werden durfte.
In beiden Städten erfuhren die Veranstaltungsorte massiven Duck bzgl. ihrer Vertragstreue.

Wo sind wir in Deutschland 2018 nur angekommen, ist die brennende Frage.
Dass trotz unserer Vergangenheit und besonderen Verantwortung – keine Schuld der heutigen Generationen, aber die verdammte Pflicht und Schuldigkeit nicht zu vergessen! – wieder Nazis als Partei und nicht versprengte Einzelpersonen im Parlament Einzug gehalten haben, fordert eine hohe Wachsamkeit: liegt jedoch auf einer Linie mit vielen anderen Ländern, also einem
gegenwärtigen Trend.

Selbstverständlich sind wir Alle gefordert, Alles daran zu setzen, diesen Spuk nicht weiter ausufern zu lassen und weit schneller und konsequenter zu beenden, als dies andernorts geschieht.

Dass jedoch öffentliche Stellen ihre Positionen und Kompetenzen missbrauchen, sowie den Land auf Land ab immer wieder vollmundigst zu hörenden Ruf nach Zivilcourage nicht fördern, sondern boykottieren ist mehr, als nur ein Skandal.
Verlieren wir so die rechtsstaatlichen Grundsätze, ist dem auch auf allen anderen Ebenen Tür und Tor geöffnet, die Folgeschäden ebenso unausdenkbar wie dann irreparabel!

Was im US-Filmdrama Der Club der toten Dichter einem Millionenpublikum bekannt wurde, beschwor Prof. Dr. Jörg Benedict, Inhaber des Lehrstuhles für Privatrecht, Rechtsgeschichte und Rechtsphilosophie der Universität Rostock, beeindruckend als Eröffnungsredner in Kelsterbach.
Wie es Regisseurs Peter Weir in seinem Meisterwerk aus dem Jahr 1989 – dessen Drehbuch von Tom Schulman verwendete Nancy H. Kleinbaum als Grundlage für den im gleichen Jahr erschienenen Roman zum Film – am Englischlehrer John Keating demonstriert, der mit unkonventionellen Methoden seine Schüler zu selbständigem Handeln und freiem Denken auffordert, wobei ihm die Förderung deren Individualität sehr wichtig ist und er sie immer wieder ermutigt, sich mehr zuzutrauen und ihre Möglichkeiten auszuloten, so forderte er ein Aufstehen aller Aufrechten gegen die gegenwärtigen Unmöglichkeiten ein.

Mehrere Hundertschaften Polizei hatten den Tagungsort abgeriegelt, als würde ein Staatsstreich ausgeheckt werden.
Tatenlos allerdings standen Sie dem Spießrutenlaufen gegenüber, welches die TeilnehmerInnen durch ein Stakkato unterirdischter Beleidigungstriaden absolvieren mussten und gaben denkwürdigen Beweis, dass und wie der Staat kapituliert hat.

Mit dem klaren Bekenntnis: “Wir haben keinen Hass gegen homosexuell empfindende Menschen." eröffnete Hedwig von Beverfoerde die Tagung mit weit über 500 Teilnehmerinnen und schilderte die skandalösen, wie Geschäft und Ruf schädigenden Hetz-Attacken, speziell in Facebook, gegen die Hausherren des Congeresium, nachdem bekannt geworden war, dass Sie vermietet hatten.
Die Polizei hatte daraufhin bereits ab dem Vorabend Maßnahmen zur Sicherung des Gebäudes ergriffen.

In Frankfurt, der sich nur zu gerne als weltoffen sehenden Stadt, wurden die Thesen von Jürgen Habermas mit Füssen getreten, doch die Agitatoren gegen Recht und Gesetz sind ja an Vielem interessiert nur nicht Fakten und Wahrheit. Die verkifft/versifft vor dem Tagungsort aufmarschierte Antifa erweckte nur den desolaten Eindruck den letzten Joint noch nicht verdaut zu haben, gar nicht zu wissen, um was es geht, denn ein Transparent “Analverkehr statt Kapitalverkehr“ kann eigentlich nur ein Überbleibsel vom G20 Gipfel gewesen sein, und auch für dort keine besonders hohen Anspruch der Sinnhaftigkeit erheben, oder verlor sich in blankwütigen Hass.
Eine Sitzblockade einer Hauptverkehrs- und Zufahrtstraße nur hinzunehmen und über Lautsprecher deren Aufgabe zu erbitten, zeigt die völlig Verkehrung der Verhältnisse, während den Teilnehmern, ja selbst den Medien die Zufahrt verwehrt war.

Derartige Randale blieb in München zwar erspart, dafür waren die Anfeindungen noch bedenklich subtiler, da die Verantwortlichen der Weltstadt mit Herz – von ihrer fragwürdigen Haltung blockiert – nicht nur vor der LH München & Co. einknickten, sondern auch über eine völlig falsch angelegten Political Correctness gegenüber der Israelitischen Kultusgemeinde.
Selbst die hochverdiente Charlotte Knobloch versteigt sich hier mit Ihren Forderungen massivst!
Einfach mal hinter die Ohren geschrieben: Kritik an einer zumindest in Frage zu stellenden Politik Israels ist nicht gleichbedeutend mit Antisemitismus. Wer es sich so einfach macht hat an wirklichen Lösungen offensichtlich gar kein Interesse.

Ein nahezu voll besetztes Kino am Sendlinger Tor, das mit seiner traditionellen Atmosphäre einen würdigen Rahmen bot, und dessen Betreibern für Ihre Sandhaftigkeit der gleiche Respekt zu zollen ist, als die Woche zuvor in Kelsterbach, wo es sich übrigens um eine türkische (!) Familie handelte, war für Sonntagvormittag, 11.00 Uhr die beste Referenz an die Preisträger Judith und Dr. Reiner Bernstein.

Viele bekannte Gesichter zollten ihren Respekt für deren nachdrücklichen Einsatz zur Verlegung von Stolpersteinen in München, sowie unermüdlichen Beitrag zur Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern, die nach den einführenden Worten von HU-Vorstandsmitglied Wolfgang Stöger in einer launigen Laudatio von Autor Dr. Tilman Spengler gewürdigt wurde. Preisträger-Enkelin Talya umrahmte zudem mit einfühlsamen und gekonnten Spiel am Keyboard.

Judith Bernstein kam in Jerusalem als Tochter deutscher Juden, die nach Palästina auswandern mussten, zur Welt. Dr. Reiner Bernstein ist Historiker und hat sich als Publizist in vielen Schriften mit der Situation im Nahen Osten auseinandergesetzt.
Im Vorstand der Initiative Stolpersteine für München haben beide jahrelang gemeinsam für die Verlegung der Stolpersteine auf öffentlichem Grund gekämpft. Immer wieder wurde dies vom Münchner Stadtrat behindert und die Verlegung auf öffentlichem Grund verboten, obwohl bereits in fast 1.200 deutschen Städten/Kommunen so ein Gedenken an die Opfer der Nazidiktatur erfolgt.
In zahlreichen Veranstaltungen zur friedlichen Regelung des Nahostkonflikts haben sich die Eheleute Bernstein engagiert. Sie treten über vielschichtige Kontakte zu israelischen und palästinensischen Friedensgruppen für die politische Koexistenz beider Völker ein. Auch in der Jüdisch-Palästinensischen Dialoggruppe sollen Brücken des Verständnisses und der Zusammenarbeit gebaut werden.
Prägender Leitsatz dazu: Kein Frieden für Israel ohne Frieden für Palästina und kein Frieden für Palästina ohne Frieden für Israel!

Weil im Münchner Rathaus CSU und SPD die Kritik an der Siedlungspolitik der israelischen Regierung mit Antisemitismus gleichsetzen, sollen keine kommunalen Räume für ihre Veranstaltungen zur Verfügung gestellt werden.
Dieser absurde Vorwurf holte jetzt auch die Humanistische Union – Mitbegründer immerhin der legendäre Staatsanwalt Fritz Bauer ein: auch ihr wurde die Nutzung kommunaler Räume für die Preisverleihung verwehrt.
Vor dem Hintergrund ihrer historischen Verpflichtung: durch sein Engagement hat Fritz Bauer u. A. den Frankfurter Auschwitz Prozess maßgeblich vorangetrieben hat, erscheint das Verbot, städtische Räume zu nutzen, geradezu skandalös!
Trotz dieser Widrigkeiten hat die Humanistische Union mit ihren Preisträgern Aufrechter Gang 2018 exemplarisch auf herausragendes Engagement und Widerstand gegen den öffentlichen Machtanspruch, sowie für Kampf um Meinungsfreiheit im Geiste des Grundgesetzes gesetzt.
Seit 30 Jahren würdigt die Humanistische Union so Frauen und Männer, die sich in Bayern für Bürgerrechte und Demokratie einsetzen und mit dieser Haltung zur demokratischen und politischen Kultur beitragen.


Erich Neumann, freier investigativer Journalist
über DFJ Deutsche-Foto-Journalisten e. V. www.dfj-ev.de
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© Bild: Oliver Stey CC – Rednerpult mit Plakat Aufrechter Gang 2018
© Bild: Oliver Stey CC – Begrüßung durch HU Vorstandsmitglied Wolfgang Stöger
© Bild: Oliver Stey CC – Laudatio durch Autor Dr. Tilman Spengler
© Bild: Oliver Stey CC – Preisträger-Ehepaar Judith und Dr. Reiner Bernstein
© Bild: Oliver Stey CC – musikalische Umrahmung durch Preisträger-Enkelin Talya
© Bild: Edith Grube CC – herzliche Presse-Begrüßung durch Ramona Röder
© Bild: www.cmp-medien.de CC – Polizeischutz am Congresium, Kelsterbach
© Bild: www.demofueralle.com CC – Logo Demo für Alle
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