ELAC OPA - Uwe H. Sültz
Kunstkopf - Dummy Head - Kopfhörer-Stereofonie - Binaurale Tonaufnahme

Kunstkopf Tonübertragungen gibt es seit 1925. Was Kunstkopf ist, siehe unten bitte. Uwe H. Sültz ist Förderer der WIKIMEDIA/WIKIPEDIA-Foundation. Heinz Sültz hat in jungen Jahren bereits in den 1950er Jahren 2 Mittelwellensender selbst gebaut und erste STEREO-Sendungen verbreitet. Da lag es nahe, die neue Kunstkopf-Tonübertragung ebenfalls zu veröffentlichen. In Mutters Perückenkopf montierte der junge Sültz 2 Mikrofone so, wie der Gehörgang und die Ohren eben sind. Nun las die Sültz' Schulklasse eine Geschichte vor... mit Schritten... Applaus vom Publikum, usw..
1963 stellte Lou Ottens seinen weltersten PHILIPS Compact Cassetten Recorder EL 3300 vor. Noch bevor es STEREO bei Compact Cassetten gegeben hatte, baute SÜLTZ ELEKTRONIK zwei EL 3300 zu einem STEREO-Recorder um. Den Kopf spendierte Lou Ottens uns vom brandneuen EL 3312, der kurz darauf erschien. Das war 1966. Mit diesem tragbaren Recorder und einem Kunstkopf mit Mikrofonen, konnten nun Aufnahmen in der Natur, im Theater oder sonst wo gemacht werden. 

Mit dem Wort Kunstkopf oder englisch Dummy Head verbindet man eine spezielle Tonaufnahmetechnik – die „Kopfhörer-Stereofonie“ oder binaurale Tonaufnahme. Der Kunstkopf besteht aus einer Kopfnachbildung, in der an Stelle der Ohren je ein Mikrofon mit Kugelcharakteristik am Eingang der Gehörgänge mit der Nachbildung der Ohrmuscheln angebracht ist. Durch die abschattende Wirkung des Kopfes und die für das Gehör auswertbaren Gangunterschiede zwischen den beiden Mikrofonpositionen können Aufnahmen gemacht werden, die durch die so aufgenommenen interauralen Signaldifferenzen, also die Ohrsignale, bei der Wiedergabe über Kopfhörer eine recht gute Richtungslokalisation der Schallereignisse vermitteln. Die Rechts-links-Lokalisation geschieht sicher, Oben-unten- und Vorne-hinten-Unterscheidungen sind dagegen schwieriger. Die direkte Vorne-Lokalisation scheint immer in einem bestimmten Winkel nach oben verschoben. Kunstköpfe können laut Physikalisch-Technischer Bundesanstalt auch zur Messung der Belastung der Ohren durch Kopfhörer und anderer „ohrnaher Schallquellen“ eingesetzt werden.

Wiedergabe
Kunstkopfaufnahmen mit freifeldentzerrtem Kunstkopf sind ausschließlich zur Wiedergabe über Kopfhörer geeignet. Bei einer Lautsprecherwiedergabe wirken sie verfärbt, eng und unnatürlich, denn interaurale Signaldifferenzen (Ohrsignale) sind grundverschieden von Interchannel-Signaldifferenzen (Stereo-Lautsprechersignale). Interaurale Signaldifferenzen entstehen bereits bei der Aufnahme und werden bei der Lautsprecherwiedergabe mit den hier entstehenden interauralen Signaldifferenzen gemischt, was zu Frequenz- und Lokalisationsproblemen führt. Nur wenn interaurale Signalfrequenzen beim Abhören einer Aufnahme vermieden werden, indem ein Kopfhörer verwendet wird, kann die Kunstkopfaufnahme ihrem Zweck gerecht werden. Auch die Lautsprechertauglichkeit bei diffusfeldentzerrtem Kunstkopf ist umstritten.

Neben Kunstköpfen sind auch Kugelflächenmikrofon, Kopfbügelmikrofon, und Jecklin-Scheibe für binaurale Aufzeichnungen geeignet.

Beim nicht mehr produzierten Kopfbügelmikrofon Sennheiser MKE-2002 sind die Mikrofone in zwei externen Bügeln untergebracht, die in die Ohren einer Person oder bei einem mitgelieferten künstlichen Kopf (MZK 2002) am Ohr-Referenz-Punkt (ear reference point) in nachgebildete Ohrmuscheln gehängt werden. Ein Mikrofon, das ähnlich arbeitet und wie ein Walkman-Kopfhörer im Ohr getragen wird, ist das Originalkopfmikrofon (OKM) der Firma Soundman.

Geschichte
1925 wurde das erste Patent für binaurale Tonübertragung angemeldet und 1927 erteilt; es beinhaltete die Grundlagen zum späteren Kunstkopf von Harvey Fletcher (General Electric) aus dem Jahre 1933. Bei der auf den Namen „Oscar“ getauften Figur mit Jackett und dem Gesicht einer Schaufensterpuppe handelt es sich um den ersten funktionstüchtigen Kunstkopf, von dem Abbildungen erhalten sind.
1927 wurde das erste Patent für binaurale Tonaufnahmen eingereicht und 1932 erteilt. Es beruhte auf der Idee kopfbezogener Stereophonie.
Bereits 1930 erfolgten Experimente zur binauralen Phasendifferenz und Amplitudendifferenz an einem Wachsmodell eines menschlichen Kopfes.
Der erste öffentlich präsentierte Kunstkopf war der von General Electric in Chicago 1933.
Weiter entwickelt wurde die Kunstkopftechnik in den Niederlanden seit 1939 durch die Philips-Arbeitsgruppe um De Boer.
Am 15. Juni 1946 soll es eine Stereo-Versuchssendung von Radio Nederland gegeben haben. Die beiden Kanäle wurden über getrennte Mittelwellensender ausgestrahlt. Zum Empfang benötigte man zwei unabhängige Empfänger. Die Aufnahme erfolgte offenbar mit einem Kunstkopf-Mikrofon.
Spätere wissenschaftliche Untersuchungen an und mit Kunstköpfen bezogen sich vorwiegend auf das Richtungshören und auf medizinische Fragestellungen, wiederum später auf raumakustische Probleme.
Die breitere Öffentlichkeit erreichte eine ähnliche Technik aber erst ab 1963 als Charlin’sches Trennkörperverfahren in Frankreich und später, als eigentliche Kunstkopfstereofonie, in Deutschland, nach Vorarbeiten der Universität Göttingen[20] und der Technischen Universität Berlin, schließlich im Jahre 1973 durch die ersten Rundfunksendungen in Kunstkopfstereofonie.
Anfang der 70er-Jahre entwickelten die bundesdeutschen Firmen Georg Neumann und Sennheiser sowie die österreichische AKG Mikrofone für kopfbezogene Stereofonie (Neumann KU 80, Sennheiser MKE 2002, AKG D99c "Harry").
Die Firma Georg Neumann produziert weiterhin einen Kunstkopf für Tonaufnahmen (KU-100). Weitgehend für messtechnische und akustische Zwecke in Wissenschaft und Industrie werden Kunstköpfe auch von den Firmen HEAD acoustics, Aachen (Aachen Head), G.R.A.S.-Tippkemper, Oelde-Stromberg (Kemar Manikin) sowie Brüel & Kjær, Dänemark (Hochfrequenz-HATS) produziert bzw. vertrieben.
Hörspiel in Kunstkopf-Stereofonie
1973 wurde in einer Koproduktion von RIAS, BR und WDR in der BRD das erste Hörspiel in Kunstkopf-Stereofonie mit dem Titel „Demolition“ (The demolished man), nach dem Krimi-Roman von Alfred Bester, inszeniert und im Rahmen der Funkausstellung 1973 in Berlin urgesendet. Regie führten Ulrich Gerhardt, Klaus Krüger, Hans-Ulrich Minke, Friedrich Scholz und Ursula Starck.
1973 entwickelte das Hörspiel der DDR sein erstes Kunstkopf-Stereophonie-Hörspiel mit dem Titel Blues, verfasst war es von Ernst Bruun Olsen und mit Musik von Wolfgang Preissler. Es wurde in den Hörspielstudios des Rundfunks der DDR produziert und im Januar 1974 in Ostdeutschland ausgestrahlt. Regie führte Albrecht Surkau.
2023 produzierte das SRF das als 3D-Arrangement von der deutschen Regisseurin Evelyn Dörr inszenierte und als Kunstkopf-Stereophonie aufgenommene Hörspiel Schlangenritual, Untertext. Eine Indianersinfonie. Das Hörspiel wurde im August 2023 auf Radio SRF 2 urgesendet. Im sinfonisch angelegten, komplex gestalteten, 3D-Arrangement wurden zahlreiche historische O-Töne verwendet.

Bürgerreporter:in:

R. G. Wardenga aus Königsborn

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