DER ELAC OPA - Uwe H. Sültz - klärt auf:
1977/78 - Der Zusammenbruch von ELAC - NECKERMANN - KÖRTING / NAKAMICHI ging danach eigene, sehr erfolgreiche Wege

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Zusammenfassung älterer Beiträge:
- 1963 brachte PHILIPS den weltersten Compact Cassetten Recorder EL 3300 auf den Markt.
- 1967/68 zeigte Niro Nakamichi seinen Recorder FIDELA Nr. 11 der beginnenden HiFi-Musik-Welt.
- 1968 brachte THE FISHER seinen Recorder RC-70 mit NAKAMICHI Laufwerk/Chassis heraus.
- Bis 1977 tat sich viel. ELAC brachte seinen CD 520 in schwarz heraus, das letzte Deck dieser Reihe. 
  Leider ebbte der High Fidelity Boom in den USA ab. Es gab große Umsatzeinbußen. THE FISHER und ELAC trennten sich.
  
Nun begann eine Todesspirale. ELAC und THE FISHER, das waren Top-High Fidelity-Marken, mit das Beste auf dem amerikamischen- und deutschen Markt. Zuerst ebbte der Hi Fi Enthusiasmus in den USA ab. THE FISHER wurde bereits 1975 verkauft, übrig blieb die Marke FISHER. Somit war auch NAKAMICHI raus. FISHER bezog nun Recorder von SANYO. 1977 krachte es dann zwischen ELAC und FISHER. Die geringe Nachfrage nach High Fidelity war nun auch in Europa zu spüren. ELAC wurde insolvent und trennte sich auf. Am 18.10.1978 veröffentlichte ELAC uns Händlern ein Informationsbrief. Man teilt sich auf in ELAC INGENIEURTECHNIK und INTEGRAL HYDRAULIK LANGEN & Co. aus Düsseldorf. 
Plattenspieler und Abtastsysteme werden zukünftig in Kiel gebaut, Der Phono-Bereich geht nach Düsseldorf. 
Wissen muss man, dass ELAC in Kiel immer schon Plattenspieler gebaut hatte. Um aber ein großer Marktplayer zu werden, baute KÖRTING für ELAC Verstärker, Tuner, Uhrenradios usw., nur die Compact Cassettenrecorder kamen aus Japan von NAKAMICHI. Diese Kombination ELAC/NAKAMICHI stammt noch aus der Zeit THE FISHER/NAKAMICHI. Niro Nakamichi baute ja alle Decks, vom RC 70 bis zum ELAC CD 520. Nach 1978 trennten sich nun ELAC und NAKAMICHI. NAKAMICHI stand sowieso schon in Deutschland auf eigenen Beinen, etwa mit den Decks 700 und 1000 als Beispiel. Da ELAC bei der Baureihe CD 400/500/520 mitmischte, was man an den typisch deutschen DIN-Anschlüssen und der Rauschunterdrückung DNL merkt, kann man behaupten, dass das Deck CD 520 mit schwarzer Holzzarge, das letzte Deck zwischen ELAC und NAKAMICHI gewesen ist.

Nun überschlugen sich die Ereignisse. INTEGRAL HYDRAULIK LANGEN & Co. veröffentlichte nun im neuen ELAC Prospekt Produkte von KÖRTING. Wie gehabt waren es Plattenspieler (ELAC Kiel), Lautsprecherboxen, Uhrenradios und Musikanlagen. Aber nun auch den neuen Recorder CD 530, der nicht mehr die Qualität der NAKAMICHI Recorder erreichte.

Es schien also so, als ob KÖRTING der große Gewinner sei. KÖRTING produzierte für andere Marken, in der Hauptsache für ELAC und NECKERMANN. NECKERMANN geriet ebenfalls in Schieflage, die hatte nichts mit dem Musikmarkt zu tun, nur hatte NECKERMANN ja KÖRTING als Partner. NECKERMANN wurde von KARSTADT übernommen, die wiederum öffneten den Musikmarkt auch für andere Marken. NECKERMANN hatte außerdem bei KÖRTING noch Zahlungsschwierigkeiten. Dies führte zur Kündigung des Vertragsverhältnisses durch Neckermann am 21. November 1977. Noch einmal zu ELAC: Ab 1979 verschwand auch die Palette an Phono-Geräten, weil mittlerweile KÖRTING als auch NECKERMANN insolvent waren. 

1977/78 waren somit NECKERMANN, ELAC und KÖRTING insolvent. NECKERMANN wurde durch KARSTADT übernommen. ELAC baut heute in Kiel hochwertige Lautsprecher, Plattenspieler und Elektronik für den Heimkino- und High-End-HiFi-Bereich. Bei Körting lief es so: Aussichtsreiche Verhandlungen wurden mit dem Fernsehgerätehersteller Saba GmbH in Villingen-Schwenningen geführt. Dessen Mutterkonzern war der US-amerikanische Konzern GTE General Telephone & Electronics Corp. Von Saba wurden ernsthafte und weitreichende Untersuchungen bei Körting durchgeführt und ins Einzelne gehende Detailplanungen einschließlich einer Personalplanung nach der Übernahme aufgestellt. Die Vertragsentwürfe für die Übernahme waren verhandelt und auch über die Preisgestaltung herrschte Klarheit. Unmittelbar vor der Unterzeichnung wurde die Übernahme am 2. Juni 1978 abrupt abgebrochen. Die Muttergesellschaft GTE gab Anweisung, in dieser Branche in Europa keine weiteren Investitionen vorzunehmen. Kurz darauf veräußerte GTE die Saba GmbH an das französische Unternehmen Thomson-Brandt.
Nach den gescheiterten Verhandlungen eröffnete das Amtsgericht Traunstein am 9. Juli 1978 das Konkursverfahren. Konkursverwalter Volker Grub führte nun Gespräche, das Unternehmen im Wege eines Asset-Deals zu veräußern und führte Verhandlungen mit dem jugoslawischen Kooperationspartner Gorenje aus Velenje in Slowenien. Diese Übernahmeverhandlungen wurden in Deutschland mit großer Aufmerksamkeit von der Wirtschaftspresse verfolgt, weil zum ersten Mal ein Unternehmen aus einem kommunistischen Land ein großes deutsches Unternehmen übernehmen wollte. Die Verhandlungen mündeten am 24. Juli 1978 in einen notariellen Vorvertrag, mit dem sich Gorenje zum Erwerb von großen Teilen des Anlage- und Umlaufvermögens zur Fortführung des Betriebes verpflichtete. Die Übernahme sollte durch ein neu zugründendes Unternehmen, die Gorenje Körting Elektronik GmbH & Co. KG, erfolgen. Dieser Vorvertrag stand unter der Bedingung, dass Gorenje die Genehmigung der jugoslawischen Regierung erhält. Diese wurde noch im August 1978 erteilt, sodass noch am 22. August 1978 ein notarieller Kaufvertrag für Grundstücke, Maschinen, Vorräte und alle immateriellen Wirtschaftsgüter geschlossen wurde. Die Übernahme erfolgte am 1. September 1978. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung widmete dieser Übernahme den Leitartikel auf Seite 1 und orakelt den Beginn neuer Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Jugoslawien.

Die deutsche Unterhaltungselektronik kam zu Beginn des Jahres 1979 in die Krise, der Absatz und die Preise gingen zurück. Der Markt war gesättigt und die japanische Konkurrenz unterbot die Preise. Die Wettbewerber Nordmende und Grundig machten Kurzarbeit. Auch die übrigen deutschen Hersteller wie SEL, Blaupunkt, Telefunken und Loewe-Opta schränkten ihre Produktion ein. Personalanpassungen wurden angekündigt.

Im Januar 1980 muss die Geschäftsführung von Körting verkünden, dass der Umsatz 1979 deutlich verfehlt und statt 216 Mio. nur ein Umsatz von 175 Mio. DM erreicht wurde. Das Ergebnis sei jedoch ausgeglichen.

Im Oktober 1980 wurde die Öffentlichkeit mit der Meldung überrascht, dass die Geschäftsführer Oskar Pistor und Bernd Zumkeller das Unternehmen mit einer Frist von einem Monat verlassen müssten. Pistor wurde durch drei Manager aus Jugoslawien ersetzt. Das Ressort Finanzen wurde an Fritz Seyfferth, einem langjährigen leitenden Mitarbeiter von Körting, übertragen.

Einen Monat später wurde die Massenentlassung von 400 Arbeitnehmern angekündigt. Im Dezember 1981 gab Gorenje die Kündigung weiterer 170 Arbeitnehmer bekannt.

Ein weiteres Jahr später, im Januar 1983, kündigte Gorenje die Stilllegung von Körting zum 31. März 1983 an.

Die Marke Körting sowie alle weiteren Verbands-, Patent- und Markenrechte gingen in den Besitz des Mutterhauses Gorenje und dessen Konzern über. Die Marke Körting wird von Gorenje in einigen osteuropäischen Ländern für diverse Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen und Geschirrspüler weiterhin benutzt.

Lediglich NAKAMICHI überlebte aus der Zeit der High Fidelity. NAKAMICHIs Weg war klug. Zuerst war man als Zulieferer tätig, eroberte so dem Markt in den USA. Dadurch kamen Verbindungen nach Deutschland zustande. Komplett eigene Geräte liefen unter ELAC/NAKAMICHI und dann stand man erfolgreich noch lange auf eigenen Füßen. Aber das ist eine andere Geschichte... 

Das erste Bild zeigt Musikanlagen, die von KÖRTING für ELAC und NECKERMANN gebaut wurden.

Anmerkung: Uwe H Sültz ist WIKIMEDIA/WIKIPEDIA Förderer.

Bürgerreporter:in:

R. G. Wardenga aus Königsborn

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