Einer der größten Justizskandale
Unschuldig – Mr. Bates gegen die Post

Der britische Postminister Kevin Hollinrake schätzte 2024 die Kosten des Skandals für den Steuerzahler auf eine Milliarde Pfund. | Foto: ARTE
  • Der britische Postminister Kevin Hollinrake schätzte 2024 die Kosten des Skandals für den Steuerzahler auf eine Milliarde Pfund.
  • Foto: ARTE
  • hochgeladen von Anton Zucker

Ja, ich weiß, wir berichten normalerweise nur über lokale Themen. Aber als ich diesen Vierteiler neulich auf ARTE gesehen habe, wollte ich einfach nicht glauben, dass ein solch unglaublicher und zudem irrsinniger Justizskandal in unseren Zeiten überhaupt noch möglich wäre.

Worum geht es?

1999 wird bei der britischen Post (Royal Mail) in 19.000 Filialen eine neue Finanzsoftware "Horizon" eingeführt. Durch mehrere Programmfehler (Bugs) stimmen auf einmal die Abrechnungen der Filialleiter (sub-postmaster/ postmistresses) nicht mehr. Es tauchen riesige Fehlbeträge auf. Die Filialleiter sind vertraglich verpflichtet, diese Summen aus eigener Kasse auszugleichen. Doch die Dinge nehmen überhand und die Royal Mail beginnt wegen massenhafter Unterschlagung zu ermitteln

3500 Mitarbeiter fälschlicherweise beschuldigt

Trotz zahlreicher Beschwerden bei einer Hotline wird jedem Filialleiter mitgeteilt, dass alle anderen Filialen einwandfrei arbeiten würden und somit der Fehler bei ihm liegen müsse. Zwischen 1999 und 2015 werden in der Folge über 700 Mitarbeiter gerichtlich verurteilt, 200 davon zu Gefängnisstrafen. Existenzen zerbrechen, Depressionen, Scheidungen, Mobbing und einige Selbstmorde sind die Folgen.

Eine 20-jährige Odysee

Alan Bates wurde 2003 selbst durch die Royal Mail entlassen und hat seitdem versucht, bei Politikern und den Medien ein offenes Ohr zu finden. 2009 wird das Thema dann erstmals von den Medien aufgegriffen. Er gründet eine Selbsthilfegruppe und lässt nicht locker, bis endlich in 2019 der High Court einige der Verurteilungen aufhebt und den Filialleitern eine Entschädigung durch die Royal Mail zuspricht. Das Gericht spricht dabei auch von "institutionellem Starrsinn", der die Aufdeckung der wahren Ursachen verhindert habe.

Konsequenzen

2024 strahlte der britische Sender ITV diese vierteilige Serie aus, wodurch der Skandal einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde. Am Ende der Reihe nimmt man bitter zur Kenntnis, dass einige Entschädigungszahlungen unter den (zu Unrecht) geforderten Ausgleichsbeträgen liegen. Weder verantwortliche Postdirektoren der Royal Mail noch Verantwortliche von Fujitsu, deren Tochtergesellschaft "Horizon" entwickelte, wurden bisher zur Rechenschaft gezogen.

Die Reihe ist in der ARTE-Mediathek leider nicht mehr verfügbar (Update: 30.06.25)
Quelle (Wikipedia)

Bürgerreporter:in:

Anton Zucker aus Jettingen-Scheppach

Webseite von Anton Zucker

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

3 folgen diesem Profil

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.