Sand in den Briefen
Müller Pfeil 1826
- So könnte der Arbeitsplatz im Büro des Müller Pfeil um 1826 ausgesehen haben
- hochgeladen von Rainer Mengel
Brief schreiben und versenden – so wie Müller Pfeil aus Hatzfeld vor 200 Jahren
Müller Pfeil griff zu einem handgefertigten Schreibfederhalter und einem Tintenfass, das mit dunkler Tinte gefüllt war. Für das Schreiben verwendete er dickes, handgeschöpftes Papier , manchmal mit Wasserzeichen versehen oder – je nach Verfügbarkeit – ein hochwertiges Schreibpapier.
Mit ruhiger Hand tauchte Müller Pfeil die Feder in die Tinte und begann, den Brief zu verfassen. Er schrieb sorgfältig und bedacht, denn die Tinte trocknete langsam. Dabei achtete er auf klare Buchstaben und einen gleichmäßigen Schreibfluss.
Nach Beendigung des Textes war die Tinte noch leicht feucht. Um ein Verschmieren zu vermeiden, streute Pfeil vorsichtig feinen Löschsand gleichmäßig über die frisch geschriebene Zeile. Der Sand saugte die überschüssige, noch feuchte Tinte auf, wodurch die Schrift schneller trocknete und eine edle, matte Optik erhielt, die durch die feinen Kristalle einen leichten Schimmer aufwies.
Kurz darauf schüttelte Pfeil vorsichtig den überschüssigen Sand ab, indem er das Papier leicht schüttelte oder den Sand in eine Schale kehrte. Der Sand wurde in einem kleinen Vorratsgefäß, dem Sandfass, aufbewahrt, das stets griffbereit in seinem Arbeitszimmer stand.
Dieser feine, meist reine Quarzsand, den sogenannten Schreibsand, auch Streusand oder Löschsand wurde in speziellen Streusandbüchsen aufbewahrt. Mit einem kleinen Schöpflöffel wurde der Sand über die frisch geschriebenen Zeilen gestreut
Reste dieses feinen Sandes wurde auch noch heute nach 200 Jahren bei der Durchsicht der alten Briefen gefunden.
Der Brief war nun bereit. Pfeil faltete das Papier sorgfältig, versiegelte es mit einem Wachs- oder Siegelstempel, um die Botschaft vor neugierigen Blicken zu schützen. Anschließend brachte er den Brief zum nächsten Post- oder Kurierdienst in Hatzfeld, um ihn an den Empfänger zu übersenden.
Bürgerreporter:in:Rainer Mengel aus Hatzfeld (Eder) |
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