Zwischen Treppenhaus und Tanztheater –
Bremerhaven wird zur Bühne der Utopien
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Am vergangenen Wochenende wurde Bremerhaven zur Kulisse eines künstlerischen Ausnahmezustands. artspace Bremerhaven 2025 verwandelte die Szenemeile „Die Alte Bürger“ zum achten Mal in ein vibrierendes Kaleidoskop aus Farben, Klängen und Ideen – und ließ dabei die Grenzen zwischen Alltag und Avantgarde verschwimmen. Was sich hier ereignete, war mehr als ein Festival: Es war ein Manifest für die transformative Kraft der Kunst im urbanen Raum.
Initiiert vom Förderverein „Die Alte Bürger“ e.V. in Kooperation mit dem Kulturamt Bremerhaven und der afz-Quartiersmeisterei, wurde artspace vor acht Jahren ins Leben gerufen, um die gleichnamige Straße als kreativen Hotspot zu etablieren. Das Konzept ist ebenso radikal wie charmant: Leerstehende Räume, Wohnungen, Treppenhäuser und Werkstätten werden temporär zu Kunsträumen – Kunst wird buchstäblich in den Alltag integriert. Die Stadt wird zur Bühne, das Publikum zum Mitspieler.
Schon beim Betreten der Straße spürte man: Hier passiert etwas. Werkstätten wurden zu Bühnen, leerstehende Läden zu Installationsräumen, und selbst private Wohnungen öffneten sich für performative Experimente. Über 30 ausgewählte Künstler:innen aus aller Welt – aus über 300 Bewerbungen kuratiert – präsentierten ihre Werke in einem Parcours, der mehr Expedition als Ausstellung war. Die Besucher:innen flanierten, staunten, diskutierten – und wurden Teil eines kollektiven Erlebens, das sich zwischen Treppenhaus und Tanztheater entfaltete.
Die Ziele des Festivals sind dabei klar formuliert und konsequent umgesetzt: Kunst soll sichtbar werden – nicht im Elfenbeinturm, sondern mitten im urbanen Leben. Durch kreative Zwischennutzung wird die „Alte Bürger“ als lebendiger Stadtteil gestärkt. Der Dialog mit den Besucher:innen steht im Zentrum, ebenso wie die Förderung junger und internationaler Künstler:innen. Die Auswahl der Positionen ist dabei bewusst heterogen: Performance-Kollektive, bildende Künstler:innen, Theatergruppen und interdisziplinäre Projekte bespielen die Räume mit einer Vielfalt, die irritiert, inspiriert und berührt.
Was artspace so besonders macht, ist nicht nur die Bandbreite der Ausdrucksformen, sondern die Haltung dahinter: Kunst als Werkzeug der Stadtentwicklung, als Einladung zum Dialog, als kollektives Erlebnis. Die Alte Bürger wurde nicht bespielt – sie wurde befragt, herausgefordert, gefeiert.
Die Resonanz war überwältigend. Hunderte Besucher:innen bewegten sich durch die Räume, ließen sich treiben, verweilten, lachten, diskutierten. Und während die letzte Performance am Sonntagabend verklang, war klar: artspace Bremerhaven ist längst mehr als ein Festival. Es ist ein Versprechen – dass Kunst auch 2026 wieder die Stadt erobern wird.
Der Blick in die Zukunft ist dabei ebenso ambitioniert wie realistisch: artspace 2025 fand am 23. und 24. August statt, mit Publikumstagen am Samstag und Sonntag. Die Bewerbungsphase für die kommende Ausgabe läuft bis zum 15. März 2026. Gagen, Materialzuschüsse sowie Reise- und Unterkunftskosten werden übernommen – ein klares Zeichen für professionelle Förderung und Wertschätzung künstlerischer Arbeit. Die stetig wachsende Zahl an Bewerbungen und Besucher:innen zeigt: Das Konzept geht auf. Wir, Susanne Schumacher, Asma Ounine, Friedrich und Lars Schumacher hatten einen interessanten Tag, haben Künstlerkolleginnen und Kollegen getroffen und Bremerhaven aus einem neuen Blickwinkel wiederentdeckt.
Langfristig soll sich artspace als feste Größe im europäischen Kunstkalender etablieren – nicht als Event, sondern als Modell für kreative Stadtentwicklung. Bremerhaven hat am Wochenende gezeigt, wie das geht. Und wer dabei war, weiß: Die Bühne der Utopien ist eröffnet – und sie steht mitten in der Stadt.
Bürgerreporter:in:ART PROJECT aus Hannover-Vahrenwald |
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