Ahnenforschung
Auf den Spuren der Vorfahren – Ahnenforschung ist heute einfacher geworden

Wenn´s einen gepackt hat, ist Ahnenforschung eine spannende Angelegenheit. Hier die Urgroßeltern meiner Frau, Hermann und Martha Krisch in Bielefeld.
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  • Wenn´s einen gepackt hat, ist Ahnenforschung eine spannende Angelegenheit. Hier die Urgroßeltern meiner Frau, Hermann und Martha Krisch in Bielefeld.
  • hochgeladen von Kurt Wolter

Die meisten Menschen kennen ihre Großeltern und haben sie über einen mehr oder weniger langen Zeitraum selbst erlebt. Nur wenige sind es hingegen, die auch noch ein Urgroßelternteil kennengelernt haben. So könnten viele Menschen über das Leben ihrer Großeltern berichten, kennen vermutlich deren Lebenslauf. Dann allerdings wird das Wissen dürftiger. Was wissen sie über ihre Urgroßeltern, vielleicht sogar noch deren Eltern? Wo haben die gelebt und woher kommen sie? Anhand von Familienstammbüchern kann man sogar noch deren Namen und vielleicht Geburts-, Heirats- und Sterbedaten in Erfahrung bringen. Doch dann hört das Wissen um die Ahnen im Allgemeinen auf. Dabei wäre es für viele Menschen interessant zu wissen, wo die eigenen Ursprünge liegen.

Wer sich nun wirklich dafür interessiert und mit dem spannenden Thema Ahnenforschung beginnen möchte oder längst dabei ist, demjenigen wird es heute relativ einfach gemacht, auch wenn es nach wie vor mit viel Zeit und detektivischer Arbeit verbunden ist. Als wir vor fast einem halben Jahrhundert damit begonnen haben, war es noch ein mühsames Unterfangen. Unsere Eltern, Großeltern und andere Verwandte, die wir deswegen aufsuchten, konnten uns zumindest teilweise Auskunft geben und haben ihre Familienstammbücher, einmal sogar einen Ariernachweis, hervorgekramt. Das half uns schon mal bis zu den Urgroßeltern, manchmal auch bis zu den Ururgroßeltern, weiter. Dann jedoch war immer, ausgenommen beim Ariernachweis, Schluss. So suchten wir einen anderen Weg und sahen uns in dem Landesarchiv einer bestimmten Gegend um. Tatsächlich fanden wir den einen oder anderen Ahn, benötigten dafür aber viel Zeit. Zig Karteikästen mussten durchgesehen werden. Zusätzlich kommt, wie bei alten Kirchenbüchern, noch das Problem der alten Schrift dazu

Auf diese Weise kamen wir nun im Laufe von etwa 20 Jahren zu einem Stammbaum, der einige Generationen zurückreichte, aber große Lücken aufwies. Und das, je weiter er zu früheren Vorfahren führte. Das ist leicht nachvollziehbar, denn schließlich verdoppelt sich die Anzahl der direkten Ahnen mit jeder hinzukommenden Generation. So werden aus 8 Urgroßeltern 16 Ururgroßeltern, 32 Urururgroßeltern und so weiter. Ganz schnell käme man auf diese Weise durch das exponentielle Wachstum in den zig millionenfachen Bereich und noch viel mehr, was allerdings nicht sein kann. Natürlich liegt das an dem Verwandtschaftsgrad der Menschen untereinander. So haben mehr oder weniger weit entfernte Vorfahren untereinander immer wieder zueinandergefunden und Nachwuchs gezeugt. Manchmal sogar Cousin und Cousine. Ein berühmtes Beispiel sind Königin Elisabeth II. von Großbritannien und Prinz Phillip. Sie waren Cousin und Cousine dritten Grades. Königin Victoria und Prinz Albert, von denen ein Großteil der Königshäuser in ganz Europa abstammt, waren ihre gemeinsamen Ururgroßeltern.
So kann man also sehen, dass alle Menschen irgendwie mehr oder weniger miteinander verwandt sind. Und die Genforschung hat sogar ergeben, dass alle heute auf der Erde lebenden Menschen, egal ob schwarz oder weiß - sagt doch die Hautfarbe nicht unbedingt etwas über den Verwandtschaftsgrad untereinander aus -und auf welchem Kontinent auch immer, auf eine Ur-Eva, die vor etwa 150.000 bis 200.000 Jahren in Afrika gelebt hat und einen Ur-Adam, der ca. 150.000 Jahre zuvor gelebt hat, zurückzuführen sind. Und natürlich waren die beiden von schwarzer Hautfarbe.

So mühsam also die Ahnenforschung im 20. Jahrhundert auch war, so relativ einfach ist sie seit etwa zu Beginn der Zweitausenderjahre durch das Internet geworden. Anbieter wie zum Beispiel FamilySearch, Ancestry oder MyHeritage machen die Suche deutlich einfacher. Sie haben große Datenbanken, in denen z.B. Kirchenbücher, Standesamtunterlagen, Urkunden, Fotos von Ahnen oder nicht mehr lebenden Verwandten, Lebensläufe oder Passagierlisten der Auswanderer gespeichert sind. Und immer mehr Kirchenbücher werden auch digitalisiert. Natürlich ebenso in den Ostgebieten, sodass man auch dort auf Spurensuche gehen kann, kommen doch viele Vorfahren aus dem heutigen Polen oder der Tschechei. Aus West- oder Ostpreußen, aus Pommern oder dem Sudetenland, aus Böhmen oder Schlesien. Oder aber sie sind ausgewandert und leben nun in Südamerika oder den USA. Gerade viele Amerikaner sind es, die besonders an ihren Wurzeln in Europa interessiert sind und Kontakte knüpfen möchten. Und je mehr Menschen sich daran beteiligen, desto vernetzter wird die Ahnenforschung, und damit die Wahrscheinlichkeit immer größer, den eigenen Stammbaum und die eigene Familie erweitern zu können.

Noch eine andere Möglichkeit gibt es seit etwa 10 Jahren. Durch einen DNA-Test, kann man erfahren, in welchen Gebieten die eigenen Vorfahren einst gelebt haben, oder aber wo deren Nachkommen heute zu Hause sind. Zu welchen genetischen und prozentualen Anteilen zum Beispiel in Mitteleuropa, im Osten, in Großbritannien, in Skandinavien oder wo auch immer. Und manchmal kann man dabei auch auf andere Menschen stoßen und sie durch die Familienforschungsunternehmen kennenlernen, die vom Verwandtschaftsgrad nicht weit entfernt sind. Eine solche Genanalyse macht es möglich.

So wird also Ahnenforschung durch immer mehr Möglichkeiten und immer mehr Digitalisierung der alten Unterlagen einfacher gemacht, und in Zukunft noch einfacher werden. Trotzdem muss auch da viel Zeit investiert werden. Wen es aber einmal gepackt hat, der ist natürlich motiviert und mit Feuereifer dabei. Und was ergibt das doch für ein gutes Gefühl, wenn man weiß, wo die eigenen Wurzeln sind, wo die Urahnen gelebt haben, wer sie waren und wie sie mit uns in Verbindung stehen. Auch wenn der Verwandtschaftsgrad dieser immens großen Zahl von Urahnen mit jeder hinzukommenden Generation sinkt, so würde es uns selbst ohne jeden Einzelnen von ihnen nicht geben. Deswegen ist jeder Vorfahr für uns von Bedeutung, egal wie lange er vor uns gelebt hat. Und wenn man Glück hat und intensiv forscht, dann kommt man nicht selten weit zurück. Inzwischen umfasst unser Stammbaum 14 Generationen die wir in Teilen über einen Zeitraum von etwa 450 Jahren ermitteln konnten. Und von etlichen von diesen auch zusätzlich deren Kinder und deren Nachkommen. Dann jedoch ist in den meisten Fällen Schluss, da im Dreißigjährigen Krieg die meisten Kirchenbücher vernichtet worden sind. In der Regel kommen nur Adelshäuser weiter zurück.

Nun ist es aber nicht nur interessant, einen Stammbaum zu erstellen, sondern besonders spannend ist es auch die Landschaften und Orte zu besuchen, wo unsere Ahnen einst gelebt haben. Und dabei kann man manchmal Überraschungen erleben. So ist es mir ergangen. Über 40 Orte, meist Dörfer, da der Großteil unserer Vorfahren Bauern, oft Leibeigene eines Gutsherrn, waren – und den meisten Ahnenforschern geht es vermutlich ebenso -, haben wir im Laufe der Zeit besucht, wobei die sich meistens je nach Urgroßelternpaar und deren Vorfahren auf jeweils eine Gegend konzentrieren, was die Sache vereinfacht. Und wie eindrucksvoll ist es, Spuren von ihnen zu entdecken und die Wege zu gehen, die auch sie einst gegangen sind.

Manchmal standen uns, wenn auch seltener, aus alten Urkunden sogar Wohnanschriften zur Verfügung. Natürlich war das die erste Anlaufstelle. Wo lag der Bauernhof, in welcher Straße haben sie einst gewohnt, in welcher Hausnummer? Wie sieht heute das Umfeld aus? Vielleicht hat sich kaum etwas verändert, manchmal aber viel. Oder aber leben dort sogar noch Nachfahren, die Auskunft geben können? Mit viel Glück habe ich weiter entfernte Verwandte kennengelernt, die mir helfen konnten, oder ich ihnen. Manchmal findet man auf alten Friedhöfen sogar noch Gräber, und die Namen aus dem eigenen Stammbaum oft auf den Kriegerdenkmälern. Die des Deutsch-Französischen Krieges oder natürlich die der beiden Weltkriege. Man wandelt auf denselben Wegen, die einst unsere Vorfahren gegangen sind. Natürlich auch den Kirchweg entlang. Und man guckt sich die Kirchen an, manchmal nur kleine Kapellen, die oft aus Feldsteinen errichtet sind. Nicht selten sind sie um die 800 Jahre alt. Man holt sich aus der Pfarre den Türschlüssel ab und setzt sich auf die noch manchmal vorhandenen alten Kirchenbänke. Und man denkt dabei daran, wie viele Generationen der eigenen Vorfahren darauf, meist gottesfürchtig, ebenfalls gesessen haben. Bei Taufen, bei Hochzeiten, bei Trauerfeiern. In der alten Kirche des Dorfes Griebo an der Elbe konnte ich einen Taufstein vorfinden, den ein Urahn, der einst Dorfschulze war, der Gemeinde im Jahr 1676 nach dem Dreißigjährigen Krieg gespendet hat.  Da das Dorf an der Heerstraße lag, wurde es von vorbeiziehenden marodierenden Truppen immer wieder verwüstet und musste schließlich aufgegeben werden. In Langenstein am Harz konnte ich die Reste einer Wassermühle finden, die von Vorfahren vor Jahrhunderten betrieben wurde. In Blankenburg die Tischlerei von Urgroßeltern.

Wohl fast jeder, der in Sachen Ahnenforschung unterwegs ist, kann irgendetwas Überraschendes dieser Art finden und erleben, mit dem er zuvor nicht gerechnet hat. Und deswegen lohnt es sich unbedingt, den Stammbaum mit Leben zu füllen. Nicht nur Daten der Ahnen zu haben, sondern auch deren einstigen Lebensraum kennenzulernen. So fühlt man sich ihnen bedeutend näher.

Wichtig ist natürlich, dass alles dokumentiert wird. Zum Beispiel auf Papier in einer Familien-Chronik. Mit Fotos der Ahnen versehen. Mit einem, soweit bekannt, kurzen Lebenslauf der einzelnen Personen. Mit abfotografierten, alten Dokumenten. Und auch mit Anekdoten, die nicht selten auf Familienfeiern immer wieder erzählt wurden oder werden.
Erst recht ist es sinnvoll, einem Familienforschungsunternehmen beizutreten, wie z.B. FamilySearch und hält auf diese Weise alles für die Nachwelt fest, von der sicher der eine oder die andere vermutlich großes Interesse daran hat. So hat dann jeder aus der Verwandtschaft Zugang dazu. Auch die weiter entfernten Verwandten, die im Laufe der Zeit dazukommen und mit denen man schon Kontakt aufgenommen hat. Wenn man zusätzlich noch einen „Schatz“ von alten Fotos dazu beisteuern kann, ehe diese in der Zukunft irgendwann verschwinden werden, weil niemand mehr weiß, wer diese Personen überhaupt waren, dann wird alles viel anschaulicher. Und die Nachkommen werden es einem danken. Deswegen lohnt sich Ahnenforschung. Es wäre doch äußerst schade, wenn das Wissen um die eigene große Familie verlorengehen würde.

Bürgerreporter:in:

Kurt Wolter aus Hannover-Bemerode-Kirchrode-Wülferode

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