Odyssee / Filmkritik / Filmbesprechung
Habt ihr den Blockbuster „Odyssee“ im Kino gesehen, und wenn ja, wie fandet ihr ihn?
- Wenn man 10 Jahre auf dem Meer bei der Suche nach der Heimat unterwegs ist, kann schon einiges schiefgehen. Deswegen reduzierte sich die Mannschaft von Odysseus immer mehr, bis schließlich nur einer übrig blieb.
- Foto: Kurt Wolter
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Schon als Kind habe ich die 2700 Jahre alte Sage Homers „Die Odyssee“ verschlungen. Es war für mich eine atemberaubende Geschichte. Mit dem Zyklopen Polyhem, dem vielköpfigen Monster Skylla, dem Meeresstrudel Charyptis, den Zaubergesängen der Sirenen und der Zauberin Kirke. Das alles fesselte mich ungemein.
Und zu Beginn der 1960er Jahre habe ich dann meinen ersten Kinofilm gesehen: „Die Irrfahrten des Odysseus“. Bildgewaltig war er, wie damals in Hollywood üblich, in Szene gesetzt. Und Kirk Douglas verkörperte darin den strahlenden Helden, wie es wohl kein anderer Schauspieler besser könnte. Allerdings weit heldenhafter, als Homer ihn geschildert hat.
Nun läuft dieser Blockbuster seit kurzer Zeit und meldet Besucherrekorde an. Das war auch für mich seit langer Zeit mal wieder eine Gelegenheit ins Kino zu gehen. Da auch so viel Werbung in sämtlichen Medien um dieses Film-Spektakel gemacht wurde und wird, war ich ziemlich gespannt darauf. Dementsprechend groß war meine Erwartungshaltung - was aber nicht unbedingt von Vorteil ist.
Nun habe ich den Film also gesehen. Wer sich auch dazu einen Kinobesuch vorgenommen hat, derjenige sollte jetzt allerdings nicht weiterlesen. Es ist besser, wenn man sich dazu ein eigenes Urteil bildet und nicht voreingenommen ist. Ich kann an dieser Stelle natürlich nur meine eigene Meinung vortragen, die weder allgemeingültig ist, und die jeder vollkommen anders sehen kann.
Schon nach einer Viertelstunde wusste ich, dass mir der so hochgelobte Film nicht gefällt. Das hatte verschiedene Gründe. So war von bildgewaltig, wie angekündigt, nichts zu sehen. Bildgewaltig sind für mich Filme wie Ben Hur, Herr der Ringe, Lawrence von Arabien oder auch Titanic. Zudem ist der Film mit bräunlichen, erdigen Farben aufgenommen. Es hätte zum Beispiel ruhig mal ein blaues Meer, einen blauen Himmel, grüne Landschaften oder was auch immer geben können. Meist war es eine trübere Schlechtwetteratmosphäre. Zu einer Göttersaga passt das nicht immer. Zudem waren viele Szenen in der Dunkelheit gedreht, so in Penelopes (Odysseus Frau) Palast, in denen man oft nicht viel sah. Immerhin viele Fackeln. Aber Tag wurde es da nie. Und außerdem erwarte ich mir von einem Königspalast mehr als ein größeres Lehmgemäuer auf einem kahlen Grashügel. Mit Kulissen wurde in diesem Film sowieso reichlich gespart.
Was mich besonders gestört hat -dass liegt sicher an meinem Alter, weil ich in der Regel sonst keine Actionfilme sehe- sind die oft rasend schnellen Schnitte, natürlich besonders in den Kampfszenen, die hektische Action vermitteln sollen. Aber manchmal sind sie so schnell, dass man kaum erfassen kann, was darin gezeigt wird. Und manchmal waren sie sogar völlig belanglos. Wer empfindlicher ist, sollte in diesen Passagen die Augen schließen, damit er keine Kopfschmerzen bekommt.
Was natürlich besonders wichtig ist in einem Film, das sind die Charaktere. Trotz Top-Schauspielern waren die fast allesamt blass, so dass nur wenig oder nicht ernstzunehmende Dramaturgie erzeugt wurde. Wegen wenig Text, auch bei Matt Damon als Odysseus, musste dann ein Erzähler einspringen, hätte man doch sonst die Geschichte überhaupt nicht verstanden. Schlechte Karten also für Nicht-Leser, die das Buch noch nie in der Hand gehalten haben. Und die oben erwähnten Highlights aus meiner Kinderzeit waren allesamt schwach in Szene gesetzt, selbst die des einäugigen Riesen Polyphem. Da hätte man bedeutend mehr draus machen und dafür hektische und zu lange Kampfszenen kürzen können.
Ein strahlender Held aller Kirk Douglas passt in die heutige Zeit zwar nicht mehr. Aber Odysseus trug die ganzen drei Stunden ein ernstes und mürrisches Gesicht zur Schau. Ich kann mich an keine Stelle erinnern, in der er mal gelacht oder zumindest gelächelt hätte. Und das 10 Jahre lang, die er auf der Suche nach seiner Heimat unterwegs war. Zumindest eine etwas positivere Ausstrahlung hätte ihm das eine oder Mal gutgetan, so ernst die Lage meist auch war. Oder eine Psychotherapie, bei der ihm zumindest die Nymphe Calypso behilflich sein konnte.
Was mir ebenfalls nicht gefallen hat, war die Musikuntermalung eines wohl eher fantasielosen Komponisten und das extrem häufige, unnatürliche und übertriebene Dröhnen, so dass der ganze Kinosaal vibrierte und man manchmal gefühlt fast aus dem Kinosessel geschleudert wurde. Ein Hörschutz wäre nicht schlecht gewesen.
Ich könnte noch mehr hinzufügen. Zum Beispiel, dass die Kriegsgöttin Athene zu weich, zu friedlich aussah und dargestellt wurde. Nie in einer Rüstung, wie es sich auch mal geziemt hätte. Dass die schöne Helena, ohne diskriminierend sein zu wollen, schwarz war. Eine braune Hautfarbe hätte auch ausgereicht. Oder dass der Gesang der Sirenen alles andere als verführerisch war, die den echten Odysseus fast in den Wahnsinn getrieben haben. Das soll nun aber, da ich genug gemeckert habe, wirklich ausreichen.
Mein Fazit: Ich hatte deutlich mehr und Anderes erwartet und war ziemlich enttäuscht. Einen Kinobesuch kann ich nicht empfehlen. Aber das ist, wie schon oben gesagt, meine persönliche Meinung. Und ihr seht das vielleicht ganz anders. Aber man kann ja mal darüber sprechen. Deswegen heißt es ja Filmbesprechung.
Bürgerreporter:in:Kurt Wolter aus Hannover-Bemerode-Kirchrode-Wülferode |
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