Citizen Vigilante
Ein unmöglicher und gefährlicher Film von Uwe Boll
Der neue Film des Fantasy-Trashfilm-Regisseurs Uwe Boll ist aktuell in aller Munde. In vielen Ländern ist er frei verfügbar, in Deutschland erhielt er jedoch keine FSK-18-Freigabe und ist damit „quasi“ verboten – ohne offiziell indiziert zu sein. Elon Musk ließ den Film für zwei Tage kostenlos auf X in voller Länge streamen; auf YouTube ist er zudem in englischer Sprache mit deutschem Untertitel verfügbar.
Inhaltlich ist es ein typischer „einsamer Rächer“-Film, wie es ihn dutzendfach gibt – grafisch, spielerisch und erzählerisch jedoch teils deutlich besser umgesetzt als hier. Die Brisanz rührt vor allem daher, dass sich der Film gegen illegale Migration, insbesondere gegen Muslime, gegen die Justiz und gegen aus Sicht des Films zu milde Urteile richtet. Zudem attackiert er ein „links-grün-wokes Milieu“ und inszeniert dies stellenweise geradezu als Hinrichtung. Der Hauptprotagonist des Films, gespielt durch Arnie Hammer - dessen Karriere durch Vorwürfe von sexualisierte Gewalt am Boden liegt - ruft mehrfach zur Nachahmung auf. Er erklärt die Morde zu seiner Pflicht - bis das "Volk" aufwacht und selbst aktiv wird. Nachfolgend eine kurze Beschreibung des Films.
Der Film folgt einem Mann, der nach persönlichen Verlusten und dem Eindruck eines „versagenden“ Rechtsstaats beschließt, selbst zum Richter und Vollstrecker zu werden. Er beginnt, Menschen ins Visier zu nehmen, die er als Gefahr oder „Unrecht“ markiert, und rechtfertigt seine Gewalt mit dem Narrativ, die Behörden würden wegsehen oder zu milde urteilen. Parallel wird gezeigt, wie sein Vorgehen öffentliche Aufmerksamkeit erzeugt und in Teilen der Gesellschaft Zustimmung findet, während andere versuchen, ihn zu stoppen. Am Ende steht weniger eine moralische Auseinandersetzung als die Zuspitzung auf das Prinzip: Gewalt als vermeintlich legitime Antwort auf komplexe gesellschaftliche Konflikte.
Ist die Einstufung der FSK-Behörde richtig? Handelt es sich um Zensur – oder hat ein „Verbot durch die Hintertür“ (ohne Indizierung) den späteren „Erfolg“ erst möglich gemacht, etwa durch Aufmerksamkeit und Diskussionen (aktuell Platz 1 der Streaming-Charts bei Filmen)?
Ich selbst finde das Thema äußerst brisant, weil es reale Probleme berührt. Die suggerierte Lösung der „Selbstjustiz“ ist jedoch in einem Rechtsstaat keine Lösung: Sie ist unmenschlich, ungerecht und falsch. Gerade wenn ein Film reale Spannungen aufgreift, trägt er Verantwortung dafür, ob er zur Reflexion anregt – oder ob er den einfachen, gefährlichen Ausweg der Gewalt als „Mut“ und „Notwehr der Anständigen“ verkauft. Der Film ruft zu Gewalt und Mord auf und dürfte die Gesellschaft weiter spalten. Wie dieser Film in anderen Ländern erlaubt sein kann ist mir ein Rätsel und warum er bei uns nicht indiziert ist.
Bürgerreporter:in:Justus Sebastian Laurentius |
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