deutsche Literatur 6. Jahrhundert nach Christus
Klagelied der Radegunde
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„ Klagelied der Radegunde“
De exidio Thüringiae (Vom Untergang Thüringens) – nach 587 n. Chr.
Verfasst vom Poeten und Dichter Venanitus Fortunatus (*um 540, + ca. 600 n.Chr.)
überliefert die traumatischen Erlebnisse der verschleppten Thüringenprinzessin Radegunde (*522,+587 n.Chr.), Tochter von König Berthachar.
Vom Untergang Thüringens
Oh du trauriges Los des Krieges, du neidisches Schicksal,
in wie plötzlichem Sturz sinken doch Königreiche dahin,
lange gesicherte Stätten des Glücks, hochragende Giebel
liegen, vom Sieger verbrannt, kläglich in Trümmern und Schutt.
Und das Gehöft des Palastes, das einst von Leben erfüllt war,
ist von Gebäuden nicht mehr, nein, nur noch Asche bedeckt.
Und die Firsten der Dächer, die sonst rotgolden geschimmert,
sind zu Boden gestürzt, sind nur noch Asche und Staub.
Männer von fürstlichem Rang, beraubt vom Feinde der Freiheit,
stürzten in schimpfliches Loch nieder vom Gipfel des Ruhms.
Der so glänzende Schwarm der dienenden Altersgenossen
starrte, dem Leben entrückt, hässlich von Staube und Schmutz.
Die von Dienern umgebene Schar der gebietenden Herren
blieb nur des letzten Geleits, blieb selbst des Grabes beraubt.
Die durch goldigen Schimmer des Haares übertroffen das Gold selbst,
Frauen, so weiß wie Milch, lagen zu Boden gestreckt.
Wie war das Gefilde bedeckt von den Körper der Toten,
ach, ein einziges Grab barg nun ein ganzes Geschlecht!
Jetzt kann Troja allein nicht mehr sein Ende beweinen,
denn auch Thüringen litt ebenso blutigen Mord.
Weg schleppte man gefesselte Frauen an flatternden Haaren,
keiner wurde vergönnt trauriger Abschied vom Heim.
Küssen durfte die Schwelle nicht noch der Gefangene, auch nicht
schauen zu den Stätten zurück, die ihn gern länger geschaut.
Nackten Fußes die Gattin schritt im Blute des Gatten,
über des Bruders Leib schritt da die Schwester hinweg.
Aus der Mutter Umarmung gerissen, am Auge nur hing ihr,
lautlos, ohne Erguss schmerzlicher Tränen, der Sohn.
Leichter wohl ist`s bei so schweren Geschick des Sohnes zu sterben,
Tränen der Liebe zugleich schluchzend die Mutter vergoss.
Nicht vermag ich zu weinen, obgleich barbarischen Ursprungs,
so wie sie, kann ich nicht schwimmen in Tränenguss.
Jeglicher hatte sein eigenes Leid, ich weinte für alle.
Alles, was jene geschmerzt, war mein persönliches Leid.
Glücklich die Männer, die tödlich die Waffe des Feindes getroffen,
ich allein nur blieb, sie zu beweinen, zurück.
Doch um die toten Verwandten nicht bloß muss ich weinen und klagen,
meine Träne, sie fließt auch um Lebendige noch.
Mag ich auch oft im feuchten Gesicht die Augen verschließen,
dämpfen den klagenden Laut, bleibt meine Sorge doch wach.
Sehnend erspäh ich, ob nicht mir kommt erfreuliche Botschaft,
aber vom Vetter ersah nirgends ich Schatten und Spur.
Ihn, den Trost meiner Augen, den ich auf´s Zärtlichste liebte,
nahm aus den Armen mir weg neidisch ein feindliches Los.
Hat dir denn nicht den fern von mir mein Gram nicht bekümmert,
unser so herbes Geschick süßes Erinnern geweckt?
Denke daran, wie teuer ich dir seit frühster Jugend
einst war, Amalafrid*, war Radegunde dir war.
Wie du einst als blühender Knabe so innig geliebt hast,
immer als Sohn des Onkels freundlicher Vetter mir warst.
Du hast mir den Vater ersetzt, den toten, die Mutter,
hast mir die Schwester ersetzt, warest mir Bruder zugleich.
Oh wie ergötzte mich Kleine so sehr dein frohes Geplauder,
scherzte ich Hand in Han. Lippe an Lippe mit dir.
Sonst nahm kaum eine Weile dich mir die flüchtige Stunde,
jetzt fehlt selbst dein Wort mir seit unendlicher Zeit.
Übersetzung Gregor von Tours nach: W. Giesbrechts,
In: R. Buchner (Bearb.), Gregor von Tours: Zehn Bücher Geschichten, Bd 1, Buch 1-5 (Darmstadt 1955) 147 u.148
Bisin, um 455 AD herrschte über Thüringen mit dem Zentrum um Weimar-Erfurt. Hochzeit mit Menia, Langobardin wahrscheinlich aus dem Haus Gausus.
Drei Söhne Herminafrid, Berthachar und Baderich, eine Tochter Raicunda
Herminafrid ehelichte Amalaberga, Nichte des Ostgoten König Theoderich.
Berthacahr, Mutter bisher unbekannt, Tochter Radegunde, erzwungene Heirat mit den Frankenkönig Clothar I. Seine vierte Frau, lebte am Hof wie eine Asketin und gründete die Abtei Ste-Croix. König Clothar ließ ihren Bruder meucheln.
Baderich
Raicunda wurde mit Wacho verheiratet, danach ging sie die Ehe mit einem anderen Langobarden ein. Der Sohn des Paares Audoin, König pannonischen Langobarden.
Raicunda und Audoin werden in der Literatur u.a. im Widsithlied erwähnt.
https://www.deutsche-biographie.de/gnd118743430.html#adbcontent
für detaillierte Information über Radegunde
Herzlichen Dank an das Landesmuseum für Vorgeschichte Sachsen-Anhalt
Bürgerreporter:in:Yvonne Rollert aus Halle |
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