Mühlengeschichten
Die Odilienmühle und die Lohmühle von Göttingen

Die Odilienmühle
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Wer auf dem Resten des einstigen Stadtwalls von Göttingen entlang wandert, stößt auf die ehemalige Odilienmühle, die auch die „Kleine Mühle“ genannt wird. Sie nutzte einst das Wasser des Leinekanals. Das Wasserkraftwerk wurde „olendinum Odilie‘ und ‚odilienmolen‘ genannt.

Wann hier erstmals eine Wassermühle erbaut wurde, ist nicht mehr zu ermitteln. Jedenfalls taucht die Odilienmühle im Jahre 1305 in einem Schreiben von Herzog Albrecht dem Feisten auf. Damals verlieh Herzog Albrecht der Feiste das Recht der Mahlmetze an die Stadt Göttingen. Besitzer der Mühle waren seinerzeit noch die Herren von Adelebsen. Erst 1371 kaufte die Stadt Göttingen die Mühle und verpachtete sie. Laut Wikipedia betrug im 14. Jahrhundert die jährliche Pacht rund 18 Mark.

Die Wassermühle lag direkt gegenüber der einstigen Lohmühle und wurde ursprünglich außerhalb der Stadtmauern erbaut. Erst nach einer Stadterweiterung und durch den Bau der seither direkt an die Mühle anschließenden Wallbefestigung war die Odilienmühle ab 1541 in die städtischen Befestigungsanlagen einbezogen. Damit war sichergestellt, dass auch während einer Belagerung hier Mehl zur Versorgung der Bevölkerung gemahlen werden konnte.

Das heutige Mühlengebäude stammt von einer Erneuerung in den Jahren 1766/67. Es entstand damals ein mächtiger, zweigeschossiger Fachwerkbau unter einem Kurzwalmdach. Zur Kanalseite steht das Gebäude auf einer bis unter das erste Obergeschoss reichenden Quadermauer. Die Mühle war teilweise bis 1945 noch in Betrieb.

Das schöne Wasserrad wurde 2007 erneuert und hat heute keine Funktion mehr. Denn die Mühlentechnik im Innern ist verschwunden. An der Odilienmühle müssen sich einst mehrere Wasserräder gedreht haben. Neben dem rekonstruierten Mühlrad sind nämlich verschlossene Öffnungen für ehemals weitere Mühlradachsen erkennbar.

Gegenüber der Odilienmühle liegt die Lohmühle. Eine Lohmühle diente dazu, Baumrinde (vor allem von Eichen und Fichten) zu zerkleinern. Das gemahlene Produkt nannte man „Lohe“. Diese Lohe war reich an Gerbsäure und wurde im Mittelalter sowie in der Neuzeit für die Lederherstellung (Gerberei) verwendet. Ursprünglich stand an dieser Stelle eine aus dem Jahr 1548 stammende Schlagemühle, die zur Gewinnung von Pflanzenöl genutzt wurde. Das heutige barocke Fachwerkgebäude trägt über dem Türsturz die Inschrift „Lohmühle • erbaut 1734“.

Die Odilienmühle
Die Odilienmühle
Die Göttinger Lohmühle
Die Göttinger Lohmühle
Bürgerreporter:in:

Jens Schade aus Hannover-Döhren-Wülfel-Mittelfeld

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