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Michaela Main gibt nicht alltägliche Gesundheitstipps

        Die Neu-Autorin Michaela Main im Gespräch mit Elisabeth Keller

EK Hallo, Michaela! Lange nicht gesehen.

Mila Hallo, Elisabeth! Ja, die Buchmesse in Leipzig ist schon wieder ein paar Tage her. Inzwischen planen wir schon für die nächste.

EK Wie bist du denn auf die Idee gekommen, diese doch etwas außergewöhnlichen Gesundheitstipps als Büchlein herauszubringen?

Mila Ach, wie bin ich darauf gekommen? Im Laufe der Jahre haben mich immer wieder Frauen angesprochen und mir von ihren Ängsten, Nöten und Sorgen erzählt. Da ich ja nun selbst so einiges erlebt habe, dachte ich mir vor ein paar Monaten, nun ist es Zeit, meine Erfahrungen einmal aufzuschreiben. Vielleicht kann die eine oder andere etwas davon übernehmen und auch glücklich werden.

EK Was ist dir denn so passiert?

Mila Es gab eine Zeit, da war ich sehr verzweifelt. Ich litt unter Rücken- und Armschmerzen. Manchmal konnte ich mich kaum rühren. Und dann immer wieder rasende Kopfschmerzen, die mich manchmal sogar am klaren Denken hinderten. Obendrein hatte ich fast immer juckenden Ausfluss und manchmal verlor ich ein paar Tropfen Urin, wenn ich mich bückte, etwas anhob oder lachte.

EK Und das hat dich sicherlich sehr belastet?

Mila Natürlich hat mich das belastet. Von einem glücklichen Leben war ich meilenweit entfernt. Ich lebte ja nur noch für meine Krankheiten und Zipperlein. Das ging mir manchmal dermaßen auf den Geist, dass ich nicht mehr ein und aus wusste.

EK Hast du denn nichts dagegen unternommen?

Mila Natürlich habe ich das. Ich war bei meinem Hausarzt und diversen Fachärzten Stammgast. Ich denke, mit den vielen Pillen, Salben und Zäpfchen, die mir damals verschrieben wurden, hätte ich locker den Schiefen Turm von Pisa nachbauen können.

EK Und nichts hat geholfen?

Mila Im Grunde genommen ist nur an den Symptomen herumgedoktert worden. Mit der richtigen Dosis kann ich alles betäuben. Also, entweder ich konnte vor lauter Kopfschmerz und Schwindel kaum meine Arbeit schaffen oder ich dämmerte zugedröhnt vor mich hin. Ich kann dir sagen, dass beide Zustände alles andere als befriedigend waren. Ein Urologe wollte mir operativ die Harnröhre verkleinern, ein anderer bot mir nach Ende seiner Sprechstunde Unterleibsmassagen an. Beides lehnte ich dankend ab. Manchmal fühlte ich mich eher wie ein Sexobjekt, als eine Patientin deren Leiden ernst genommen werden.

EK Hast du es denn auch mal alternativ probiert?

Mila Ja, klar habe ich das, aber der Erfolg ließ ebenfalls sehr zu wünschen übrig. Im Grunde genommen war auch das nur Abzocke. Wie viele homöopathische Pillen, Säfte und Cremes ich ausprobiert habe, kann ich nicht mehr erinnern. Geholfen hat nichts wirklich. Es hat nur viel Geld gekostet.

EK Und wie bist dann auf Hans Georg van Herste gestoßen?

Mila Eine Freundin, die ebenfalls dauernd etwas hatte, war bei dem gewesen und hatte innerhalb kurzer Zeit eine wesentliche Besserung verspürt.

EK Was hat denn Herr van Herste mit dir angestellt?

Mila Ach, am Anfang trug ich die Telefonnummer ein paar Wochen mit mir herum. Ich traute mich nicht, ihn anzurufen. Ich dachte mir, wenn dreißig Ärzte, Heilpraktiker und gutmeinende Mitmenschen mir nicht helfen können, wie soll der das schaffen. Aber als es eines Tages mal wieder kaum zum Aushalten war, habe ich dann doch angerufen und einen Termin ausgemacht.
Etwas bange bin ich hingefahren. Er hat mich intensiv angeschaut, mich auf eine Therapieliege gesetzt, hier und da gedrückt und gezogen, mich ein paar wirklich einfache Übungen machen lassen und schon war mein Kopfschmerz wie weggeblasen. Ähnlich verfuhr er mit Rücken und Armen. Als ich nach Hause fuhr, schwebte ich wie auf Wolken. Ich war seit Jahren zum ersten Mal schmerzfrei.

EK Was machte er anders als andere?

Mila Als erstes hat er mich und meine Wehwehchen ernst genommen. Ich war nicht nur eine Nummer für ihn. Er hat sich Zeit genommen und mir eine halbe Stunde lang zugehört, ohne dauernd dazwischenzureden. Er hat immer erst gezielte Fragen gestellt, wenn ich zu Ende erzählt hatte. So etwas war mir bis dahin noch nie passiert. Sowohl bei Ärzten, als auch bei Heilpraktikern oder Krankengymnasten hatte man meinen Redefluss schon nach spätestens drei Sätzen unterbrochen. Ich hatte das Gefühl, es interessiert keinen wirklich, was mit mir los ist.

EK Wie wir heute wissen, bist du ja dann mehrfach zu ihm gefahren.

Mila Ja, da er mir erklärt hatte, dass die körperlichen Ursachen für meine Schmerzen zwar behoben, die um die vormals blockierten Gelenke herumliegenden Muskeln allerdings noch verklebt und verkürzt seien. So ließ ich mich viele Male von ihm koreanisch massieren und fühlte mich danach von Mal und Mal besser.

EK Und wann hast du ihm von deinen Unterleibsproblemen erzählt?

Mila Das hat noch etwas gedauert, da ich mich geschämt habe, mit einem Mann darüber zu reden. Er hat mich zwar im Gegensatz zu einigen anderen Vertretern der Medizinbranche niemals angebaggert, aber trotzdem hatte ich da meine Scheu. Als es mal wieder dermaßen juckte, dass ich kaum laufen konnte, habe ich es ihm dann doch erzählt.

EK Und, was hat er gesagt?

Mila Was mich erstaunte war, dass er ganz unbefangen mit dem Thema umging. Er wurde weder rot, noch kam er ins Stottern. Er erklärte mir mit ruhiger Stimme, dass mein Genitalbereich normalerweise selbst für sich sorgen würde. Ich hätte z. B. Milchsäurebakterien in der Scheide, die Pilzsporen und ähnliche Angreifer vernichten würden. Leider würden sich die Frauen dermaßen fest verpacken, dass eine Art Treibhausklima entstehen würde. Dieser Hitzestau wäre der ideale Nährboden für Angreifer von außen. Seine indischen Ayur-Veda-Ausbilderinnen hätten ihm erklärt, dass ein weibliches Geschlecht atmen müsse, um gesund zu bleiben, um einen Hitzestau zu vermeiden. Ich solle also einfach die Hosen weglassen und schon würde sich das von selbst regulieren.

EK Und was hast du dazu gesagt?

Mila Ich habe nur genickt und ihm innerlich einen Vogel gezeigt.

EK Nun trägst du ja schon seit vielen Jahren keine Hosen mehr. Wie kam es zu der Wende?

Mila Als es mal wieder wirklich extrem juckte und auch das allerallerneuste Sitzbad nichts half, habe ich es ausprobiert. Ich habe mich ganz normal angezogen, nur den Slip weggelassen und den Zwickel meiner Strumpfhose aufgeschnitten. Das Tragen von Strumpfhosen war für mich nichts Neues, da wir Mädchen in unserer Jugendzeit sowieso nur Miniröcke oder Kleider getragen haben. Außerdem trug ich oft eine Feinstützstrumpfhose, um mir das lange Stehen in der Küche zu erleichtern und geschwollene Beine zu vermeiden.
Mir war nur anfangs etwas unwohl, weil ich dachte, jeder kann sehen, dass ich keinen Slip trage, jeder riecht meinen Ausfluss. Aber das hat sich bald gegeben. Und der juckende Ausfluss hat sich wirklich schnell verabschiedet. Und wenn mal was hervorblitzte, war da nichts, was da nicht hingehörte. Von Herrn van Herste lernte ich, dass Schamlippen zwar Schamlippen heißen, aber deswegen kein Grund zum Schämen sind.

EK Ich weiß das natürlich, da ich ebenfalls seit Jahren keine Hosen mehr trage. Ich hatte ein ähnliches Schicksal wie du.

Mila Nachdem ich meine Angst vor Entdeckung verloren hatte, spürte ich nach und nach ein unglaubliches Freiheitsgefühl. Ich hatte oft zu wenig getrunken, um unnötige Klogänge zu vermeiden. Herr van Herste hatte mir gesagt, dass ich täglich etwa anderthalb bis zwei Liter Wasser trinken sollte und das ging nun völlig problemlos, da die Aus- und Anzieherei wegfiel. Rock hoch, hinsetzen, pinkeln, säubern, fertig.

EK Und was hat er zu deiner Harninkontinenz gesagt?

Mila Ich hatte ihm erzählt, dass ich mehrfach an Beckenbodentrainingsstunden teilgenommen hätte, ohne ein befriedigendes Ergebnis erzielen zu können. Daraufhin erklärte er mir, dass ich täglich onanieren soll, da nur durch die Orgasmuskontraktionen die richtigen Muskeln trainiert würden.
Da bis jetzt alles geholfen hatte, was er getan oder gesagt hatte, überwand ich mich und tat es. Anfangs hatte ich noch ein schlechtes Gewissen, da mir früher sowohl meine Mutter, als auch meine Oma immer auf die Finger gehauen hatten, wenn ich meinem Geschlecht mit den Fingern zu nahe gekommen war. Meine Mutter hatte mir mal erklärt, dass eine Frau so was nicht tut. Ich könnte sonst an Gehirnerweichung erkranken oder gar sterben. Später wäre der Ehemann dann dafür zuständig. So hatte ich meine Finger davon gelassen. Allerdings hatte das mit einem Mann niemals geklappt. So dauerte es eine ganze Weile, bis ich meinen ersten Höhepunkt schaffte. Ich eselte mich jedes Mal ab und trotzdem dauerte es ewig. Ich kam einfach nicht in Schwung.
Herr van Herste erklärte mir, dass viele Frauen sich nicht trauen würden, Erotisches zu denken. Im Kopf sei alles erlaubt und ich solle mir mal das eine oder andere vorstellen.

EK Und was ist dabei herausgekommen?

Mila Anfangs hatte ich mir immer, wie es sich gehört, einen nackten Mann vorgestellt. Allerdings brachte das überhaupt nichts. Herr van Herste riet mir dazu, mir doch einfach einmal eine Frau vorzustellen. Das wollte ich nicht. Auch innerlich blockte ich das ab. Als Jugendliche hatte ich mal zwei Frauen beim Küssen beobachtet und das meiner großen Schwester erzählt. Die hatte das Gesicht verzogen und gesagt, dass man solche Perversen früher bei Adolf ins KZ gesteckt hätte.
Eines Tages fiel mir ein, dass ich eigentlich schon immer mit Mädchen besser zurechtgekommen war, als mit Jungs. Ich hatte immer wieder heimlich Mädchen beobachtet.
Ich erzählte Herrn van Herste davon und der erklärte mir, dass Homosexualität nichts Perverses an sich hätte, sondern angeboren sei, also eine ganz normale und dazu noch oft vorkommende Variante der Natur sei. Als ich das verinnerlicht hatte, ging es von Mal zu Mal besser. Irgendwann träumte ich nicht nur von einer schönen Frau, sondern heiratete sogar eine.

EK Tja, so kann das gehen. Ich habe mich auch erst getraut, mich in Frauen zu verlieben, seitdem mir Herr van Herste das erzählt hat. Auch ich hatte zuvor das lesbisch sein weit von mir geschoben. Ich? Nie und nimmer.

Mila Ja, was für ein eingetrichterter Quatsch, nicht wahr?

EK Da kann ich dir nur zustimmen. Wenn ich die Zahlen sehe, also weiß, wie viele Frauen lesbisch sind und wie viele sich trauen, das zu leben, wundert es mich nicht, wie viele krank durch die Gegend laufen.

Mila Ich kann nur jeder Frau raten, sich selbst zu leben. Wer nur darauf hört, was andere eventuell denken könnten, hindert sich selbst daran, ein glücklicher Mensch zu werden. Natürlich rümpfen bestimmt ein paar Leute hinter meinem Rücken die Nase über mich und meinen Lebensstil, aber das ist mir schon seit vielen Jahren völlig egal. Ich bin durch die Hinweise von Herrn van Herste jedenfalls eine glückliche Frau geworden und das zählt für mich.

EK Die Übungen, die du erklärst und durch Fotos von dir selbst untermauerst, sind recht einfach zu verstehen und umzusetzen. Ich habe sie selbst ausprobiert. Aber wieso trägst du dabei Strumpfhose und Stiefel? Ist das nicht etwas gewagt?

Mila Es geht mir in erster Linie um die Übungen. Meine Bekleidung ist Absicht, da ich damit zeigen möchte, dass ich keinen ultramodernen Jogginganzug tragen muss, um etwas Nützliches für mich zu tun. Jede Frau kann die Übungen in ihrer ganz normalen Kleidung nachmachen.

EK Du siehst äußerst sexy aus dabei.

Mila Es gibt bestimmt Leute, die daran Anstoß nehmen werden, die meinen, ich sei eine alte, hässliche Frau. Ich finde mich ästhetisch und erotisch. Wo steht denn, dass Frauen sich selbst nicht hübsch und anziehend finden dürfen?
Diese Doppelmoral stößt mir schon seit vielen Jahren übel auf. Auf der einen Seite ist ein unbedeckter weiblicher Schoß der Untergang des Abendlandes und soll angeblich die Jugend verderben. Auf der anderen Seite werden reihenweise kleine Kinder missbraucht, zu Tode geschüttelt oder sonst wie malträtiert und die Täter mit lächerlichen Strafen belohnt, falls sie überhaupt angeklagt werden. Heute schauen sich schon Zehnjährige Hardcorepornos im Internet an und keinen interessiert es wirklich. Und da soll meine Lebensweise der Aufreger sein?
Anfang der Siebziger sind wir alle in Minirock und Strumpfhose herumgelaufen. Wen hat das gestört? Und die Vergewaltigungsrate war auch nicht höher als heute. Eine starke Frau, die zu ihrer Weiblichkeit steht und ihre Kraft daraus schöpft, also in sich ruht, ist viel weniger gefährdet, ein Opfer zu werden, als eine Verhuschte in Jeans.
Auch Frauen in Führungspositionen haben inzwischen erkannt, dass sie nicht mehr Männer zweiter Klasse sein müssen, um anerkannt zu werden, sondern es besser ist, sich auf seine Weiblichkeit zu besinnen und auch so gekleidet aufzutreten. Auf den Buchmessen z. B. ist dieser Trend ganz eindeutig zu erkennen. Kaum eine Verlegerin oder Managerin läuft dort noch in Hosen herum.

EK Wie lange trägst du schon keine Hosen mehr?

Mila Seit über zwanzig Jahren. Und da das weibliche Genitale das am besten durchblutete Areal des Körpers ist, habe ich dort unten bisher weder gefroren, noch habe ich was eingefangen. Ich denke, diese Binsenweisheiten sind erfunden worden, um die Frau zu manipulieren. Denn eine glückliche Frau ist nicht so leicht zu handeln, wie eine unglückliche und unterdrückte. Eine Frau muss nicht minderwertig sein. Für mich ist sie die Krone der Schöpfung.

EK Liebe Mila! Vielen Dank für dieses passende Schlusswort und für deine mutig erzählte Geschichte.

Das Buch „von Frau zu Frau“ von Michaela Main ist über den Buchhandel oder das Internet zu beziehen und kostet 3,50 Euro.
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