Spuren der „Friedberger Zeit“ heute
Ein stiller Schatz in St. Jakob
- Das Gemälde des Friedberger Malers Sigismund Reis stammt aus der „Friedberger Zeit“ und hing in der ehemaligen Jesuitenkirche, bis es in die Stadtpfarrkirche St. Jakob kam.
- Foto: Franz Muhr
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Wer die Friedberger Stadtpfarrkirche St. Jakob kennt und dieser Tage aufmerksam durch das Gotteshaus geht, dem wird es auffallen: Etwas fehlt. An der Südwand unter der Orgelempore klafft eine Leerstelle – dort, wo sonst ein eher unauffälliges spätbarockes Gemälde hängt.
Das fehlende Bild zeigt einen jungen Mann in weißem Chorhemd und schwarzer Soutane, kniend auf einer Altarstufe. Sein Blick ist nach innen gerichtet, als spiele sich das eigentliche Geschehen in seinem Innern ab: die auf Wolken thronende Gottesmutter Maria, die im Begriff ist, ihn mit einem Rosenkranz aus rosafarbenen Blüten zu krönen.
Der heilige Aloysius – Jugendlicher mit Rückgrat
Der junge Mann, um den es hier geht, ist der heilige Aloysius von Gonzaga, ein Jesuit, der 1591 mit nur 23 Jahren starb. Als ältester Sohn des Markgrafen von Castiglione hätte er Macht und Titel erben können – doch er verzichtete bewusst. 1585 trat er in den Jesuitenorden ein. Bei der Pflege von Pestkranken in Rom infizierte er sich selbst und starb.
1726 wurde Aloysius von Gonzaga heiliggesprochen. Im Jahr 1729 war es Papst Benedikt XIII., der ihn zum Patron der studierenden Jugend ernannte. Fast zweihundert Jahre später – 1926 – weitete Papst Pius XI. diese Würde aus und erklärte ihn zum Schutzheiligen der gesamten christlichen Jugend. Und noch einmal erhielt seine Fürsprache ein neues Gesicht: 1991 bestimmte ihn Papst Johannes Paul II. zum Schutzpatron gegen AIDS.
Barocke Frömmigkeit – lokal verwurzelt
Die Darstellung, die schon bald wieder in St. Jakob zu sehen sein wird, strahlt – trotz der zahlreichen Putten, die für Unschuld, Lebensfreude und Liebe stehen, und trotz der majestätischen Wolkengebilde, die die himmlische Sphäre andeuten – eine große Ruhe aus. Das liegt an den zentralen Figuren des Bildes: Aloysius zum Beispiel kniet in stiller Versenkung. Vor ihm liegen ein Kreuz, ein Buch – wohl die Heilige Schrift – und eine Geißel. In der rechten Bildecke: eine Krone auf rotem Kissen. Sie symbolisiert, was er zurückließ: Rang, Titel, weltliches Ansehen – um Christus konsequent nachzufolgen.
Zu Lebzeiten hat Aloysius auf die Krone weltlicher Herrschaft verzichtet und ein Leben im Dienst am Nächsten geführt. Im Himmel erhält er dafür eine andere Krone: Maria selbst krönt ihn mit dem Rosenkranz – ein Zeichen dafür, dass nicht die irdische Macht zählt, sondern die geistliche Hingabe.
Ein Bild aus der „Friedberger Zeit“
Das Gemälde wird dem Friedberger Maler Sigismund Reis (um 1720–1771) zugeschrieben – einem Vertreter der Spätbarockmalerei, der auch als Freskant in unserer Region wirkte. Es entstand also in jener Epoche, an die wir uns in Friedberg mit dem Altstadtfest „Friedberger Zeit“ alle drei Jahre – und auch heuer wieder – besonders erinnern.
Ursprünglich hing das Bild wohl in der früheren Jesuitenkirche „Unsere Liebe Frau“, die Teil des Kollegs der Jesuiten war. An der Ostfassade des Hauses in der heutigen Jesuitengasse erinnern noch die Reste eines Dachreiters an jene Zeit, als in dieser Kirche besonders Totengottesdienste gefeiert wurden – daher nannten die Friedbergerinnen und Friedberger das Gotteshaus auch „Allerseelen-Kirch“ oder „Seelhaus-Kirch“.
Mit der wachsenden Verehrung des Aloysius bürgerte sich im Lauf des 18. Jahrhunderts ein neuer Name für die Kirche ein: „Aloysl-Kirchl“. Das Altarbild hat daran wohl erheblichen Anteil.
Eine Kirche, die keine mehr ist
So erinnert dieses Altarbild an eine vergangene Zeit, als die Jesuiten in unserer Stadt am Marienplatz ein Gymnasium unterhielten – dort, wo heute die Stadtverwaltung und unser Bürgermeister untergebracht sind.
Dahinter, in der heutigen Jesuitengasse, befand sich die 1588 errichtete und der Gottesmutter geweihte Kirche. In der Säkularisation wurde sie aufgegeben und 1875 in ein Wohnhaus umgebaut. Eine Inschrift auf dem Gemälde aus dem 19. Jahrhundert ordnet das Werk seinem ursprünglichen Platz zu: „Dieses Bild hier war in der Allerseel-Kirch als Altarbild.“
Ein stiller Schatz mit leiser Kraft
Heute hängt das Gemälde – normalerweise – in St. Jakob. Es drängt sich nicht auf, ist leicht zu übersehen. Und doch erzählt es eine kraftvolle Geschichte: von Hingabe und Verzicht, von der Sehnsucht nach Gott – und von einem besonderen Stück Friedberger Kultur- und Kirchengeschichte.
Erhalten für die Zukunft
Auf Initiative von Franz Reißner und durch die vermittelte finanzielle Unterstützung von Landrat Dr. Klaus Metzger wird das Gemälde in den kommenden Wochen vom Friedberger Restaurator und Kirchenmaler Reinhard Binapfl behutsam konserviert und restauriert – damit dieser stille Schatz bald wieder in neuem Glanz erstrahlen kann.•
Die kunsthistorische Zuordnung verdanken wir der freundlichen Expertise von Dr. Alice Arnold-Becker, der Leiterin des Museums im Wittelsbacher Schloss.
Bürgerreporter:in:Kath. Pfarrei St. Jakobus maj. aus Friedberg |
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