125 Jahre P. Richard Henkes
Die Wahrheit sagen gegen Hass und Rassismus

Die Fahne vor der Stadtpfarrkirche St. Jakob in Friedberg erinnert an den seligen Pallottiner Richard Henkes. | Foto: Steffen Brühl
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  • Die Fahne vor der Stadtpfarrkirche St. Jakob in Friedberg erinnert an den seligen Pallottiner Richard Henkes.
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Er prangerte die Verbrechen der Nationalsozialisten an, predigte gegen Hass und Rassismus und setzte sich für Versöhnung ein – bis zu seinem Tod. Anlässlich des 125. Geburtstags des seligen Pallottinerpaters Richard Henkes erinnerte eine besondere Führung in der Friedberger Stadtpfarrkirche St. Jakob an das mutige Leben eines Mannes, dessen Botschaft heute aktueller ist denn je.

„Einer muss doch die Wahrheit sagen“

„Einer muss doch die Wahrheit sagen“ – Dieser Satz stammt nicht von einem heutigen Whistleblower, sondern von einem katholischen Priester, der 1945 im Konzentrationslager Dachau an Typhus starb: Pater Richard Henkes. Am 26. Mai jährte sich sein Geburtstag zum 125. Mal. Stadtpfarrer Pater Steffen Brühl nahm dieses Jubiläum zum Anlass für eine besondere Kirchenführung in der Stadtpfarrkirche St. Jakob – jener Kirche, in der die Pallottiner im Oktober 2019 gemeinsam mit Weihbischof Anton Losinger und Gästen aus aller Welt die Dankmesse anlässlich der Seligsprechung ihres Mitbruders feierten.

Ein mutiger Prediger gegen das Unrecht

Richard Henkes war Pallottiner, Priester, Lehrer und ein mutiger Prediger. Während der NS-Zeit ließ er sich nicht zum Schweigen bringen. Besonders klar sprach er sich gegen die Ermordung von Menschen mit Behinderung aus, die er in seinen Predigten offen als Mord verurteilte. Früh erkannte er die Diskrepanz zwischen der NS-Propaganda und der brutalen Realität des Regimes. Je entschlossener er das christliche Menschenbild dem totalitären Gedankengut entgegensetzte, desto stärker geriet er in das Visier der Machthaber.

Gefangener, Seelsorger, Versöhner

Im April 1943 wurde er in Ratibor wegen „Aufwiegelung des Volkes von der Kanzel“ verhaftet und im Juli ins Konzentrationslager Dachau deportiert. Dort wurde er für viele zum Seelsorger und Hoffnungsträger. Er spendete Trost, hörte zu und betete mit seinen Mitgefangenen. Mitten im Grauen setzte er seine Versöhnungsarbeit fort – gemeinsam mit dem tschechischen Priester Josef Beran, der später Erzbischof von Prag und Kardinal wurde.

Ein Brückenbauer zwischen den Nationen

Die Versöhnung zwischen Deutschen und Tschechen war ihm ein Herzensanliegen. In Strandorf (Strahovice) war er zuvor als Seelsorger tätig, half Verfolgten und bemühte sich um Verständigung zwischen den Völkern. Die tschechische Bischofskonferenz würdigte dieses Engagement im Jahr 2000 ausdrücklich. Sie befürwortete seine Seligsprechung und erklärte, P. Henkes könne „beim tschechischen Volk zu einem besseren Bild der Deutschen während des Zweiten Weltkriegs beitragen und somit zur Versöhnung der beiden Nationen. Er kann also Schutzpatron dieser Versöhnung sein.“ Am 15. September 2019 wurde er im Auftrag von Papst Franziskus durch Kurienkardinal Kurt Koch im Limburger Dom seliggesprochen.

Liebe bis zum letzten Atemzug

Der Höhepunkt seines Einsatzes war zugleich sein letzter: Als im KZ Dachau Typhus ausbrach, meldete er sich freiwillig zur Pflege schwerkranker Tschechen im Quarantäneblock. Acht Wochen lang betreute er die Erkrankten – bis er sich selbst ansteckte. Am 22. Februar 1945 starb Pater Richard Henkes – 66 Tage vor der Befreiung des Lagers durch die amerikanische Armee. Seine Asche wurde aus dem Lager geschmuggelt und später in Limburg beigesetzt. Heute ruht seine Urne in einer Kapelle der Pallottinerkirche St. Marien.

Warum heute an ihn erinnern?

„Warum aber heute an ihn erinnern?“, fragte Pater Brühl während der Führung in St. Jakob.
Weil seine Geschichte mehr ist als ein vergangenes Kapitel. Weil Richard Henkes zeigt, dass Zivilcourage nicht laut, aber mutig sein muss. Dass Nächstenliebe keine romantische Vorstellung, sondern eine bewusste Entscheidung ist. Und dass Wahrheit nicht relativ ist – sondern Haltung erfordert.

„In einer Zeit, in der populistische Parolen wieder Anhänger finden, antisemitische Sprüche auf Schulhöfen kursieren und soziale Medien Hass schüren statt überwinden, braucht es solche Zeugen. Menschen, die sich nicht beugen. Die aus ihrem Glauben heraus handeln. Die – wie Henkes – das Evangelium nicht nur verkünden, sondern leben“, sagte P. Brühl.

„Nächstenliebe duldet keinen Aufschub“, resümierte der Stadtpfarrer am Ende der Führung. Als die Befreiung sich schon abzeichnete, entschied sich Pater Henkes für den Dienst in der Typhusbaracke. Es habe sich nicht aus Pflicht geopfert, sondern aus Liebe – zu Gott, zu den Menschen, zur Wahrheit.
Sein Leben ist ein Vermächtnis für alle, die in schweren Zeiten nicht wegsehen wollen.

Weitere Infos über den seligen Pallottiner Richard Henkes finden Sie unter:
www.richardhenkes.de

Bürgerreporter:in:

Kath. Pfarrei St. Jakobus maj. aus Friedberg

Webseite von Kath. Pfarrei St. Jakobus maj.
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