Im Kampf für Gerechtigkeit
Alle ... sind ...?

Foto: © 2026 PMP – Peitl Music Productions - Erstellt mit ChatGPT
  • Foto: © 2026 PMP – Peitl Music Productions - Erstellt mit ChatGPT
  • hochgeladen von Hans-Georg Peitl

gleich?

Warum Verallgemeinerungen gefährlich sind und Gerechtigkeit dort beginnt, wo wir Unterschiede anerkennen.

Sicherlich, und da gebe ich den Administratoren von gutefrage.net sogar recht: Manchmal sind meine Vergleiche überspitzt.

Allerdings sollen sie auch gar nicht behaupten, dass unsere heutige Gesellschaft mit den schlimmsten Zeiten der Geschichte gleichzusetzen wäre. Vielmehr möchte ich darauf aufmerksam machen, wohin eine bestimmte Geisteshaltung führen kann.

Eine Geisteshaltung, die mit wenigen Worten beginnt:

„Alle … sind gleich!“

Setzen wir anstelle der drei Punkte irgendeine Bevölkerungsgruppe, Berufsgruppe, Religionsgemeinschaft oder politische Bewegung ein, und schon haben wir das Problem.

Denn plötzlich wird nicht mehr der einzelne Mensch beurteilt. Stattdessen wird eine ganze Gruppe unter Generalverdacht gestellt.

Die Geschichte hat uns gezeigt, wohin solche Denkweisen im schlimmsten Fall führen können: zu Ausgrenzung, Verfolgung und sogar Massenmord.

Damit will ich heutige Meinungsverschiedenheiten keineswegs mit historischen Verbrechen gleichsetzen. Ich möchte lediglich daran erinnern, dass wir gefährliche Denkmuster möglichst früh erkennen sollten.

Sind alle KI-Musiker Diebe?

Nehmen wir ein Beispiel aus meinem eigenen Arbeitsbereich.

Immer wieder wird behauptet, sämtliche KI-Musiker würden gestohlene Musik verwenden. KI-Musik sei grundsätzlich Diebstahl.

Und wissen Sie was?

Ausnahmsweise möchte ich meinen Kritikern sogar teilweise recht geben.

Denn tatsächlich gibt es erhebliche urheberrechtliche Auseinandersetzungen darüber, mit welchen Daten verschiedene KI-Unternehmen ihre Modelle trainiert haben.

Nur folgt daraus wirklich, dass sämtliche KI-Musiker Diebe sind?

Ich wollte es genauer wissen.

Als ich einen Artikel über eine möglicherweise platzende KI-Blase las, stellte ich Google die Frage, welches der Unternehmen, mit denen wir musikalisch zusammenarbeiten, besonders gefährdet sein könnte.

Die Antwort brachte mich zum Nachdenken.

Drei Unternehmen – drei unterschiedliche Situationen

Da wäre zunächst Suno AI.

Das Unternehmen sieht sich mit erheblichen urheberrechtlichen Auseinandersetzungen konfrontiert. Dabei geht es insbesondere um die Frage, ob geschützte Musikwerke ohne ausreichende Genehmigung für das Training von KI-Modellen verwendet wurden.

Solche Verfahren können erhebliche finanzielle Folgen haben. Allerdings wäre es unseriös, daraus ohne entsprechende Belege auf die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens zu schließen.

Dann hätten wir Google.

Auch große Technologiekonzerne sind mit urheberrechtlichen Fragen rund um künstliche Intelligenz konfrontiert.

Allerdings verfügt Google über ganz andere finanzielle Möglichkeiten. Außerdem bietet das Unternehmen für bestimmte KI-Dienste unter festgelegten Voraussetzungen eine vertragliche Absicherung gegen bestimmte urheberrechtliche Ansprüche.

Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass damit jedes denkbare rechtliche Problem ausgeschlossen wäre.

Und schließlich hätten wir ACE Studio.

Dieses Unternehmen verfolgt bei seinen KI-Stimmen einen Ansatz, bei dem Lizenzvereinbarungen und kommerzielle Nutzungsrechte ausdrücklich eine Rolle spielen. Für bestimmte Stimmen können zusätzliche Lizenzen erforderlich sein.

Für unsere musikalische Arbeit ist dieser Ansatz besonders interessant.

Auch hier wäre es falsch, pauschal zu behaupten, sämtliche rechtlichen Fragen seien für alle Zeiten geklärt.

Aber eines erkennen wir bereits:

Die Unternehmen arbeiten nicht alle unter denselben Voraussetzungen.

Und was bedeutet das für die Musiker?

Nun kommen wir zur entscheidenden Frage.

Wenn ein KI-Unternehmen möglicherweise geschützte Musik ohne ausreichende Genehmigung zum Training verwendet hat, bedeutet das automatisch, dass jeder Musiker, der später mit diesem System arbeitet, ein Dieb ist?

Natürlich nicht.

Wir müssen zwischen der Herkunft der Trainingsdaten, den Rechten an einem KI-Modell und dem tatsächlich entstandenen Musikstück unterscheiden.

Ein später erzeugtes Lied ist nicht automatisch eine Kopie eines bestehenden Werkes.

Umgekehrt kann natürlich auch bei KI-Musik eine Urheberrechtsverletzung entstehen.

Aber genau deshalb muss jeder Fall individuell betrachtet werden.

Ich selbst schreibe meine Liedtexte, entwickle meine Kompositionen und arbeite anschließend mit KI-Systemen an der musikalischen Umsetzung.

Warum sollte ich deshalb grundsätzlich als Dieb gelten?

Nur weil ich eine neue Technologie verwende?

Das eigentliche Problem ist der Generalverdacht

Und damit sind wir wieder bei unserem Ausgangspunkt.

„Alle KI-Musiker stehlen!“

„Alle Politiker lügen!“

„Alle Angehörigen einer bestimmten Gruppe sind gefährlich!“

Wie schnell sind solche Sätze ausgesprochen.

Wie bequem ist es doch, Menschen nicht mehr individuell beurteilen zu müssen.

Man braucht sich nicht mit ihren tatsächlichen Handlungen auseinanderzusetzen. Man braucht keine Unterschiede mehr zu erkennen. Man braucht nur noch ein Etikett.

Und schon scheint die Welt wunderbar einfach.

Nur gerecht ist sie deshalb noch lange nicht.

Denn sobald wir Menschen ausschließlich aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Gruppe beurteilen, verlieren wir etwas Entscheidendes: den Blick auf den Einzelnen.

Was uns die Geschichte lehren sollte

Die schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte sind nicht allein durch Verallgemeinerungen entstanden.

Dazu gehörten politische Ideologien, Machtinteressen, systematische Entrechtung, staatliche Gewalt und viele weitere Faktoren.

Aber pauschale Feindbilder konnten dazu beitragen, Menschen ihre Individualität und schließlich sogar ihre Menschlichkeit abzusprechen.

Deshalb sollten wir aufmerksam werden, wenn jemand behauptet, eine ganze Gruppe sei grundsätzlich schlecht, gefährlich oder schuldig.

Das bedeutet nicht, dass jede überspitzte Aussage bereits eine historische Katastrophe ankündigt.

Es bedeutet lediglich, dass wir uns fragen sollten, welche Denkweise hinter solchen Aussagen steckt.

Gerechtigkeit beginnt beim Einzelnen

Ich möchte auch weiterhin Missstände aufzeigen.

Ich werde auch weiterhin kritisieren, wenn ich etwas für falsch halte.

Und vermutlich werde ich dabei gelegentlich wieder überspitzen.

Aber eines möchte ich nicht:

Menschen allein deshalb verurteilen, weil sie einer bestimmten Gruppe angehören oder eine bestimmte Technologie verwenden.

Wenn jemand tatsächlich fremdes Eigentum stiehlt, dann soll er dafür zur Verantwortung gezogen werden.

Wenn ein Unternehmen Urheberrechte verletzt, dann soll es sich den entsprechenden rechtlichen Fragen stellen.

Wenn ein Musiker dagegen eigene Werke schafft und dabei künstliche Intelligenz als Werkzeug verwendet, dann sollte man auch das anerkennen.

Denn Gerechtigkeit bedeutet nicht, alle über einen Kamm zu scheren.

Gerechtigkeit bedeutet, jeden nach seinen tatsächlichen Handlungen zu beurteilen.

Und deshalb möchte ich meinen heutigen Beitrag mit einer einfachen Feststellung beenden:

Nein. Nicht alle sind gleich.

Und genau das sollten wir niemals vergessen.

Hans-Georg Peitl
25. Oktober 2026

Bürgerreporter:in:

Hans-Georg Peitl

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.