Gemeinschaft voller Gegensätze:
Waren sich die Jünger Jesu wirklich einig?

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Eine Gemeinschaft voller Gegensätze – und ein Messias, der sie zusammenhielt.

Da hat mich heute jemand gefragt, ob sich die Jünger Jesu denn nicht einig gewesen wären.

Und ich habe ihm recht gegeben.

Zumindest in einem Punkt: Sie waren sich einig, dass sie Jesus nachfolgen wollten.

Aber schauen wir uns diese Gemeinschaft doch einmal genauer an.

Was waren das eigentlich für Menschen, die Jesus um sich versammelt hatte?

Da finden wir Simon, den Zeloten. Schon seine Bezeichnung erinnert an eine jüdische Bewegung, die sich gegen die römische Herrschaft richtete. Ob Simon selbst zum militanten Widerstand gehörte, wissen wir allerdings nicht.

Und auf der anderen Seite finden wir Matthäus, einen Zöllner. Einen Mann also, der in einem Steuersystem arbeitete, das mit der römischen Herrschaft verbunden war.

Man stelle sich das einmal vor!

Menschen aus völlig unterschiedlichen politischen Welten sitzen gemeinsam an einem Tisch.

Und beide gehören zu den Jüngern Jesu.

Aber damit nicht genug.

Da haben wir Jakobus und Johannes, die sogenannten Donnersöhne.

Die beiden beschäftigen sich mit der Frage, wer im Reich Gottes die besten Plätze bekommen soll.

Sie möchten rechts und links neben Jesus sitzen.

Es geht also um Ansehen, Bedeutung und Rangordnung.

Und die anderen Jünger?

Die ärgern sich darüber!

Von einer vollkommen harmonischen Gemeinschaft kann also kaum die Rede sein.

Dann haben wir Petrus.

Einen Mann, der bei der Verhaftung Jesu zum Schwert greift und einem Menschen das Ohr abschlägt.

Jesus muss ihn zurückweisen.

Da begegnet uns ein Jünger, der bereit ist, Gewalt einzusetzen, während Jesus einen anderen Weg lehrt.

Und dann haben wir Thomas.

Thomas glaubt nicht einfach alles, was ihm erzählt wird.

Als die anderen Jünger von der Auferstehung berichten, verlangt er Beweise.

Er möchte selbst sehen und selbst begreifen.

Auch Zweifel hatten also ihren Platz in dieser Gemeinschaft.

Und vergessen wir die Frauen nicht!

Maria Magdalena gehörte zu den treuen Nachfolgerinnen Jesu. Sie blieb ihm auch dort verbunden, wo andere längst geflohen waren.

Über ihre persönliche Beziehung zu Jesus wurde später viel spekuliert. Dass sie sexuell an ihm interessiert gewesen sei, lässt sich aus den biblischen Berichten allerdings nicht belegen.

Was wir aber wissen: Sie spielte eine bedeutende Rolle unter seinen Nachfolgern und gehört zu den ersten Zeuginnen der Auferstehung.

Und schließlich haben wir noch Judas Iskariot.

Einen Mann, der mit Jesus unterwegs war, mit ihm gegessen hatte und zu seinem engsten Kreis gehörte.

Und der ihn schließlich verriet.

Was sagt uns das alles?

Dass die Jünger Jesu keineswegs eine einheitliche Gruppe waren.

Da gab es unterschiedliche politische Vorstellungen.

Da gab es Ehrgeiz und Konkurrenzdenken.

Da gab es Gewaltbereitschaft.

Da gab es Zweifel und Unglauben.

Da gab es Treue und Verrat.

Kurz gesagt:

Die Jünger Jesu waren sich keineswegs immer grün.

Und trotzdem gingen sie gemeinsam mit Jesus.

Warum?

Weil sie in ihm etwas erkannten, das über ihre persönlichen Unterschiede hinausging.

Für sie war Jesus der verheißene Messias.

Zwar verstanden sie seine Sendung nicht immer richtig. Manche zweifelten, andere erwarteten ein ganz anderes Reich Gottes.

Aber Jesus war der Mittelpunkt dieser Gemeinschaft.

Nicht eine politische Partei.

Nicht eine gemeinsame gesellschaftliche Herkunft.

Nicht eine einheitliche Weltanschauung in allen Lebensfragen.

Sondern Jesus und seine Verkündigung vom Reich Gottes.

Und genau hier wird es für uns Christen heute interessant.

Denn wie oft erleben wir, dass Christen miteinander streiten?

Über Politik.

Über Kirchen.

Über Lehrmeinungen.

Über Bibelauslegungen.

Über die Frage, wer den richtigen Glauben besitzt.

Manchmal könnte man meinen, ein Christ dürfe nur mit einem anderen Christen Gemeinschaft haben, wenn beide in wirklich jeder Frage derselben Meinung sind.

Aber war das bei Jesus so?

Nein!

Jesus versammelte Menschen, die unterschiedlicher kaum sein konnten.

Und er lehrte sie, miteinander umzugehen, einander zu dienen und den Willen des Vaters zu tun.

Dabei verlangte er nicht, dass sie ihre Unterschiede einfach verleugneten.

Er verlangte, dass sie ihm nachfolgten.

In Johannes 13,35 lesen wir:

„Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“

Da steht nicht, dass wir in jeder politischen Frage dieselbe Meinung vertreten müssen.

Da steht auch nicht, dass wir alle denselben Charakter besitzen müssen.

Da steht, dass wir einander lieben sollen.

Und vielleicht sollten wir uns gerade heute wieder daran erinnern.

Denn die Einheit der Jünger bestand nicht darin, dass sie alle gleich waren.

Sie bestand darin, dass sie trotz ihrer Unterschiede einen gemeinsamen Herrn hatten.

Und deshalb meine Frage an die Christen unserer Zeit:

Wenn Jesus selbst Menschen mit so unterschiedlichen Ansichten und Charakteren in seine Gemeinschaft aufnahm, warum fällt es uns heute so schwer, andere Christen mit ihren Unterschieden anzunehmen?

Vielleicht sollten wir weniger darüber streiten, wer von uns den besten Platz im Reich Gottes bekommt.

Und stattdessen gemeinsam daran arbeiten, dass dieses Reich Gottes Wirklichkeit wird.

Denn genau dazu hat Jesus seine Jünger berufen.

Nicht zur Gleichförmigkeit, sondern zur Nachfolge.

Und nicht zum Kampf gegeneinander, sondern zur Liebe untereinander.

Bürgerreporter:in:

Hans-Georg Peitl

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