Rückblick - Damals vor 60 Jahren
Tanz bitte noch einmal mit mir...
- hochgeladen von Silke Dokter
Es wird derzeit überall getanzt, auf dem Semper Opernball in Dresden, auf dem Wiener Opernball und Let`s Dance gibt es demnächst auch wieder.
„Besser tanzen als marschieren!“ meinte die Schauspielerin Iris Berben auf dem Opernball in Dresden und wie Recht sie damit hat.
Aber es ist gar nicht so einfach über das Parkett zu schweben und sicher erinnert sich so mancher an die ersten Tanzstunden:
Es war im Frühling 1966, als ich mich entschloss in die Tanzstunde zu gehen, allerdings mussten noch die Eltern überzeugt werden, und das war keine leichte Aufgabe; denn die ahnten natürlich, dass mein Interesse mehr den Tanzpartnern galt, als dem eigentlichen Tanz. Und das war wohl auch so.
Letztendlich hatten die Eltern zugestimmt und auch meine Freundinnen hatten sich eingereiht und so spazierten wir erwartungsvoll, durch den erwachenden Frühling, in das Abendteuer Tanzen.
Ein wenig albern warteten wir vor dem Haus und beäugten kichernd die Jungen, die sich mächtig fein gemacht hatten und die reckten natürlich auch ihre Hälse und schickten teils freche aber auch bewundernde Blicke in unsere Richtung.
Dann wurde es ernst.
Mit einem Burschen an der Hand marschierten die sogenannten Damen über das knarrende Parkett. 6 Schritte vor, 6 Schritte zurück und das einige Male, dann wurde gewendet. War das langweilig.
Dann saßen wir Mädchen wie die Hühner auf einer Stange und warteten auf unser Schicksal:
„Nun fordern die Herren die Damen zum Tanz auf!“ rief die Tanzlehrerin und sofort schossen die beschlipsten Zweibeiner kreuz und quer durch die Gegend, um ihr Opfer zu holen, dass sie dann mit feuchten Händen, Mundgeruch und viel zu großen Schuhen quälten.
Ich senkte immer den Blick und da standen sie wieder vor mir, die grauen Schuhe und oben dran der Jüngling, der es immer wieder schaffte vor allen anderen da zu sein. Siegessicher lächelte er und ich fand ihn doof.
Die Tanzknaben die mir gefielen hatten sich für andere Mädchen entschieden und als der Abschlussball nahte, hatte ich keine Lust mehr auf dieses Abenteuer.
Das Thema Tanzstunde war für mich Geschichte, doch nicht für den hartnäckigen Tänzer mit den grauen Schuhen.
Wir waren über 40 Jahre glücklich verheiratet. Leider verstarb er viel zu früh.
Bürgerreporter:in:Silke Dokter aus Erfurt |
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