Rückblick - Damals vor 30 Jahren -
Anfang oder Ende ? - Teil 3 -
- hochgeladen von Silke Dokter
Die Frau die sich als meine Beraterin vorstellt, zwängt sich stöhnend hinter ihren Schreibtisch, blickt auf den Computerbildschirm und mustert mich über ihren Brillenrand.
„Ja“! sagt sie legt Wichtigkeit in ihre Stimme und erklärt mir, dass sie für mich keine Arbeitsstelle hat. Für die Arbeit als Sekretärin fehlen mit die Stenografie Kenntnisse und als Exportkauffrau das perfekte Englisch.
Ich hatte 20 Jahre als Exportkauffrau gearbeitet und mein Aufgabengebiet war der osteuropäische Markt. Nach der Wende brach der Markt weg und ich wurde zu einem Intensivenglischkurs geschickt, doch bevor der so richtig los ging wurde die Abteilung, wo ich zukünftig eingesetzt werden sollte, gestrichen und auch ich erhielt die Kündigung.
In den nächsten Tagen versuchte ich Gefallen an meiner Situation zu finden, ich begann mich einzurichten.
Ich bedauerte alle die, die morgens in aller Frühe zur Arbeit mussten, frühstückte lange und ausgiebig, erfreute mich an meiner sauberen Wohnung, redete mit den Zimmerpflanzen, ging am späten Nachmittag einkaufen und freute mich, wenn mir die Verkäuferin einen schönen Feierabend wünschte. Man sah es mir also nicht an, dass ich arbeitslos war.
Manchmal fuhr ich auch rastlos mit der Straßenbahn durch die Stadt, Menschen stiegen ein und aus, alle einem Ziel entgegeneilend.
Allmählich begann ich das Leben wie eine Außenstehende zu betrachten, ich hatte das Gefühl, dass ich nicht mehr dazugehörte.
Monate vergingen und die zahlreichen Bewerbungen die ich in nicht billigen Klarsichthüllen verschickte, kamen immer mit dem Vermerk zurück: - Überqualifiziert -.
Manche Unternehmen suchten aber jemand mit perfekten Buchhalterkenntnissen, und die konnte ich nicht vorweisen, bis auf die Kenntnisse die 1968 in der Berufsschule gelernt hatte.
(Später wird sich herausstellen, dass sich seit daher nichts verändert hatte, ich war sogar ziemlich perfekt darin).
Inzwischen hatte das Arbeitsamt ein neues Gebäude, viele freundliche Mitarbeiter und ich saß wieder einmal voller Erwartungen dort.
Teil 4 folgt
Bürgerreporter:in:Silke Dokter aus Erfurt |
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