Rückblick - Damals vor 30 Jahren -
Anfang oder Ende ? - Teil 1 -
- hochgeladen von Silke Dokter
„Nummer 68“! ruft eine durchdringende Stimme.
Die Worte kämpfen sich durch die stickige Luft, durch das gedämpfte Gemurmel, vorbei an neugierigen Blicken bis hin zu einer jungen Frau, die sich ruckartig von ihrem Stuhl erhebt.
Sie streicht ihren Rock glatt und hält einen Augenblick inne, bevor sie entschlossen in Richtung Stimme strebt.
Leise schließt sich hinter ihr die Tür.
Die Leute, die ihr für einen Augenblick nachsahen, blättern wieder in ihren Zeitschriften oder Unterlagen, andere sinnen vor sich hin.
Der lange Flur auf dem Arbeitsamt ist dicht besetzt. Er ist eine Übergangslösung und gehört eigentlich zu einer alten Fachschule; denn ein Arbeitsamt hatten wir noch nicht.
Nummer 83 steht auf meinem Abschnitt, das kann also dauern.
Eine grelle Neonlampe am Ende des Ganges flackert.
Arbeitslosigkeit, ein Wort das meine Generation nur aus den Geschichtsbüchern kannte, zum Thema Kapitalismus oder aus der Tageszeitung, wenn es darum ging auf die Zustände im Westen aufmerksam zu machen.
Großmutter meinte dann immer: „Die im Westen arbeitslos sind, die sind nur zu faul zum Arbeiten; denn Arbeit gibt es überall!“
Damit war das Thema auch schon erschöpft. Ich machte mir darüber weiter keine Gedanken. Was Großmutter sagte stimmte fast immer und außerdem, in der Zeitung stand so vieles was nicht der Wahrheit entsprach, jedenfalls wurde einiges immer mehr angezweifelt.
Eigenartig, 1989 nach der Wende, glaubte man von einem Tag zum anderen Alles was in der Zeitung stand.
Großmutter hat das alles nicht mehr erlebt und was würde sie dazu sagen, dass nun ihre Enkelin arbeitslos ist?
Teil 2 folgt
Bürgerreporter:in:Silke Dokter aus Erfurt |
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