Kolumne
Fachkraft für Wasserwirtschaft - der Beruf
- hochgeladen von Andreas Rüdig
Die Fachkraft für Wasserwirtschaft ist ein unbekannter staatlich anerkannter Ausbildungsberuf. Er ist auf die Bedürfnisse der öffentlichen Wasserwirtschafts- und Umweltverwaltungen in Deutschland zugeschnitten. Den Beruf gibt es seit dem Jahre 2000.
Ausbildungsplätze für den Beruf werden fast ausschließlich von der öffentlichen Hand angeboten, da in der Regel Ingenieurbüros und Tiefbaufirmen nicht den kompletten Ausbildungskatalog abdecken können. Die Ausbildung dauert drei Jahre und findet an den Lernorten Betrieb und Berufsschule statt. Es bestehen keine Spezialisierungen in Fachrichtungen oder Schwerpunkte.
Der Autor dieser Zeilen hat mal die Künstliche Intelligenz Chat GPT bemüht, was die Lage auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt anbelangt. Das Ergebnis sieht folgendermaßen aus:
Es handelt sich um einen sehr kleinen Ausbildungsberuf
Die wichtigsten Zahlen
Frage Ergebnis
Ausbildungsdauer 3 Jahre
Art anerkannter dualer Ausbildungsberuf
Ausbildungsanfänger nur wenige pro Jahr – bundesweit zuletzt Größenordnung unter 10
Auszubildende insgesamt ebenfalls nur sehr wenige
Arbeitsmarkt sehr kleiner Spezialberuf; keine Hinweise auf eine relevante Arbeitslosigkeit
Ausbildungsumfang bundesweit sehr geringe Zahl von Ausbildungsplätzen
Die BA beschreibt die Ausbildung als dreijährigen anerkannten Ausbildungsberuf in Industrie und öffentlichem Dienst. Beschäftigung gibt es insbesondere bei Wasserwirtschafts-, Umwelt- und Schifffahrtsbehörden, Wasserver- und -entsorgungsunternehmen sowie Ingenieurbüros.
Wie viele Personen üben den Beruf aus?
Hier muss man etwas vorsichtig sein: Eine aktuelle, frei zugängliche Zahl der tatsächlich Beschäftigten ausschließlich mit der Berufsbezeichnung „Fachkraft für Wasserwirtschaft“ wird von der BA nicht prominent ausgewiesen.
Das hängt auch damit zusammen, dass die Fachkräfte nach der Ausbildung Tätigkeiten übernehmen können, die statistisch anderen Berufsgruppen zugeordnet werden. Die Berufsgattung 31142 ist daher nicht einfach mit „allen Personen, die Wasserwirtschaft machen“ gleichzusetzen.
Als Größenordnung lässt sich aber sagen: Es handelt sich um einen sehr kleinen Beruf mit wahrscheinlich nur einigen hundert bzw. wenigen tausend Personen im gesamten deutschen Arbeitsmarkt, nicht um einen Beruf mit zehntausenden Beschäftigten.
Interessant ist zum Vergleich, dass das Statistische Bundesamt für die Berufsgruppe „Wasserwirtschaft – Fachkraft“ (KldB 31142) für April 2024 einen Median-Bruttomonatsverdienst von 4.189 € bei Vollzeitbeschäftigten ausweist. Das bestätigt, dass die Berufsgruppe statistisch erfasst wird.
Wie viele haben die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen?
Auch hier ist die Besonderheit die extrem kleine Zahl.
Das BIBB führt den Beruf unter der Berufskennziffer 31142 und stellt dafür eine eigene Berufsbildungsstatistik bereit.
Historisch waren die Zahlen tatsächlich winzig. Zum Beispiel gab es 2018 bundesweit lediglich 9 Auszubildende in diesem Beruf.
Auch ältere Statistiken zeigen die geringe Größenordnung: 2017 waren beispielsweise in Nordrhein-Westfalen nur 9 Auszubildende registriert (3 Industrie/Handel und 6 öffentlicher Dienst).
Wichtig: Daraus darf man nicht schließen, dass heute nur neun Personen den Beruf ausüben. Die neun waren nur die zu diesem Zeitpunkt laufenden Ausbildungsverhältnisse in NRW bzw. die entsprechende Statistikposition.
Bei den Abschlussprüfungen sind ebenfalls sehr kleine Zahlen typisch. So wurden beispielsweise 2017 in Hessen drei erfolgreiche Absolventen als Fachkräfte für Wasserwirtschaft gemeldet.
In welchem Umfang wird ausgebildet?
Sehr wenig. Das ist vermutlich die wichtigste Erkenntnis für deine Fragestellung.
Der Beruf ist bundesweit zwar anerkannt, wird aber nur von wenigen Betrieben bzw. Behörden ausgebildet. Aktuell findet man beispielsweise einzelne Ausbildungsangebote bei Wasserverbänden und Kommunen. Die LINEG bietet eine dreijährige Ausbildung an; auch der Niersverband schreibt Ausbildungsplätze aus.
Die Bundesagentur für Arbeit listete bei der aktuellen Abfrage 9 Ausbildungsstellen für diesen Beruf.
Das ist im Vergleich zu großen Ausbildungsberufen verschwindend wenig.
Ein Beispiel aus Nordrhein-Westfalen: Der Niersverband bietet für den Ausbildungsbeginn 2027 zwei Ausbildungsplätze an.
Sind Fachkräfte für Wasserwirtschaft arbeitslos?
Nach dem verfügbaren Datenbild: Es gibt kein Anzeichen für eine nennenswerte Arbeitslosigkeit in diesem Beruf.
Man muss allerdings aufpassen: Bei einem so kleinen Beruf werden konkrete Arbeitslosenzahlen teilweise aus Datenschutzgründen gar nicht veröffentlicht bzw. können statistisch sehr volatil sein.
Die geringe Zahl der Ausbildungsabsolventen trifft auf einen relativ speziellen Arbeitsmarkt mit Einsatzmöglichkeiten bei:
• Wasserwirtschafts- und Umweltbehörden
• Wasserverbänden
• Kommunen
• Wasserver- und Abwasserentsorgungsunternehmen
• Ingenieur- und Planungsbüros
• Schifffahrtsverwaltungen
Die BA nennt genau diese Arbeitgeberbereiche.
Außerdem gibt es aktuell weiterhin Ausbildungsangebote und Stellenausschreibungen für den Beruf. Beispielsweise werden 2026/27 Ausbildungsplätze bei Wasserverbänden und Kommunen angeboten.
Das Berufsbild umfasst die Tätigkeiten der Planung, des Baus, des Betriebs und der Instandhaltung von Anlagen der Wasserver- und Entsorgung sowie die Durchführung von Gewässerproben. Hierfür sind bautechnische Berechnungen, Konstruktionen, Vermessung Baurechtschaffung und die Berücksichtigung des Naturschutzes nötig.
(fiktiver Teil)
Die Stadt Duisburg hat zwar tatsächlich Bedarf an Fachkräften für Wasserwirtschaft, bildet aber nicht aus. „Das muß sich ändern!“ fordert Yesillerix von der WABE – Wanheimer Anti-Binären Erweckungsbewegung. Sein Ansatz: „Wir bilden über Bedarf leiten die überzähligen Nachwuchskräfte weiter und bekommen das Geld für die Ausbildung zurück.“
Gesagt getan. Duisburg bildet 10 Nachwuchskräfte als Fachkräfte aus. Die Stadtverwaltung möchte nach (natürlich erfolgreichem) Abschluß der Bildungsmaßnahme Teilnehmer an die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt Düsseldorf abgeben. Doch es kommt Protest von der südlichen Nachbarstadt. „Viel zu teuer!“ heißt es von dort. „Die Leute sind überqualifiziert. Wir könnten Hilfsarbeiter besser gebrauchen.“
Was also tun? „Wir haben die Nachwuchskräfte an die staatliche Wasserstraßenverwaltung abgegeben. Dort ist man wenigstens immer an qualifizierten Personal interessiert,“ berichtet Yesillerix.
Das beigefügte Foto ist ein Symbolfoto.
Bürgerreporter:in:Andreas Rüdig aus Duisburg |
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