Schauspiel Duisburg überzeugt durch Vielfalt
„Theater ist ja richtig cool“
- Gute Laune, große Vorfreude und dennoch Wehmut gab es bei der Vorstellung des Schauspielprogramms für die kommende Spielzeit im Theater Duisburg. V.l. Theaterpädagogin Katharina Böhrke, Bürgermeisterin Edeltraud Klabuhn, Verwaltungsleiterin Antonina Silberkuhl und Intendant Michael Steindl.
Foto: Ilja Höpping / Stadt Duisburg - hochgeladen von Reiner Terhorst
Das Theater Duisburg ist längst mehr als ein bloßes „Aufführungshaus“, sondern ein Treffpunkt, Erlebnis- und Diskussionsort mit „gesellschaftlicher Tiefenwirkung“, und das sogar generationenübergreifend.
Genau das wurde bei der Vorstellung des Schauspielprogramms für die Spielzeit 2026/27 durch Bürgermeisterin Edeltraud Klabuhn, Schauspiel-Intendant Michael Steindl, Verwaltungsleiterin Antonina Silberkuhl und Theaterpädagogin Katharina Böhrke deutlich. Rückblicke, Ausblicke, Motivierendes, aber auch kritische Untertöne machten Appetit auf mehr.
Dass in der jüngsten Vergangenheit viele junge Menschen dem Duisburger Schauspiel nahezu die Bude einrennen, ist ein Signal für die Zukunft. So hallt noch der Satz eines jungen Besuchers nach: „Theater ist ja gar nicht öde, sondern richtig cool.“ Maßgeblichen Anteil daran hat das junge Ensemble „Spieltrieb“.
Und das eröffnet die neue Spielzeit am 26. September im Foyer III mit der Premiere von „Die Laborantin“. Leichtfüßig und beklemmend zugleich ist das von Intendant Michael Steindel in Szene gesetzte das Stück von Ella Roads, in der ein einfacher Bluttest über das Schicksal der Menschen entscheidet.
"Herz in der Hand"
Auch der Liederabend „Herz in der Hand“ mit Chansons über die Liebe von Weber-Beckmann trifft im Vorfeld auf großes Interesse. Christiane Weber erlag 2012 mit nur 36 Jahren einem Krebsleiden. Steindl möchte ihren besonderen Chansons noch einmal Gehör verschaffen. Premiere feiert der Abend im Januar 2027 im Opernfoyer.
Die Vielfalt des Jungen Theaters in Duisburgs ist faszinierend. Das Engagement und Interesse junger Leute, nicht zuletzt inspiriert durch den Einsatz von Theaterpädagogin Katharina Böhrke, zeigt Wirkung. Besonders freuen kann man sich auf zwei Neuproduktionen. „Eulenspiegel“, geht im November an den Start, und im April kommenden Jahres geht der Vorhang für „Kind aus Seide“ auf. Zudem sind die Weihnachtsmärchen mit „Die drei ??? Kids – Zirkus der Rätsel wieder gesetzt.
Darüber hinaus hat Böhrke nach dem überwältigenden Erfolg von „Stabil, Habibi!“ mit 33 Vorstellungen und über 2.000 Zuschauern gemeinsam mit Duisburger Jugendlichen ein weiteres Stück entwickelt: „Digga, was das??“. Hier wird aufgezeigt, mit welchen Problemen Jugendliche heutzutage zu kämpfen haben.
Renommierte Bühnen
Fester Bestandteil des kommenden Schauspielprogramms sind erneut die Gastspiele renommierter Bühnen. Das Berliner Ensemble ist mit der gefeierten Komödie „Kunst“ und mit „De Profundis“, Oscar Wildes sprachgewaltigem Versuch, sich durch die Kunst das Leben zurückzuerobern, an Bord.
Das Thalia Theater Hamburg bringt Christian Andersens „Die Kleine Meerjungfrau“ in einer abenteuerlich-lebendigen Inszenierung mit der Hamburger Drag-Szene auf die Große Bühne. Ein Hauch von St. Pauli weht durch Duisburg. Auch das Westfälische Landestheater Castrop-Rauxel bereichert die Spielzeit mit zwei Gastspielen: „Harold und Maude“ sowie „Songs for an Oscar“.
Im Rahmen des Theatertreffens der 48. Duisburger Akzente unter dem Motto „Ab ins Freie!“ präsentiert das Staatsschauspiel Dresden die Premiere von Henrik Ibsens „Hedda Gabler“ in der Regie von Alexander Vaassen. Die Dresdner „Vorzeigebühne“ ist zudem mit William Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ vertreten. Mit von der Partie sind auch die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz und das Theater R.A.B. aus Freiburg.
Dankbares Wiedersehen
Fester Bestandteil des Programms bleiben auch in der kommenden Spielzeit das Maskentheater von Familie Flöz sowie das Figurentheater für Erwachsene mit Live-Musik von Bühne Cipolla. Zusätzlich gibt es ein Wiedersehen mit zahlreichen Publikumslieblingen der vergangenen Spielzeiten, darunter „Being Freddie Mercury“, „Der Kissenmann“ und „Der Kontrabass“. Die beliebten Liederabende „Hans Albers – sein Leben, seine Lieder“ und „So oder so ist das Leben – Eine Hommage an Hildegard Knef“ kehren ebenfalls zurück.
Bei der Programmvorstellung gab es neben viel Vorfreude auch wehmütige Momente, den die bevorstehende Spielzeit wird zugleich die letzte unter der künstlerischen Leitung von Michael Steindl sein, der die Sparte Schauspiel am Theater Duisburg über zwei Jahrzehnte hinweg entscheidend, nachhaltig und zukunftsweisend gestaltet und geprägt hat. Als letzte Vorstellungen hat er im Juli 2027 noch einmal seine Herzensprojekte „Event“ und „Fucking Lonely“ in den Spielplan genommen.
Das vollständige Programm der Spielzeit 2026/27 und Karten für alle Vorstellungen gibt es im Internet unter www.theater-duisburg.de. Karten gibt es auch telefonisch unter 0203 / 283 62100 und in der Theaterkasse am Opernplatz.
Kommentar:
„Brutalste Kostendebatten“
Die städtischen Kassen sind leer. Auch die in Duisburg. Es muss dringend gespart werden. Und es wird gespart, was das Zeug hält. Da schweben Kürzung oder gar Streichung von freiwilligen Leistungen wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der politischen Entscheidungsträger.
Und stets werden Stimmen laut, die Mittel für das Theater zu kürzen, denn das würde ja sowieso nur von einer elitären Minderheit besucht. Denkste, denn die Zahlen des Duisburger Theaters sprechen eine andere Sprache. Die jetzt zu Ende gehende Spielzeit beim Schauspiel lockte über 21.000 begeisterte Menschen ins Theater. Schauspiel-Intendant Michael Steindl platzte bei der Programmvorstellung für die kommende Spielzeit regelrecht der Kragen. Er sieht „brutalste Kostendebatten“ auf das Theater zukommen, und das völlig zu Unrecht.
„Wir sind keine Hochkultur, aber es wird stets behauptet, dass wir elitär seien“, sagte er und hatte genug Beispiele für das Gegenteil parat, darunter auch die Besucherzahlen. Vor allem aber wies er auf die theaterpädagogische und gesellschaftspolitische Leistung hin. Da gibt es unzählige Besuche in den Duisburger Schulen. Stücke werden erklärt, die Bedeutung von Kultur und Bildung mit Leben gefüllt. Kinder mit Flüchtlings- und Migrationshintergrund, auch mit enormen Sprach- und Verständnisschwierigkeiten, erhalten wertvolle Hinweise und Motivationen. Das ist erlebte und gelebte Integration. Steindl hat Recht, wenn er sagt, dass durch diese kulturelle Sozialarbeit die Stadt jeden Cent, den sie investiert, fünffach zurückbekommt.
Und wenn Bürgermeisterin Edeltraud Klabuhn berichtet, dass der gesamte Duisburger Kulturetat lediglich 1,7 Prozent aller städtischen Aufwendungen beträgt, muss man feststellen: „Hier kann, hier darf man nichts mehr wegnehmen“.
Reiner Terhorst
Bürgerreporter:in:Reiner Terhorst aus Duisburg |
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