Jahresrückblick
Ein kleiner Ausblick
- Blacky
- Foto: privat
- hochgeladen von Sabine Pollok
Liebe Leserinnen und liebe Leser,
ich heiße Sie herzlich willkommen im letzten Tagebucheintrag der Jahres 2025.
Normalerweise sind Sie es gewohnt, dass um diese Zeit im Jahr ein Jahresrückblick im Tagebuch erscheint, ich oder vielmehr der Schützling, der oder die gerade das Tagebuch in den Pfoten hat, einen Blick auf all die Ereignisse wirft, die das Tierheim bewegt und geprägt haben.
Es ist wirklich sehr viel passiert in diesem Jahr, abgesehen von der Schließung des Tierheim. Wir konnten für sehr viele Tiere ein gutes neues Zuhause finden, konnten die Schützlinge, die wir nicht mehr in unserem Tierheim unterbringen durften, über Pflegestellen vermitteln und können stolz sagen, dass wir einen guten Job gemacht haben.
Wir stehen nach wie vor mit etlichen Ehemaligen und deren Familien in Kontakt und es tut gut zu hören, dass diese Menschen dankbar sind und es unseren Bewohnern in ihren neuen Leben gut geht.
Blacky, Dana ehemals Loredana, Frieda ehemals Ellen, Bonny und Lucia sind nur ein kleiner Auszug aus unseren Erfolgsgeschichten 2025.
Sissi hat sich auch gut in ihrem neuen zu Hause eingelebt und ihre Familie hat uns auf dem Höchstädter Weihnachtsmarkt von ihr vorgeschwärmt. Wer hätte gedacht, dass sich mehr Menschen - nicht nur wir - derart für diesen kleinen Charakterkopf begeistern können. Wie schön ist es dann auch, wenn man auf Familien trifft, die vor einer gefühlt endlos langen Zeit, einen Hund adoptiert haben - auch einen dieser ganz besonderen Hunde, über die man immer wieder nachdenkt. Finn ist einer dieser ehemaligen Schützlinge und es ist schön zu sehen, dass er in Ruhe alt geworden ist und trotzdem noch immer seine Abenteuer erleben kann.
In meiner nun recht langen Zeit mit dem Tierheim Höchstädt habe ich viele Geschichten erlebt ... viele kleine und große Wunder, viele herzzerreißende Verluste und manche nie heilenden Wunden davon getragen.
Das Leben in einem Tierheim ist nicht einfach und damit meine ich nicht nur für die Tiere, die dort Zuflucht finden. Ein Tierheim ist keine Endstation, keine Hölle, keine Strafe für diese Tiere, es ist der Anfang einer großen neuen Möglichkeit. Aber es ist nicht leicht. Der Geräuschpegel ist hoch, selbst für die stärksten Nerven manchmal schwer zu ertragen. Das Rennen im Zwinger ist keine Bewegung, das ist Ausdruck von Stress. Die Zeit im Auslauf oder beim Gassigehen sind absolute Highlights und Besucher sollten Freunde sein und nicht noch mehr Druck mit sich bringen.
Wir, wie auch alle anderen Tierheime haben genau damit zu kämpfen.
Die Zeit hat sich geändert, der Mensch hat sich geändert. Er hat keine Zeit mehr, keine Nerven, keine Ruhe. Das Tier soll am besten gleich beim ersten Treffen perfekt sein, keine Ansprüche stellen und keine Arbeit machen und wenn man dann als Vertreter dieses Tieres darauf hinweist, dass das nicht realistisch ist, wird man beschimpft und sogar bedroht.
Ja, das ist die Realität der Menschen, die in einem Tierheim arbeiten und für die Tiere dort einstehen.
Es ist nicht leicht, in einem Tierheim zu leben und es ist eine Berufung als Mensch dort für diese Tiere die Stimme zu sein.
Ich habe vor ein paar Tagen einen Brief eines Tierheims an seine Besucher gelesen, der mich sehr getroffen hat, aber leider auch bekannt vor kam. Kurz zusammengefasst hat das Tierheim gebeten, sich im Tierheim rücksichtsvoll und anständig gegenüber den Tieren zu benehmen, da ansonsten die Tiere nicht mehr besucht werden können.
Der Mensch hat sich geändert und in vielen Fällen nicht gerade zum besseren. Der Erfolgsdruck, die Schnelligkeit mit der sich die Welt ändert, fordert ihren Tribut und leider neigen Menschen dazu, ihre Überforderung oder Unzufriedenheit an den Schwächeren auszulassen.
Wir, die wir uns für Tierheime und in Tierheimen engagieren, erleben diese Entwicklung sehr deutlich und es ist keine schöne Erfahrung. Aber wir sind ein Schutzwall für die Lebewesen, sie sich selbst nicht wehren können und in unserer Obhut gelandet sind. Das macht uns nicht zu besseren Menschen, es ist kein Wettbewerb, wer besser oder schlechter ist.
Es sollte nur ein miteinander und füreinander geben und dieses "FÜREINANDER" bezieht sich nicht einmal auf uns Menschen.
Ich kann hier nur für mich reden, aber ich habe noch nie in meinem Tierheim geholfen, weil ich der Menschheit einen Gefallen tun wollte.
Als ich vor 19 Jahren ins Tierheim nach Höchstädt ging, wollte ich Gassigehen, ich wollte einem Hund, der sonst den ganzen Tag in seinem Zwinger sitzt, die Welt da draußen zeigen. Ich wollte keine neuen Freunde finden oder eine übergroße Leidenschaft, die mich Tag und Nacht beschäftigt.
Ich wollte einem Hund helfen.
Dabei war es mir egal, ob ein er oder eine sie, groß oder klein, alt oder jung, gesund oder krank, schüchtern oder überschwänglich ... ich wollte nur helfen und habe sehr schnell gemerkt, wie unwichtig mein eigenes "Ich" dabei ist.
Konnte der Hund keine langen Mäntel leiden, hatte gar Angst davor, dann gab es eine kurze Winterjacke. Gab es Probleme mit Mütze oder Sonnenbrille, dann blieben die eben im Auto. Hieß kuscheln einfach nur nebeneinander sitzen und die Welt da draußen beobachten, dann war das auch gut so.
Ich habe alle erdenklichen Charaktereigenschaften kennen und lieben gelernt, ich habe mich sogar als anfänglicher reiner Hunde-Mensch in Katzen verliebt und weiß noch zu genau, welch unbeschreibliches Gefühl das war, als sich das erste Mal eine so genannte wilde Katze auf meinen Schoß gesetzt und geschnurrt hat. Gut, ich habe zwar fast mit dem Atmen aufgehört und mir überlegt, wie viele Finger ich wirklich brauche, aber dieses Kompliment, dieses Vertrauen war eine unfassbare Auszeichnung.
Nein, ich bin nie in mein Tierheim gekommen und habe mir überlegt, was ich heute für die Menschheit tun kann, ich habe meine Gedanken und meine Probleme vor der Tür gelassen und habe mich auf das konzentriert, was entscheidend ist: das Wohl der Tiere.
Ja, wir brauchen ein Tierheim in Landkreis Dillingen und wir brauchen Menschen, die diesen Schritt des Neuanfangs nun gehen wollen.
Aber wir brauchen auch viel mehr Menschen, die nicht fragen, was sie davon haben, wenn sie ein Tierheim unterstützen, sondern die einfach nur fragen: "was kann ich tun, wie kann ich helfen?".
Ich möchte mich an dieser Stelle für all die Jahre bedanken, die das Tagebuch treue Leser gefunden hat und hoffe, dass ich Sie hin und wieder unterhalten habe.
Haben Sie schöne Weihnachten und erholsame Feiertage und wenn Sie arbeiten müssen, dann hoffe ich, dass Sie jemanden haben, der Ihnen dennoch eine schöne Weihnachtszeit bescheren kann. Passen Sie auf sich und Ihre Lieben auf, rutschen Sie gut und sicher ins neue Jahr.
Wir sehen uns wieder im Jahr 2026.
Vergessen Sie uns nicht.
Ihre
Sabine Pollok
P.S. Bitte vormerken: geplante Mitgliederversammlung des Tierschutzverein Dillingen e.V. am 22.01.2026 um 19 Uhr Höchstädter Spitalforum.
Bürgerreporter:in:Sabine Pollok aus Dillingen |
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