Goldschmuck
Die Geschichte vom Prinzengold
- Bild aus einem fast Tausend Jahre alten Buch mit echtem ganz dünn geklopftem Goldblech (Blattgold) im Hintergrund. Frauen haben in diesen Rittermärchen die Fähigkeit auch wilde Tiere zu besänftigen. Der Ritter im Kriegsgewand möchte sie dagegen töten.
- hochgeladen von Haus der Kulturen michael stöhr
Märchen handeln meist immer von Prinzessinnen, Königen und jungen hübschen Helden, die dann um die Hand der Prinzessin anhalten. Nun ich will Euch eigentlich ja gar kein Märchen zusammen spinnen. Aber trotzdem fängt meine Geschichte so an:
In einem Königreich vor langer Zeit war kein männlicher Nachfolger geboren worden, der als Erbe des alten Königs das Land hätte regieren können. Das macht ja nun wirklich auch absolut gar nichts aus, denn junge Königinnen regieren ja meistens auch viel überlegter und auf das Wohl des Volkes hin ausgerichtet. Sie bringen meist auch nicht so viel unsinnige Kriege wie mancher männliche Herrscher über ein Land. Frauen bekommen Ihr Sozialverhalten ja aus der besonders nahen Beziehung zu den Kindern und Kriege sind für Kinder und die nächsten Generationen ja immer das Allerschlechteste, was passieren kann. Das ist sicher eine Tatsache, die man oder frau aus der Geschichte beweisen könnte.
Nun in unserer Geschichte war aber leider alles so, wie man das aus Geschichten kennt: Der alte König hatte das Recht auf seiner Seite: Denn als die junge Prinzessin kaum erwachsen geworden war, ging das Suchen nach einem Schwiegersohn los, der all die königlichen Tugenden wie spitzensportlich, Kampfes erprobt im Krieg, superreich und so weiter, als Bester vor Allen anderen Bewerber um dieses Amt vorweisen würde. So ließ er denn wie in allen anderen Märchen auch verkünden: Ich gebe meine Tochter und das halbe Königreich dem Bewerber, der mir in diesen Tugenden am Besten abschneidet.
Das ist wie immer natürlich ein doppelter großer Trugschluss, weil ihm erstmal seine Tochter nicht gehörte: Die gehörte, wenn überhaupt jemandem, dann ja nur sich selber…. und das Königreich gehörte zweitens ja am ehesten dem Volk, das dort lebte und arbeitete. Wie auch immer in den meisten überholt alten Märchen war das dort aber leider noch so. Denn nun kamen von weither viele Prinzen und adelige Leute, die zwar vor lauter Trägheit sich beim Arbeiten Muskeln und Geschicklichkeit an zu eignen, meisten ziemlich lasch und ungeschickt, geworden waren. Dafür hatten sie meist aber ein ziemlich großes Säckchen Gold oder Edelsteine aus dem angehäuften Schatz Ihrer Väter mit im Gepäck.
Natürlich hatte die Prinzessin schon einen Freund oder eine Freundin, ja sogar viele Freunde oder Freundinnen, von denen jede Ihr wesentlich lieber waren als all die herbei gereisten superreichen Taugenichtse. Leider fehlte aber allen aus Ihrem Freundeskreis das vom König angeforderte Gold. Gold, dessen Sinn und Zweck ohnedies nicht jedem irgendwie auch im geringsten einleuchten mag, außer damit zu protzen, ist leider trotz all seiner Nutzlosigkeit im Alttagsleben nicht leicht und schnell zu beschaffen. Wenn man es freilich heute braucht für Handies oder ähnliches ,reicht meist ein hauchdünner Überzug und der kostet deshalb fast nichts. Für den einfältigen König war es aber der Inbegriff von Reichtum und der wiederum schien ihm der wahre Sinn des Lebens.
Zwischen Königen seiner Art gab es also auch eine Art Wettstreit, wer denn am meisten Gold während seines Lebens zusammenraffen könnte. So investierte man zunächst auch viel Gold in selbsternannte Wissenschaftler, die Alchemisten, die vorgaben, in Ihrer Geheimküche aus fast wertlosen Materialien Gold herstellen zu können. Ein anderes Forschungsziel war es dann auch mit anderen Geheimrezepten, dem Wasser des Lebens oder dem Stein der Weisen , das Leben des Königs unendlich zu verlängern, damit er noch mehr Zeit dazu bekäme, Gold zusammen zu raffen.
Natürlich klappte das nicht wirklich außer vielleicht mit dem Stein der Weisen. Da konnten die Wissenschaftler zumindest dann sagen: Siehst Du König, nachdem Du ein bisschen davon gegessen hast, bist Du schon ein wenig klüger und hast gesehen, dass das alles ja gar nicht funktionieren kann. Meist kamen diese Alchemisten, wie man solche Wissenschaftler nannte, aber gar nicht mehr dazu dem König das so schlau zu erklären, denn für Ihr Versagen kam schnurstracks die Todesstrafe.
Das klappte also nicht wirklich mit der Herstellung von echtem Gold. Aber es wurde ganz fleißig ganz viel an Mischungen der unterschiedlichsten Materialien gearbeitet und wahrscheinlich hätten wir heutzutage nicht ganz so viel an wichtigen und großen wissenschaftlichen Erkenntnissen, wenn die Leute damals nicht schon so viel ausprobiert und damit einen kleinen Anfang gemacht hätten.
Was man damals aber schon mal herausgebracht hatte, war: Man braucht zu Allem meist Hitze, also Energie. Ein ganz wichtiges Element bei den damaligen Versuchen war also gelber Schwefel, den man am Rande von Vulkanen fand. Der brennt angezündet ab wie der Teufel. Deswegen hat man damals auch oft gesagt, wenn es nach Schwefel stinkt, muss es einen Teufel geben. Wir wissen, das ist natürlich nicht so. Denn einen Teufel gibt es genauso wenig wie Gespenster und wenn dann höchstens in unseren Träumen, wenn uns irgendwer davon erzählt hat und all das in unsere Träume hinein gedacht wird.
Um Gold herbei zu zaubern oder im gläsernen Reagenzkolben künstlich her zu stellen, hat man damals versucht, Silberstaub mit Schwefel zu verbrennen: der war etwas günstiger als Gold. Das hat aber nicht zum Erfolg geführt, auch nicht mit Kupfer, Blei oder Messing. Einige haben das Allerbilligste genommen, nämlich Kuhfladen. Das hat super gestunken, war aber auch nicht das Richtige. Weil man aber nicht wollte, dass jemand die geheimen Rezepturen einfach klaut, hat man die aufgeschriebenen Mixturen nicht mit den Begriffen Gold oder Silber, sondern mit dem Bild eines jungen Königs oder Prinzen für Gold und einer Königin oder Prinzessin für Silber dargestellt. Ein Ritter in seiner Eisenrüstung wurde dann freilich auch statt des Wortes Eisen, ein schnelles flüchtiges und so seltsames Einhorn für das immer flüssige, giftige und schnell verdunstende Metall Quecksilber ins Bild gebracht.
Als dann einer der Alchemisten, vielleicht war das sogar am Hofe unseres goldsüchtigen Königs, einfach alten rostigen Eisenstaub dem brennenden Schwefel beigegeben hat, da hat es schrecklich geknallt. Im Gesicht des Möchte-gern-Wissenschaftlers, das von der Explosion ziemlich verbrannt und angeschwärzt war, machte sich trotz der Verletzung ein breites Grinsen zwischen den herausleuchtenden roten Lippen breit: Denn im Experimentiertopf war ein goldener Sand zu sehen. Gleich wurde daran weiterexperimentiert. Den Sand konnte man aber leider nicht schmelzen und zu wertvollen Gold-Münzen pressen, er sah aber sonst durchaus wie echtes Gold aus. Nun für unsere Freunde oder Freundinnen der Prinzessin war eine ganze große Kiste voll solches „Prinzengold“ natürlich völlig ausreichend, um im Wettstreit gegen die anderen den dummen König zu überzeugen.
Mittlerweile findet man längst auch schöne würfelförmige goldglitzernde Kristalle dieses Minerals aus Schwefel und Eisen oder zwölfflächige Kristalle aus lauter Fünfecken. Also braucht man auch gar keine so gewagten Experimente oder gar solche zu schrecklichen Verbrennungen führenden Explosionen mehr anzustellen.Es sind ja früher viele Möchtegernwissenschaftler auch bei den Explosionen in die Luft geflogen und gestorben. Der wissenschaftliche Name warnt schon: Pyrit, der mit dem Feuer kommt (Altgriechisch meint Pyr das Feuer).
Diese Kristalle kann man mit einem Loch versehen und schön zu einer Kette auffädeln. Natürlich sind diese Goldketten viel billiger wie echte Goldketten. Für die Goldgewinnung in Afrika und anderen weniger reichen Ländern mussten viele Leute ganz schwer schuften und viele wurden wegen Gold auch über viele Jahrhunderte hinweg immer wieder umgebracht. Wer unbedingt damit protzen muss, kann das freilich mit Pyrit-ketten genauso gut. Wem Reichtum nicht so wichtig ist wie dem dummen König,der hat trozdem schönen Schmuck. Denn eigentlich schauen sie ja sogar noch schöner aus wie echte Goldketten. Da wird endlich dann jeder, der will, auch ohne viel Geld zu einem Prinzen oder einer Prinzessin, finde ich.
Bürgerreporter:in:Haus der Kulturen michael stöhr aus Diedorf |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.