DAnon
Museum Kurhaus Kleve

Thomas Baumgärtel tourt bekanntlich derzeit mit seiner NiederrheinTour 2026 durch die Region und macht auch in Kleve Station, im Museum Kurhaus Kleve, um genau zu sein.

Das Museum gehört nach eigenen Angaben zu den wichtigsten Kunstmuseen in Deutschland. Es liegt in der nordrhein-westfälischen  Grenzregion zu den Niederlanden. Seine Wahrnehmung wird nach Worten des Museums durch die singuläre Verknüpfung von historischer Parklandschaft, klassizistischer Architektur sowie international ausgerichtetem Programm geprägt.

"Die Werkgruppe „Künstlerbananen – Hommagen an große Künstler“ von Thomas Baumgärtel stellt ein vielschichtiges Projekt dar, in dem ein einziges Motiv – die Banane – zum Medium stilistischer Übersetzung, ironischer Brechung und ikonographischer Transformation wird. Baumgärtel, der die Banane seit den 1980er Jahren als sein künstlerisches Signet etabliert hat, nutzt sie hier nicht nur als wiedererkennbares Markenzeichen, sondern als variables Bildinstrument, das kunsthistorische Positionen, Handschriften und Künstlerpersönlichkeiten absorbiert und neu codiert.

Im Zentrum steht die Banane als ikonisches Zeichen. Sie fungiert zugleich als Autorsignatur, als popkulturelles Symbol und als Projektionsfläche kunsthistorischer Referenzen. In den „Künstlerbananen“ wird sie zum Substitut für Porträt, Figur oder Stillleben; sie ersetzt nicht nur Motive, sondern verkörpert stilistische Identitäten. Dadurch entsteht ein komplexes Spiel zwischen Wiedererkennbarkeit und Transformation: Der jeweilige Stil bleibt identifizierbar, wird jedoch durch die formale Dominanz der Banane gebrochen und humorvoll verschoben.

Baumgärtel arbeitet mit Verfahren der Appropriation und der stilistischen Mimikry. Expressionistische Gestik, konstruktive Abstraktion, Pop-Art-Ästhetik oder Street-Art-Ikonographie werden präzise zitiert und zugleich ironisiert. In geometrisch konstruierten Varianten wird die organische Krümmung der Banane in ein rationales System aus schwarzen Linien und Primärfarben überführt – eine augenzwinkernde Konfrontation von Naturform und modernistischer Ordnung. In anderen Arbeiten erscheint sie als Silhouette eines rebellischen Sprayers, als Anspielung auf subversive Bildstrategien der Street Art: Die Geste bleibt, doch das ursprünglich politische Objekt wird durch die Frucht ersetzt und in eine humorvolle, zugleich selbstreflexive Bildaussage transformiert.

Charakteristisch ist dabei das Prinzip der Metamorphose. Die Banane wird zur Figur, zur Porträtform, zum abstrakten Zeichen oder zum Bildträger, in dessen Kontur kunsthistorische Motive eingeschrieben sind. Sie dient als formales Gerüst, das fremde Bildwelten aufnimmt und zugleich vereinheitlicht. Diese Transformationen erinnern an postmoderne Strategien der Zitatkunst, ohne jedoch in bloße Parodie zu kippen. Vielmehr zeigt sich eine genaue Kenntnis der jeweiligen Vorbilder; die Hommage entsteht aus der Präzision des Zitats, während die Ironie aus der motivischen Reduktion resultiert. Zugleich reflektiert die Werkgruppe Fragen von Autorschaft und Markenbildung. Die Banane ist längst ein künstlerisches Logo geworden – ein wiedererkennbares Emblem im Kunstbetrieb. Indem Baumgärtel andere Künstlerstile in sein eigenes Signet integriert, überlagern sich individuelle Handschrift und Markenzeichen. Das Verhältnis von Original und Zitat, von Identität und Wiederholung, wird dadurch thematisiert. Die „Künstlerbananen“ kommentieren implizit die Mechanismen des Kunstmarktes, in dem Stil zur Marke und Wiedererkennbarkeit zum ökonomischen Wert wird.

Nicht zuletzt spielt der Kontext eine Rolle. Die häufige Anmutung urbaner Oberflächen – Backstein, bröckelnder Putz – verbindet museale Präsentationsformen mit Street-Art-Ästhetik. Goldrahmen treffen auf gesprayte Wandfragmente; Hochkultur und Subkultur werden ästhetisch ineinander verschoben. Diese Hybridität verweist auf die Durchlässigkeit kultureller Hierarchien seit der Postmoderne.

Insgesamt erweisen sich die „Künstlerbananen“ als konzeptuell stringente Untersuchung darüber, wie Kunstgeschichte visuell erinnert und zugleich transformiert werden kann. Die Banane fungiert als konstantes, aber flexibles Zeichen, das unterschiedliche stilistische Systeme durchläuft und dabei deren Charakteristika sichtbar macht. Hommage und Ironie stehen nicht im Widerspruch, sondern bilden ein produktives Spannungsfeld: Kunstgeschichte erscheint hier nicht als abgeschlossenes Narrativ, sondern als lebendiges Reservoir von Formen, das sich in einem einzigen, ikonisch verdichteten Motiv immer wieder neu artikuliert," beschreibt das Museum diese Sonderausstellung in seinem Weltnetzauftritt. Und bietet in diesem Umfang und in seiner Gründlichkeit eine Besonderheit, die nicht jeder Haltepunkt der Baumgärtel`schen Rundreise bietet.

Machen wir uns also auf den Weg nach Kleve. Mit Bus & Bahn, wie üblich, wie gewohnt mit den Einschränkungen, die die Deutsche Bahn AG zu bieten hat.

Die Bushaltestelle "Museum Kurhaus / Tiergarten" liegt direkt vor der Haustüre und wird von der Buslinie SB 85 angesteuert. Es gibt auch einen Parkplatz für Personenkraftwagen.

Der Haupteingang ist nicht barrierefrei; es gilt einige Treppenstufen zu überwinden. Mobilitätseingeschränkte Besucher sollten also vorher abklären, wo sich der Eingang für Rollstuhlfahrer befindet.

Das Museumsgebäude hat die Form eines langgezogenen Schlauches. Dementsprechend sollte der Besucher gut zu Fuß sein.

Der Kassenbereich ist mit dem Museumsladen verknüpft. Der Museumsladen ist ausbaufähig. Es gibt weder einen gedruckten Museumsführe (nach einer aktustischen Variante sollte man gar nicht erst fragen) noch Material zu Ewald Mataré, Joseph Beuys oder anderen Ausstellungsbereichen. Es möchte ja schließlich nicht jeder Besucher Ausstellungskataloge lesen ...

Die Sanitäranlagen befinden sich im Kellergeschoß und in einem guten Zustand. Doch nun genug der Präluminarien - auf geht`s in den Ausstellungsbereich.

Im Juli 2026 ist im Erdgeschoß eine Sonderausstellung mit Werken von Eberhard Havekost (Titel: "Benutzeroberflächen") zu sehen. Sie sei hier vernachlässigt.

Eine freundliche und hilfsbereite Mitarbeiterin des Museums bringt den Autoren dieser Zeilen in die Baumgärtel`sche Sonderausstellung. Sie befindet sich im 1. Obergeschoß, ganz an dem Ende, das in Richtung Park und Bushaltestelle zeigt.

Die Kunstpräsentation ist zwar über mehrere Räume verteilt; die Zahl der Werke (es gibt nur Malerei) dafür überschaubar. Acryl und Spraytechnik auf Leinwand zeigt Abstraktion, Stilleben, Porträt und andere Stilrichtungen. Für den Laien wirken die Ausstellungsstücke typisch für den rheinischen Künstler.

Ewald Mataré ist zwar auch ein rheinischer Künstler, dafür aber für seine Druckgraphik berühmt. Eine Dauerausstellung mit seinem Werk ist am ganz anderen Ende des Obergeschosses (also in Richtung Innenstadt) untergebracht. Sie ist durchaus sehenswert und bietet eine Vergleichsmöglichkeit, wie sich rheinisch - niederrheinische Kunst in den vergangenen 100 Jahren verändert hat.

Bürgerreporter:in:

Andreas Rüdig aus Duisburg

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

13 folgen diesem Profil

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.