Gott ist Liebe
Wir sind alle Sünder

Die Verfehlung, für die man mich sehr, sehr gerne erschossen oder gevierteilt hätte, habe ich mehr als einmal bezahlt.

Was ich mir auch vorwerfe, ich konnte einen guten Freund nicht vom grausamen Suizid abhalten. Immer wieder habe ich ihm das Versprechen abgenommen, diese dumme Tat nicht zu begehen, am Ende erfolglos.

Zu allererst schlimm für ihn und seine Angehörigen, aber ich selbst durchlitt in der Folge auch eine Krise.

Ich verlor meine gute Arbeit und fiel durch alle sozialen Netze, es war vor dreißig Jahren noch möglich, die Krankenversicherung zu verlieren.

Es war ein harter und schwerer Weg für mich, beruflich wieder Fuß zu fassen.

In all meinen Berufsjahren in Großraum-Büros habe ich gelernt, dass wir alle Fehler machen, der Mensch ist nicht immer vernünftig, wir alle werden jeden Tag schuldig durch Tun oder durch Unterlassung.

Als 1989 meine Großmutter verstarb, habe ich geheult wie ein Schlosshund.

Sie war bis zum Schluß geistig fit, las Zeitungen und schaute jeden Sonntag den internationalen Presseclub. Sie war sehr wohl ein politischer Kopf, und sie studierte Kunstgeschichte als Gasthörerin an der Universität.

Über Kunstgeschichte unterhielt sie sich auch mit ihrem katholischen Hausgeistlichen, Pfarrer Kupfer.

Auch zu mir war dieser Katholik sehr, gut und sehr anständig.

Meine persönliche überkonfessionelle Rettung war und ist das internationale Berlin.

Auf meine Art war ich immer „katholischer als der Papst“.

Vor circa zwei Jahren machte ich die zufällige Bekanntschaft mit einer sehr gläubigen Dame, die in der deutschen Provinz zu Hause ist und mit dem Dorfpfarrer große Schwierigkeiten hat.

Ich mache mir Sorgen um dieses Land.

Die katholische Kirche ist nicht unbedingt frei von Dummheit, auch echte Christen können strohdoofe Antisemiten sein.

Ich träume von einer toleranten, harmonischen Gesellschaft, in der echte Sünder nicht gefoltert werden, in der wir Ihnen die Chance geben ihre ureigenen Fehler zu bereuen und durch tätige Reue zu wertvollen Mitgliedern der Gesellschaft zu werden.

Von diesem Gedanken bin ich beseelt.

Im Moment schlagen die Herrscher dieser Welt noch ganz dämlich um sich. Ich möchte um keinen Preis dieser Welt in ihrer Haut stecken

So sehe ich es.

Bürgerreporter:in:

Lorenz George aus Berlin

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